Du büßest, unverdient, der Väter Missethaten

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Friedrich von Hagedorn: Du büßest, unverdient, der Väter Missethaten Titel entspricht 1. Vers(1731)

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Du büßest, unverdient, der Väter Missethaten.
2
Bis du, o sichres Rom, die Tempel wieder baust,
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Der Götter Wohnungen, die in Verfall gerathen,
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Auf deren Bildern du noch Rauch und Moder schaust.

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Durch Ehrfurcht gegen sie hast du das Heft erhalten.
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Sie gründete den Flor, der dir den Vorzug gibt;
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Doch sahn die Götter kaum den ersten Dank erkalten,
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So ward Hesperien durch öftre Noth betrübt.

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Wir kriegten ohne sie, uneingedenk der Zeichen:
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Schon zweimal bändigt uns Monaeses und Pacor.
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Durch größrer Ketten Gold, den Raub von unsern Leichen,
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Hebt sich der Parther Hals weit stolzer, als zuvor.

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Bald hätt' Aegyptens Volk, das mit der Seemacht schreckte,
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Und bald der Dacier, der frech den Wurfpfeil schwenkt,
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Als alles schwürig war und voller Aufruhr steckte,
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Die Mauern unsrer Stadt in öden Staub versenkt.

17
Der Zeiten öftre Brut, der Frevel und die Schande,
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Beschmitzten anfangs bald die Ehen, Haus und Stamm;
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Und diese Quelle war's, aus der dem Vaterlande,
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Dem Volke des Quirins, der Strom der Strafen kam.

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Ein reifes Mädchen lernt der geilsten Griechen Tänze,
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Der Stellung Wissenschaft, der Glieder Fertigkeit,
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Und sinnt, voll Ungeduld, in ihrem ersten Lenze,
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Schon auf ein Meisterstück der frühen Lüsternheit.

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Sie freit und wagt beim Schmaus vom Mann sich wegzustehlen.
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Sucht jüngre Buhler auf, mit denen sie entschleicht,
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Und ihnen, schnell und frech und ohne langes Wählen,
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Wann sie das Licht entfernt, verbotne Küsse reicht.

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Doch nein! Sie heißt den Mann, der Schande Hehler, trinken,
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Steht auf und schmieget sich an eines Fremden Brust;
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Es mag ein Mäkler ihr, es mag ein Schiffherr winken,
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Als die Meistbietenden für manche schnöde Lust.

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Roms tapfre Jugend ist von solchen nicht entsprungen;
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Nie färbt' ein Meer durch sie der Poener Blut und Fall.
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Durch Söhne bess'rer Art ward Pyrrhus Heer bezwungen,
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Der Held Antiochus, der grimme Hannibal.

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Durch rüstig Bauernvolk, durch manchen Held im Kittel,
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Der, durch den Feldbau stark, gehärtet durch den Pflug,
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Nach scharfer Mütter Sinn, noch emsig Scheit und Knüttel
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Zum Schluß der Arbeit hieb und in die Hütte trug:

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Bis, wann die Sonne nun den Wagen tiefer lenkte
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Und an den Bergen sich der spätste Schatten wies,
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Die süße Stunde kam, die ihm die Ruhe schenkte
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Und aus dem schweren Joch die müden Rinder ließ.

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Was mindert nicht die Zeit? Verarten wir nicht immer?
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Die Römer sind nicht mehr was sie gewesen sind:
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Die Ahnen waren arg, die Väter wurden schlimmer,
48
Und ärger, als wir selbst, wird Kind und Kindeskind.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich von Hagedorn
(17081754)

* 23.04.1708 in Hamburg, † 28.10.1754 in Hamburg

männlich

deutscher Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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