Die Bank

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Annette von Droste-Hülshoff: Die Bank (1842)

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Im Parke weiß ich eine Bank,
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Die schattenreichste nicht von allen,
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Nur Erlen lassen, dünn und schlank,
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Darüber karge Streifen wallen;
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Da sitz' ich manchen Sommertag
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Und laß mich rösten von der Sonnen,
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Rings keiner Quelle Plätschern wach,
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Doch mir im Herzen springt der Bronnen.

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Dies ist der Fleck, wo man den Weg
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Nach allen Seiten kann bestreichen,
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Das staub'ge Gleis, den grünen Steg,
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Und dort die Lichtung in den Eichen:
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Ach manche, manche liebe Spur
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Ist unterm Rade aufgeflogen!
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Was mich erfreut, bekümmert, nur
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Von drüben kam es hergezogen.

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Du frommer Greis im schlichten Kleid,
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Getreuer Freund seit zwanzig Jahren,
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Dem keine Wege schlimm und weit,
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Galt es den heil'gen Dienst zu wahren,
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Wie oft sah ich den schweren Schlag
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Dich drehn mit ungeschickten Händen,
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Und langsam steigend nach und nach
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Dein Käppchen an des Dammes Wänden.

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Und du in meines Herzens Grund,
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Mein lieber schlanker blonder Junge,
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Mit deiner Büchs' und braunem Hund,
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Du klares Aug' und muntre Zunge,
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Wie oft hört' ich dein Pfeifen nah,
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Wenn zu der Dogge du gesprochen;
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Mein lieber Bruder warst du ja,
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Wie sollte mir das Herz nicht pochen?

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Und manches was die Zeit verweht,
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Und manches was sie ließ erkalten,
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Wie Banquos Königsreihe geht
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Und trabt es aus des Waldes Spalten.
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Auch was mir noch geblieben und
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Was neu erblüht im Lebensgarten,
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Der werten Freunde heitrer Bund,
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Von drüben muß ich ihn erwarten.

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So sitz' ich Stunden wie gebannt,
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Im Gestern halb und halb im Heute,
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Mein gutes Fernrohr in der Hand
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Und laß es streifen durch die Weite.
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Am Damme steht ein wilder Strauch,
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O, schmählich hat mich der betrogen!
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Rührt ihn der Wind, so mein' ich auch
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Was Liebes komme hergezogen!

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Mit jedem Schritt weiß er zu gehn,
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Sich anzuformen alle Züge;
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So mag er denn am Hange stehn,
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Ein wert Phantom, geliebte Lüge;
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Ich aber hoffe für und für,
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Sofern ich mich des Lebens freue,
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Zu rösten an der Sonne hier,
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Geduld'ger Märtyrer der Treue.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Annette von Droste-Hülshoff
(17971848)

* 10.01.1797 in Burg Hülshoff, † 24.05.1848 in Burg Meersburg

weiblich, geb. von Droste-Hülshoff

natürliche Todesursache | Lungenentzündung

deutsche Schriftstellerin und Komponistin

(Aus: Wikidata.org)

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