Harvstehude

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Friedrich von Hagedorn: Harvstehude (1731)

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Ich bin ein Freund der Klosterländer,
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Und gönn' und wünsch' insonderheit
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Den rechten Kern der Segenspfänder
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Der jüngferlichen Geistlichkeit.
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Was Heilige für sich verwalten,
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Das kann, das wird, das muß gedeihn,
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Und frommer Schwestern Wohlverhalten
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Sollt' immer reich an Pfründen sein.

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Ihr edlen Johanniterinnen,
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Euch strömen Gut und Ehre zu;
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Ihr seid ein Muster keuscher Sinnen
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In Harvstehudens sichrer Ruh'.
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Wie selten höret ihr die Klagen
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Der buhlerischen Schmeichelei!
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Euch drücken keine Landesplagen,
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Kein Alp und keine Ketzerei.

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Nichts ist so schön als Harvstehude,
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Und darum ist es Eurer werth,
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Wo auch der allerkärgste Jude
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Den Silberling mit Muth verzehrt.
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Das schwör' ich bei der alten Linde,
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In der so mancher Vogel heckt,
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Die gegen wilde Wirbelwinde
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Mit neunundneunzig Aesten deckt.

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Hier gehet in gewölbten Lüften
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Die Sonne recht gefällig auf,
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Und lachet den beblümten Triften,
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Und sieht mit Lust der Alster Lauf.
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Oft taucht sich hier ein schöner Schwimmer
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In ihrer Strahlen Wiederschein,
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Und oftmals heißt ihr erster Schimmer
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Sogar die Thiere fröhlich sein.

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Wir steigen bei den schlanken Weiden
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Aus Arch' und Nachen an den Strand,
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Und dann begleitet unsre Freuden
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Lenz oder Sommer auf das Land.
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Flugs kömmt der aufmerksame Toppe
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So freundlich und so tiefgeneigt,
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Als an dem Boberfluß ein Stoppe
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Den Sättler guten Freunden zeigt.

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Er selber siehet mit Ergötzen,
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Daß diese Gegend uns gefällt,
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Und gibt uns von den besten Schätzen,
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Die seines Kellers Kluft enthält.
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Er spricht fast, wie Achill gesprochen:
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Herr Phoenix, Ajax und Ulyß ...
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Die Herren setzen sich ... wir kochen,
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Und reiner Wein erfolgt gewiß.

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Wo findet man so gute Wirthe,
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Als an den Helden jener Zeit?
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Wann sich ein Wandersmann verirrte,
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So stand für ihn ihr Haus bereit.
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Hier folgt man täglich dem Exempel
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Und tränkt und speiset jeden Gast,
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Und uns macht diesen Comustempel
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Auch ein Cornaro nicht verhaßt.

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Man übet hier auf freier Wiese
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Bald das Gesicht, bald den Geschmack;
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Oft schallt hier bis zur Zirbeldrüse
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Ein auserles'ner Dudelsack:
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Und weil auch für gelehrte Männer
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Der Thorweg schuldigst offen steht,
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So kommen hier die Funkenkenner
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Und sehn die Elektricität.

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Vielleicht wird jetzt mein Lied gerathen;
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Ein neuer Anblick gibt ihm Kraft:
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Der Hügel der Licentiaten,
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Die Landung einer Hauptmannschaft.
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Doch wie? Ein Schwätzer kömmt gegangen,
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Der Lust und Einfall unterbricht.
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O hätt' ich nur nicht angefangen!
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Genug! Ich dichte weiter nicht.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich von Hagedorn
(17081754)

* 23.04.1708 in Hamburg, † 28.10.1754 in Hamburg

männlich

deutscher Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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