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Wem ist dein Ruhm, dein Vorzug unbekannt,
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Hetrurien, der Künstler Vaterland,
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Wo die Natur, das Auge zu entzücken,
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Recht sinnreich ist, Berg, Thal und Busch zu schmücken,
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Und Wahl und Kunst, durch edelmüth'gen Fleiß,
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Der Schöpferin klug nachzuahmen weiß?
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Der Arno sah hier sonst an seinem Schilfe
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Den Pan voll Muth und Nymphen ohne Hilfe,
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Und noch erblickt sein reizendes Revier
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Der Schönen Schaar, und Lieb', und Lust mit ihr.
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Dort, in Florenz, verehrte man vorzeiten
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Ein schönes Weib, voll Stolz, und Trefflichkeiten.
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Es war nur sie dem Wunder aller Welt,
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Der Venus gleich, die Cosmus
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Sie war es nur, die Aller Sehnsucht übte,
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Geliebet ward, und keinen wieder liebte:
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Frau Silvia, für die so manche Nacht
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Der Stutzer Volk geseufzet und gewacht,
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Und, schlief es ja, mehr als ihr Ehegatte,
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Zum langen Traum nur sie gewünschet hatte.
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An Zärtlichkeit und an Verehrung glich
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Kein einziger dem edlen Friederich.
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Nicht nur sein Gut, er hätte selbst sein Leben
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Um einen Kuß, bezaubert, hingegeben.
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Er wußte wol, das Geld erkauft den Sieg
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Unzweifelhaft, sowol in Lieb', als Krieg,
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Sprengt Schlösser auf, kann Wall und Burg ersteigen,
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Wiegt Wächter ein, macht Knecht' und Mägde schweigen,
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Und wiederum, schnell wie das Spiel sich dreht,
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Den Knecht, die Magd verführerisch beredt.
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Nichts lockt so sehr von allem, was wir kennen;
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Nichts auf der Welt ist freundlicher zu nennen.
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Avidien! dir lacht in der Natur
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Nichts, als das Geld: sonst alles lächelt nur.
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Nichts gleicht, für dich, an Liebreiz, und an Freude,
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Dem Sonnenerz, der besten Augenweide.
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Doch Friederich war kein Avidien:
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Nur Silvia war ihm auf Erden schön.
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Er hielte sich glückselig im Verschwenden,
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Für Silvien auch alles aufzuwenden.
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Allein umsonst, wie viel er auch erfand;
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Ein trockner Kuß auf Handschuh oder Hand,
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Ein kurzer Dank, womit sie ihn beehrte,
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Der ihren Stolz durch Pracht und Knechtschaft mehrte,
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Ein karges Lob, ein seltner Seitenblick,
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Das war sein Lohn, das war sein ganzes Glück.
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So ward er arm, weit früher, als er dachte,
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Weil er noch stets aus Hufen Baarschaft machte.
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Dies Rittergut und jenes Marquisat
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Versilberten noch immer seinen Staat;
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Doch nur ein Jahr. Anselmo, sein Verwalter,
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Ist insgeheim sein jüdischer Erhalter,
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Kauft einen Hof, baar, doch für halbes Geld;
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Zu diesem Hof ein großes Ackerfeld,
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Zu diesem Feld ein Vorwerk, und die Pflege,
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Die Fischerei, die Jagd, und das Gehäge,
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Und, weil Pandolf, ein Wechsler, Vorschuß thut,
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Zum vorigen das Schloß, das Rittergut;
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Der Erbschaft Kern. Sein Herr läßt sich betrügen,
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Und jedes Gut in fremde Hände fliegen.
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Die Lieb' ist schlau; allein sie rechnet schlecht,
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Und gegen sich ist sie oft ungerecht,
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Sie sammlet nicht. Die milde Kunst zu lieben
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Gleicht nie der Kunst, die Xenophon beschrieben.
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Dem Friederich verblieb nur dreierlei:
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Ein Pferd, ein Falk', und eine Meierei.
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Sonst hatt' er nichts, als taube, falsche Freunde.
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Die Freunde gib, o Himmel, meinem Feinde!
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Doch, Himmel, nein! so hab' ich nie gehaßt,
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Und diesen Fluch hat nicht mein Herz verfaßt.
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Kein einziger war willig, ihm zu dienen.
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Sie ließen ihn, als einen Baum, vergrünen,
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Der Schatten gab, dem man noch helfen kann:
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Ihm half man nicht, ihn sah man nicht mehr an.
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Ein Tischfreund sprach: Er ist recht zu beklagen;
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Der andre: Ja! das wollt' ich eben sagen.
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Der dritte schwieg, und jeglicher vergaß,
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Was er zuvor allein in ihm besaß,
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Der, wenn er nur der Freunde Mangel wußte,
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Voll Ungeduld, ihn hilfreich heben mußte,
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Der jeder Kunst, der Tonkunst, Poesie
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Und Malerei, weit mehr als Lob verlieh,
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Und Silvien, zum Vortheil vieler Leute,
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Turniere, Ball und Lustbarkeiten weihte.
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Wie hätten sonst Stand, Jugend, Aufwand, Pracht
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Ihm in Florenz die Schönen hold gemacht!
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Sie gönnten nicht der Silvien ihr Glücke.
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Der Wink zur Lust, die Sprache schlauer Blicke,
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Der Seufzer Ruf, der schmeichelhafte Scherz
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Verfolgten ihn, und buhlten um sein Herz.
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Doch ward sein Herz von keinem Reiz bemeistert;
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Es ward allein von Silvien begeistert.
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Was er gedacht, empfand, und hört, und sah,
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Und sprach, und schrieb, ward alles Silvia.
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In diesem Wahn und eingenommnen Sinnen
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Sah er sein Gut, wie lockern Schnee, zerrinnen,
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Der sternend glänzt, das Auge blendend rührt,
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Doch allgemach in Tropfen sich verliert.
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So mußt' er bald der schönen Marquisaten,
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Die er besaß, bei neuer Noth, entrathen,
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Und, weil die Reih' auch bald die Grafschaft traf,
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So floh die nach; nun war er nicht mehr Graf.
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Wie kränkt' ihn das! die Wollust stolzer Ohren,
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Des Namens Schmuck, der Titel ging verloren.
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Der Silvia Gemahl, und Herr, und Hüter
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Hatt' um Florenz viel angestammte Güter,
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War reich und groß; und Friedrichs Göttin nahm
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Nichts von ihm an, wenn er zu opfern kam.
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Es war ihr Herz zu edel, zu erhaben.
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Sie duldete den Geber, nicht die Gaben,
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Und stellt' ihm nur den steten Aufwand frei.
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Den östern Ball, die öftre Mummerei,
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Das Ritterspiel, das rauschende Gepränge,
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Der Ehrenmahl' und Freudenfeste Menge,
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Womit er ihr Geburts- und Namenstag,
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Und manchen mehr, stolz zu verschönern pflag.
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Doch auch kein Kuß vergnügte seine Triebe.
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Er ist, und bleibt ein Märtyrer der Liebe.
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Die Hoffnung selbst versüßt nicht sein Bemühn.
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Er muß nunmehr die Meierei beziehn.
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Er muß die Stadt, den Sitz gewohnter Freuden,
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Er muß auch sie, die er vergöttert, meiden.
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Betrübter Trost, daß ihn ein Dach versteckt,
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Ein Dach von Rohr, das halb sein Haus bedeckt;
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Das wüste Haus, wo in der Mauer Ritzen
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Ein Marder wirft, und Kauz und Eule sitzen,
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Und Licht und Tag, grausamer als die Nacht,
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An jeder Wand nur Elend sichtbar macht!
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Hier wohnt er nun; beschämt, daß seine Treue
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Sein Unglück ist; doch immer ohne Reue.
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Er klagt nur sich, nur sein Verhängniß an,
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Daß Silvia ihn nimmer lieb gewann.
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Er klaget nur, daß er so stolz gewesen,
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Zur Schönen sich die Schönste zu erlesen.
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Er hatte hier, im öden Aufenthalt,
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Ein greises Weib von widriger Gestalt,
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Von trägem Dienst, voll Husten, Gicht und Jammer:
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Die Küche glich der leeren Speisekammer.
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Im alten Stall stand traurig und allein
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Ein gutes Pferd, doch nicht von Knochen fein,
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Und unterm Dach saß einsam, auf der Stange,
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Sein edler Falk. Dem war im Hühnerfange
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Kein andrer gleich. Mit dem ritt er in's Land,
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Und opferte dem Gram, den er empfand,
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Manch' Rebhuhn auf, als ob es büßen sollte,
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Daß Silvia ihn nicht erhören wollte.
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So lebte hier der gute Friederich,
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Durch eigne Schuld, verlassen, kümmerlich,
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Und stets verliebt. Der Unmuth, der ihn plagte,
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Stieg mit zu Pferd, und trieb ihn, wann er jagte.
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Sein zärtlich Herz war seine größte Qual.
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Indessen starb der Silvia Gemahl,
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Und hinterließ nur einen Sohn zum Erben,
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Ein schwaches Kind, und, sollte der versterben,
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So hatt' er sie im Testament bedacht,
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Und diesem Sohn zur Erbin sie gemacht.
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Sie wollte nun, geruhiger zu leben,
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Sich auf das Land, und in ein Schloß begeben,
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(von Friedrichs Hof lag es fünf hundert Schritt)
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Und nahm dahin den kleinen Junker mit.
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Dort wird er krank. Was sie erleiden müssen,
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Da Arzt und Tod ihr ihren Herrn entrissen,
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Traf nicht so sehr ihr eheliches Herz,
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Als dieses Weh, und ihres Söhnchens Schmerz.
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Den ganzen Tag sitzt sie vor seinem Bette,
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Und forscht, und fragt, was er doch gerne hätte,
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Ob dieß? ob das? was ihrem Kleinen fehlt?
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Was er zur Lust, was er zur Speise wählt?
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Sie will sich gern nach seinem Sinn bequemen.
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Er weigert sich, was sie ihm gibt, zu nehmen.
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Er weist es ab, schreit, lärmt, ist nimmer still.
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Nur jener Falk ist, was er haben will.
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Sonst will er nichts. Seit dem man ihm erzählet,
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Daß dieser Falk noch nie den Raub verfehlet,
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Daß er so scharf von Aug' und Klauen sei,
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Sonst lustig, zahm, nicht falsch, nicht menschenscheu:
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Seit solcher Zeit war es einmal geschehen,
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Daß er ihn selbst, und seinen Herrn gesehen,
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Der dieses Kind an seinen Busen drückt,
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Und einen Kuß, durch ihn, der Mutter schickt,
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Den Falken nun, den will er, und sonst keinen.
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Sonst ruht er nicht: sonst kann er nichts, als weinen.
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Die Mutter seufzt. Sie wußte freilich wol,
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Wie sehr man oft den Kindern fügen soll.
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Doch kann sie sich, ja darf sie sich entschließen,
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Den Friederich um etwas zu begrüßen,
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Das ihn vielleicht oft vor dem Hunger schützt,
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Das einzige, das er zur Jagd besitzt,
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Das einzige, was ihm das Glück gelassen?
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Hat er nicht Recht, nunmehro mich zu hassen?
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Erwies ich ihm, als er sich mir geweiht,
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Nur mich verehrt, die mind'ste Dankbarkeit?
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Wie kann ich nun ihm unter Augen gehen?
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Wie, unbeschämt, um seinen Falken flehen?
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Ich, deren Stolz ihn in sein Elend stürzt,
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Ihn, dessen Noth gewiß sein Leben kürzt!
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Doch kann mein Sohn nicht sterben, und nicht leben.
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Ich soll, ich muß ihm diesen Falken geben.
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Wie quält er sich! Er schlummert keine Nacht,
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Als bis man ihm zum Falken Hoffnung macht.
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Es sei gewagt! mein Freund läßt sich erbitten;
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Ich kenne ja sein Herz, und seine Sitten.
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Am nächsten Tag, als nur der Morgen scheint,
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Eilt sie zum Hof, und sucht den treuen Freund,
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Und findet ihn in seinem kleinen Garten.
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Er war bemüht, die Sprößlinge zu warten.
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Sie geht zu ihm, unangemeldt, hinein.
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Bald sieht er sie. Wie kann es möglich sein,
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Spricht er entzückt, daß ich dich hier verehre?
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Ich glaub' es kaum, da ich dich seh', und höre.
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So bin ich dir doch heute nicht verhaßt! ...
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O nein, mein Herr! zu dir komm' ich als Gast ...
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Als Gast? zu mir? Erblicke mit Erbarmen
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Den Liebenden, den Flüchtling, und den Armen,
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Und höhn' ihn nicht. Was hat dich hergebracht?
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Denn dein Besuch war mir nicht zugedacht ...
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Mein Freund, du irrst. Das will ich dir beweisen.
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Ich bleibe hier, und kam mit dir zu speisen ...
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Was hätt' ich wohl! an allem leid' ich Noth.
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Was tisch' ich auf? ... Wie? Hast du denn kein Brod?
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Versetzte sie. Gleich geht er aufzusuchen,
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Ob noch vielleicht ein guter Honigkuchen,
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Ob frischer Speck, ein unverächtlich Ei,
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Ob etwas sonst zum Mahl vorhanden sei.
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Da flieget ihm sein schöner Falk entgegen,
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Sein treuer Falk. Ohn' alles Ueberlegen
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Erwürgt er ihn, rupft ihm die Federn aus,
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Und hackt ihn klein, und eilt, und läuft durchs Haus.
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Selbst ist der Mann: er selbst will alles holen.
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Doch wird der Tisch der Alten anbefohlen.
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Ihr Herz verwünscht den plötzlichen Besuch;
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Doch langt sie bald das Tisch- und Tellertuch,
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Mit Wahl, hervor, setzt in das Zimmer Maien,
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Pflückt Quendel ab, die Tafel zu bestreuen,
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Holt Rosmarin; dem wird der Majoran,
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Die Ringelblum', und mehr hinzugethan.
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Man sitzt, man ißt; und, um ihn zu verbinden,
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Scheint Silvia hier alles schön zu finden.
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Noch kein Gericht hat ihr so gut geschmeckt.
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Warum sie kam, wird ihm nach Tisch entdeckt.
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Vergönnst du mir, mich dir zu offenbaren?
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Wo fang' ich an? Wie weiß ich fortzufahren?
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Ich fordre dir, mit Unrecht, alles ab,
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Was noch bisher dir Trost und Freude gab.
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Doch könntest du die Mutterliebe kennen,
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Du würdest mich beklagenswürdig nennen.
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Erbarme dich. Ach Freund, betrachte nur
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Die Regungen der Pflicht und der Natur.
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Mein Sohn ist krank; ihn nagt ein innrer Kummer,
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Der seltsam ist, und raubt ihm Kraft und Schlummer:
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Denn dieser Sohn, mein einzig Kind, er stirbt,
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Falls nicht mein Flehn den Falken ihm erwirbt:
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So heftig ist sein einziges Begehren.
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Du seufzest schon; ach glaube meinen Zähren.
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Ach hätte mir mein langer Widerstand,
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Mein spröder Stolz nicht ganz dein Herz entwandt!
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Dein edles Herz! doch wolltest du ermessen ...
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Der Falk' ist hin: du hast davon gegessen,
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Spricht Friederich; und seine Herrscherin
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Fragt ihn bestürzt: Was hör' ich? ist er hin?
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Der Arme sagt: ach hätt' ich dir, mein Leben,
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(vergib dies Wort) dafür mein Herz gegeben!
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Zum Unglück nur treibt mich mein Schicksal an:
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Ich soll nichts thun, das dich gewinnen kann,
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Dich, Silvia. Dir etwas vorzusetzen,
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War dein Geheiß, und ward mir zum Ergötzen.
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Ich suchte nach: ich sah den Boden leer,
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Und auch mein Falk' fand keine Aetzung mehr.
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Ihn würgt' ich ab, gleichgiltig, ohne Reue:
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Ihn opfert' ich der Schönheit und der Treue.
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Wie? seufzest du? Ist etwas uns zu werth,
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Wann die erscheint, die unsre Brust verehrt?
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Doch hör' jetzt auf die deinige zu quälen.
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Es soll dir nicht an einem Falken fehlen.
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Ich schaff' ihn dir von starkem Muth und Flug.
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Die Wittwe sagt: o nein; es ist genug!
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Du gibst mir jetzt das größte Liebeszeichen,
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Mein bester Freund! Es mag mein Sohn erbleichen,
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Der Himmel mag ihn länger mir verleihn;
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So dank' ich dir. Kehr' oftmals bei uns ein.
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Versprich es doch: versprich es, bald zu kommen.
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Du wirst gewiß erkenntlich aufgenommen.
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Sie reicht ihm selbst die Rechte lächelnd dar,
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Die weiße Hand, die sonst so furchtsam war.
291
Nun darf er sich mit tausend Küssen rächen.
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Sein Mund verstummt, und seine Thränen sprechen.