Am zwölften Sonntage nach Pfingsten

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Annette von Droste-Hülshoff: Am zwölften Sonntage nach Pfingsten (1822)

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Ja, wenn ich schaue deine Opferflamme
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In eines frommen Auges reiner Glut,
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Dann schimmert es, als ob es mich verdamme;
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Der scharfe Strahl fährt in mein schuldig Blut.
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Wie blendet mich das Licht!
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Die Augen darf ich nicht erheben;
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Ich darf es nicht,
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Und meine Wimper beben.

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Und unter den gcschloßnen Lidern fahren
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Die Schatten alter Sünden hin und her.
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Was dann sich muß dem Hirne offenbaren,
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O meinem Feinde werd' es nicht so schwer!
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Aus Grund und Wänden auch
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Sie dampfen, schweben durch die Zimmer,
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Gebild' aus Rauch;
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So war und bleibt es immer.

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Wenn eine milde Tat ich seh vollbringen,
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So recht aus übervollen Herzens Grund,
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So klar die heißen Liebesquellen springen,
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Nur achtend was dem Bruder sei gesund,
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Wenn ganz ein Gotteskind,
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Sich unbewußt, am Gnadenkleide scheinet
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Die Träne lind,
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Nicht fragt, warum sie weinet,

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Dann wühlt in meinem Busen das Gewissen,
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Schutt und Geröll stellt sich mein Wirken dar;
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Das Geben und das Streben mir zerrissen
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Von Grübelns Dornen, wie der Einfalt bar,
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Ja überall mein Fuß
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An Gitter stößt, an Kerkerschragen,
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Und zitternd muß
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An meine Brust ich schlagen.

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Vor allem, ach! wenn eine fromme Stimme
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Mir flüstert zu ein einfach heilig Wort,
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So sicher daß mein Herz in Glauben schwimme,
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So unbesorgt um meines Lebens Port,
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Mir deiner Gnade Laut
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Unschuldig beut als Losungszeichen
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Und ganz vertraut
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An meine Brust will schleichen:

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Dann müssen alle Worte sich empören,
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Die frevelnd ich gesprochen einst und je
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Und alles was noch jetzt mich kann verstören,
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Das steigt und wirbelt um mich wie ein See,
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Dann fühl' ich in dem Schaum
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Noch heut mich keiner Bande ledig,
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Dann stöhn' ich kaum:
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Gott sei mir Sünder gnädig!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Annette von Droste-Hülshoff
(17971848)

* 10.01.1797 in Burg Hülshoff, † 24.05.1848 in Burg Meersburg

weiblich, geb. von Droste-Hülshoff

natürliche Todesursache | Lungenentzündung

deutsche Schriftstellerin und Komponistin

(Aus: Wikidata.org)

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