Am dritten Sonntage nach Pfingsten

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Annette von Droste-Hülshoff: Am dritten Sonntage nach Pfingsten (1822)

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Doch zu dem Reichen
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Sprach Abraham: »Und hörten nie
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Sie Mosen noch Prophetenschar,
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Dann wahrlich nimmer glauben sie,
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Stellt sich ein Toter ihnen dar.«
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So ward die Scheidewand gelegt,
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Und auf den Grabstein hat geprägt
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Die Ewigkeit ihr stummes Zeichen.

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Wie brünstig flehend
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Hab' ich so oft in mancher Nacht
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An meine Toten mich gewandt!
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Wie manchen Stundenschlag bewacht,
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Wenn grau und wirbelnd lag das Land!
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Und nicht ein Zeichen ward mir je,
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Kein Knistern in des Lagers Näh',
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Kein Schimmer längs den Wänden gehend.

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Hab' ich's gefunden
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Doch hart und lieblos manches Mal,
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Daß das, dem ich so heiß geneigt,
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Nicht einen Laut für meine Qual,
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Kein Zeichen hatte noch so leicht.
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An ihrer Statt, so dünkte mich,
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Würd' alles, alles wagen ich,
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Zu lindern des Geliebten Wunden.

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Ihr konntet's nimmer!
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Ausfechten sollen wir den Kampf
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Und bleiben dem Geschick die Macht.
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Ich fühl' es wohl, der Seele Krampf
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Zerrinnen müßte mit der Nacht,
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Ja mit dem letzten Nebeltraum
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Zerfließen muß des Bösen Schaum,
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Drum bleibt die Wahrheit nur ein Schimmer.

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O mög' uns bleiben
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In diesem grau und trüben Stand,
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Wo Schatten lagern überm Licht,
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Nur reiner Liebesfackel Brand;
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Dann sind wir auch verlassen nicht!
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Und wie das Schiff in wüster See,
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Vertrauend auf des Pharus Näh',
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Mag unser Kahn zum Hafen treiben.

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Dem reichen Manne
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Sprach nicht ein Wort von Zweifels Not
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Die schreckliche Verdammnis aus;
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Nein nur das ungebrochne Brod,
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Als ächzend lag vor seinem Haus
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Der Arm' und Sieche, dies allein
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Hat lastend wie ein Mühlenstein
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Ihn fortgewälzt zu Pein und Banne.

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Hier steht die Stelle:
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»und als er in die Qualen kam,
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Da hob die Augen er empor,
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Sah in der Ferne Abraham,
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Umgeben von der Heil'gen Chor,
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Und Lazarum in seinem Schoß
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Der Schwären frei, der Plagen los.«
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Er aber – er war in der Hölle!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Annette von Droste-Hülshoff
(17971848)

* 10.01.1797 in Burg Hülshoff, † 24.05.1848 in Burg Meersburg

weiblich, geb. von Droste-Hülshoff

natürliche Todesursache | Lungenentzündung

deutsche Schriftstellerin und Komponistin

(Aus: Wikidata.org)

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