Am sechtzehnten Sonntage nach Pfingsten

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Annette von Droste-Hülshoff: Am sechtzehnten Sonntage nach Pfingsten (1822)

1
Wer nur vertraut auf Gottes Macht
2
In allen seinen Nöten,
3
Den hat kein Feind zum Fall gebracht,
4
Den kann kein Übel töten;
5
Und wo die Angst ihn überfällt,
6
Da wird der allerstärkste Held
7
An seine Seite treten.

8
Der wird mit seinem scharfen Speer
9
Die Gegner ihm zerstäuben,
10
Und von dem allergrößten Heer
11
Kein Huf wird übrigbleiben;
12
Sei's äußrer oder innrer Feind,
13
Wenn nur der rechte Held erscheint,
14
Der kann ihm Grenzen schreiben.

15
Er ist der allerbeste Herr,
16
Den einer mag erlangen,
17
Glückselig lebt der Fröner, der
18
In seinem Dienst gefangen.
19
So süß ist seine Sklaverei,
20
Daß jeder, sei er noch so frei,
21
Mag tragen drum Verlangen.

22
Des Hungers Qual, der Blöße Schmach,
23
Die weiß er zu vergelten;
24
Es durft' ihn noch bis diesen Tag
25
Nicht einer treulos schelten.
26
Er zahlt mit wucherndem Gewinst
27
An alle, die in seinen Dienst
28
Ihr Gut und Leben stellten.

29
Und aller Stärke Talisman,
30
Den hält er in der Rechten;
31
Selbst aus den schärfsten Dornen kann
32
Er Rosenkränze flechten.
33
Er zeigt im wilden Kampfrevier
34
Die echte Aaronsschlange dir,
35
Mußt du mit Vipern fechten.

36
Und rüttelt sich der grimmste Feind:
37
Da lehrt er dich ein Zeichen,
38
Vor dem, so schlimm er es auch meint,
39
Muß schnell der Drache weichen.
40
Nur sei es von bereiter Hand
41
Mit rechtem Glauben angewandt,
42
Sonst mag es nimmer reichen.

43
Wem schwach der Glaube und Vertraun,
44
Ob ihn die Sehnsucht treibe,
45
Der darf doch noch von ferne schaun,
46
Daß er im Nachtrab bleibe;
47
Auf dem erquickend in der Glut
48
Des Helden milder Schatten ruht
49
Wie mächt'gen Schildes Scheibe.

50
Doch wem der Glaube echt und klar,
51
Den kann kein Leid bezwingen,
52
Der mag wohl aller Güter bar
53
Noch wie ein Vogel singen:
54
»schaut doch die Lilien in dem Feld
55
Wie sind sie frisch und wohlbestellt,
56
Wie grün und guter Dingen!

57
Sie haben nicht des Webens acht
58
Und sind so reich gezieret,
59
Daß Salomo in seiner Pracht
60
Viel minder Staat geführet.
61
Schaut doch die jungen Raben an
62
Wie sind sie satt und wohlgetan
63
Wie blank und glatt geschnüret!

64
Er, der die jungen Raben nährt,
65
Er wird auch meiner walten,
66
Und müßt' er aus der Schlack' am Herd
67
Die Brode mir gestalten.
68
O Heil, daß ich den Herrn erwarb,
69
Bei dem kein Diener noch verdarb,
70
An ihn will ich mich halten!«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Dieser Text könnte aus folgender Literaturepoche stammen:

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Annette von Droste-Hülshoff
(17971848)

* 10.01.1797 in Burg Hülshoff, † 24.05.1848 in Burg Meersburg

weiblich, geb. von Droste-Hülshoff

natürliche Todesursache | Lungenentzündung

deutsche Schriftstellerin und Komponistin

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.