Am neunten Sonntage nach Pfingsten

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Annette von Droste-Hülshoff: Am neunten Sonntage nach Pfingsten (1822)

1
O hütet, hütet euch!
2
Die Luft hat sich umzogen
3
Und in den Wolken grell und reich
4
Hebt sich ein falscher Friedensbogen,
5
Von dem ein Dämon niederstieg,
6
Der mit dem Ölzweig bringt den Krieg.

7
Und allerorten stehn
8
Posaunende Propheten,
9
So aus dem Staube Stricke drehn,
10
So flach die Berge wollen treten.
11
O hüte dich, ehrwürd'ger Art
12
Ist ihr Gesicht, und grau ihr Bart!

13
Der eine zeigt den Riß,
14
Wo soll auf nackten Höhen
15
Die göttliche Akropolis
16
Der christlichen Minerva stehen:
17
Folgst du ihm nach, du bleibst gebannt
18
Wo noch kein Hälmchen Nahrung fand.

19
Da magst vor ödem Stein
20
Du betend niedersinken,
21
Und lange noch wird dein Gebein
22
Ein warnend Beispiel niederblinken,
23
Als eines, der zu eigner Not
24
Verwandelte in Stein das Brod.

25
Der andre deutet tief
26
Nach einer Höhle Gründen
27
Und horcht in seinem Wahn, als rief
28
Ihm eine Stimme aus den Schlünden:
29
Hieher! was klar das ist ein Schein,
30
Im Schachte wohnt der Edelstein!

31
O diesem folge nicht,
32
Der Gottes Haus zum Schreine,
33
Und wehe, jenem folge nicht,
34
Der Gottes Nahrung macht zum Steine!
35
Doch besser dumpf im Schachte stehn
36
Als droben frech gen Himmel sehn!

37
Und auf dem grünen Plan,
38
Wo frisch die Kräuter schwellen,
39
Da liegt so hellbetaut die Bahn,
40
Da sprudeln die lebend'gen Quellen,
41
Und aus der Demut grauem Stein
42
Hebt sich ein Tempel schlicht und klein.

43
Dort findest du ein Mahl
44
So ganz für dein Bedürfen,
45
Dort darfst du aus dem heil'gen Gral
46
Des Glaubens milde Labung schlürfen,
47
So wie sie einem Wesen recht,
48
Das noch des ird'schen Leibes Knecht.

49
O hemme nur dein Ohr,
50
Vom fremden Klang umzogen!
51
O blicke lüstern nicht empor
52
Zum bunten falschen Friedensbogen!
53
An deinem Tempel sollst du knien,
54
Das Wetter wird vorüberziehn.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Dieser Text könnte aus folgender Literaturepoche stammen:

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Annette von Droste-Hülshoff
(17971848)

* 10.01.1797 in Burg Hülshoff, † 24.05.1848 in Burg Meersburg

weiblich, geb. von Droste-Hülshoff

natürliche Todesursache | Lungenentzündung

deutsche Schriftstellerin und Komponistin

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.