Am Feste der hl. drei Könige

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Annette von Droste-Hülshoff: Am Feste der hl. drei Könige (1822)

1
Durch die Nacht drei Wandrer ziehn,
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Um die Stirnen Purpurbinden,
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Tiefgebräunt von heißen Winden
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Und der langen Reise Mühn;
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Durch der Palmen säuselnd Grün
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Folgt der Diener Schar von weiten;
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Von der Dromedare Seiten
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Goldene Kleinode glühn.
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Wie sie klirrend vorwärts schreiten,
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Süße Wohlgerüche fliehn.

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Finsternis hüllt schwarz und dicht
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Was die Gegend mag enthalten;
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Riesig drohen die Gestalten:
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Wandrer fürchtet ihr euch nicht?
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Doch ob tausend Schleier flicht
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Los' und leicht die Wolkenaue:
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Siegreich durch das zarte Graue
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Sich ein funkelnd Sternlein bricht,
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Langsam wallt es durch das Blaue,
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Und der Zug folgt seinem Licht.

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Horch, die Diener flüstern leis:
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Will noch nicht die Stadt erscheinen,
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Mit den Tempeln und den Hainen,
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Sie der schweren Mühe Preis?
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Ob die Wüste brannte heiß,
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Ob die Nattern uns umschlangen,
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Uns die Tiger nachgegangen,
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Ob der Glutwind dörrt' den Schweiß:
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Augen an den Gaben hangen
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Für den König stark und weis'.

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Sonder Sorge, sonder Acht,
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Wie drei stille Monde ziehen
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Um des Sonnensternes Glühen,
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Ziehn die Dreie durch die Nacht.
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Wenn die Staublawine kracht,
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Wenn mit grausig schönen Flecken
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Sich der Wüste Blumen strecken:
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Schaun sie still auf jene Macht,
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Die sie sicher wird bedecken,
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Die den Stern hat angefacht.

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O ihr hohen heil'gen Drei!
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In der Finsternis geboren,
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Hat euch kaum ein Strahl erkoren,
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Und ihr folgt so fromm und treu!
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Und du meine Seele, frei
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Schwelgend in der Gnade Wogen,
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Mit Gewalt ans Licht gezogen,
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Suchst die Finsternis aufs neu!
49
O wie hast du dich betrogen;
50
Tränen blieben dir und Reu'!

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Dennoch, Seele, fasse Mut!
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Magst du nimmer gleich ergründen,
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Wie du kannst Vergebung finden:
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Gott ist über alles gut!
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Hast du in der Reue Flut
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Dich gerettet aus der Menge,
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Ob sie dir das Mark versenge
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Siedend in geheimer Glut:
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Läßt dich nimmer dem Gedränge
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Der dich warb mit seinem Blut.

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Einen Strahl bin ich nicht wert,
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Nicht den kleinsten Schein von oben.
63
Herr, ich will dich freudig loben,
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Was dein Wille mir beschert!
65
Sei es Gram, der mich verzehrt,
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Soll mein Liebstes ich verlieren,
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Soll ich keine Tröstung spüren,
68
Sei mir kein Gebet erhört:
69
Kann es nur zu dir mich führen,
70
Dann willkommen Flamm' und Schwert!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Annette von Droste-Hülshoff
(17971848)

* 10.01.1797 in Burg Hülshoff, † 24.05.1848 in Burg Meersburg

weiblich, geb. von Droste-Hülshoff

natürliche Todesursache | Lungenentzündung

deutsche Schriftstellerin und Komponistin

(Aus: Wikidata.org)

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