Mezendore

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Friedrich von Hagedorn: Mezendore (1731)

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Herr Nicolaus Klimm erfand
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Mehr Länder als ich Reime,
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So gar ein unterirdisch Land
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Vernünft'ger Thier' und Bäume.
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Die Ober- und die Unterwelt
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Bewunderten den großen Held.
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Er pranget im Register
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Der Kaiser und der Küster.

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Des Landes Name klinget fein,
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Und schmeichelt recht dem Ohre.
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Es heißet, (was kann schöner sein?)
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Es heißet Mezendore.
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Hier hat das thierische Geschlecht
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Und jeder Baum das Bürgerrecht,
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Wenn er, wie sich's gehöret,
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Die Obrigkeit verehret.

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Der Löwe bleibet allemal
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Monarch des ganzen Staates.
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Die Elephanten trifft die Wahl
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Zu Gliedern seines Rathes.
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Ein luftiger Chamäleon
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Trägt stets das Canzleramt davon,
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Und was er angefangen,
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Vollführen Füchs' und Schlangen.

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Die Ritterschaft bestehet hier
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Aus Straußen und aus Pfauen.
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Das Oechslein und das andre Thier
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Läßt sich als Bürger schauen.
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Das Schaf, der Hamster und das Schwein
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Sind Bauern, oder könnten's sein.
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Die sich dem Lehramt weihen,
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Sind trockne Papageien.

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Das Kriegesheer trotzt auf die Treu'
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Geübter Tigerschaaren,
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Das leichte Hirschvolk dient dabei
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Statt streifender Husaren.
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Die Flotten führt das Wasserpferd,
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Der Raubfisch mit dem scharfen Schwert,
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Den Säuger
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Hilft ihrer Seemacht streiten.

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Die Kammer nährt aus weiser Huld
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Zehn hochbetraute Bären,
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Den Anlauf jeder alten Schuld
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Gebietrisch abzuwehren.
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Der Habicht nimmt die Steuern ein:
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Den Dohlen muß der Reiche leihn:
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Zu Pächtern setzt man Raben
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Von ungemeinen Gaben.

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Das Richteramt wird hier bestellt
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Durch Menschen-gleiche Bäume.
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Die Birke straft die junge Welt,
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Der Lorbeer schlechte Reime:
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Und weil hier Frost und Nüchternheit
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Nur gar zu oft den Dichtern dräut;
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So heißen sie die Reben
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Sich und den Vers beleben.

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Die Gänse schnattern vor Gericht
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Laut schallende Recesse,
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Damit der Kauz, als Schreiber, nicht
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Den kleinsten Satz vergesse.
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Allein, vor niederm Ding und Recht
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Erscheinen Elster, Staar und Specht;
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Die zanken sich und schreien
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Auf Kosten der Parteien.

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Allhier sind die Grammatici
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Streitbare Ziegenböcke;
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Die dünken sich kein schlechtes Vieh,
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Das zeigt ihr stolz Geblöcke;
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Ihr hocherfahrner langer Bart
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Hegt auch kein Haar gemeiner Art
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Und ihre Hörner siegen
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In scharfen Wörterkriegen.

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Der Unterthanen Unterschied
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In Thieren, Bäumen, Pflanzen
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Ist, weil der Staat nach Würden blüht,
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Einstimmig in dem Ganzen.
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Was hier ein Amt zu führen hat,
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Dient sich und auch vielleicht dem Staat;
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Der scheint bekanntern Reichen
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Hierinnen fast zu gleichen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich von Hagedorn
(17081754)

* 23.04.1708 in Hamburg, † 28.10.1754 in Hamburg

männlich

deutscher Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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