Gruß an Wilhelm Junkmann

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Annette von Droste-Hülshoff: Gruß an Wilhelm Junkmann (1822)

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Mein Lämpchen zuckt, sein Docht verglimmt,
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Die Funken knistern im Kamine,
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Wie eine Nebeldecke schwimmt
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Es an des Saales hoher Bühne;
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Im Schneegestöber schläft die Luft,
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Am Scheite ist das Harz entglommen,
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Mich dünkt, als spür' ich einen Duft
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Wie Weihrauch an der Gruft des Frommen.

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Dies ist die Stunde, das Gemach,
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Wo sich Gedanken mögen wiegen,
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Verklungne Laute hallen nach,
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Es dämmert in verloschnen Zügen;
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Im Hirne summt es, wie ein Lied
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Das mit den Flocken möchte steigen,
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Und, flüsternd wie der Hauch im Ried,
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An eines Freundes Locke neigen.

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Schon seh ich ihn, im gelben Licht,
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Das seines Ofens Flamme spielet,
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Er selbst ein wunderlich Gedicht,
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Begriffen schwer, doch leicht gefühlet.
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Ich seh ihn, wie, die Stirn gestützt,
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Er leise lächelt in Gedanken;
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Wo weilen sie? wo blühen itzt
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Und treiben diese zarten Ranken?

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Baun sie im schlichten Heidekraut
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Ihr Nestchen sich aus Immortellen?
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Sind mit der Flocke sie getaut
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Als Träne, wo die Gräber schwellen?
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Vielleicht in fernes fernes Land
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Wie Nachtigallen fortgezogen,
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Oder am heil'gen Meeresstrand,
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Gleich der Morgana auf den Wogen.

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Ihm hat Begeistrung, ein Orkan,
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Des Lebens Zedern nicht gebeuget,
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Nicht sah er sie als Flamme nahn,
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Die lodernd durch den Urwald steiget;
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Nein, als entschlief der Morgenwind,
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Am Strauche summten fromme Bienen,
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Da ist der Herr im Säuseln lind
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Gleich dem Elias ihm erschienen.

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Und wie er sitzt, so vorgebeugt,
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Die hohe Stirn vom Schein umflossen,
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Das Ohr wie fremden Tönen neigt,
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Und lächelt geistigen Genossen,
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Ein lichter Blitz in seinem Aug',
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Wie ein verirrter Strahl aus Eden, –
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Da möcht' ich leise, leise auch
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Als Äolsharfe zu ihm reden.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Annette von Droste-Hülshoff
(17971848)

* 10.01.1797 in Burg Hülshoff, † 24.05.1848 in Burg Meersburg

weiblich, geb. von Droste-Hülshoff

natürliche Todesursache | Lungenentzündung

deutsche Schriftstellerin und Komponistin

(Aus: Wikidata.org)

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