Liebe und Gegenliebe

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Friedrich von Hagedorn: Liebe und Gegenliebe (1731)

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Vom schweren Dienst der Eitelkeit,
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Von theuren Freunden voller Neid,
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Den Henkern unsrer Lebenszeit,
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Eil' ich den Freuden und der Ruh'
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An deinem vollen Busen zu.
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Laß jetzt mein Herz von dir erlernen,
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Die Sorgen scherzend zu entfernen.
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Zum ird'schen Himmel wünscht' es sich
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Nur dies dein Schlafgemach, und dich.
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Der Gott der Liebe schließ' uns ein;
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Sonst komme niemand! er allein
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Soll Pförtner, Zeug' und Hüter sein.

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Ich seh' den unzufried'nen Haufen
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Nach Höfen und Palästen laufen,
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Wo Gold und Schmelz und helle Pracht
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Gefahr und Knechtschaft schimmernd macht.

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Doch will auch ich von deinen Knieen
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Zu solchem Sitz der Ehrsucht fliehen,
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Und wünsch' ich mir ein höher Glück,
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Als dieses Lächeln, diesen Blick,
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So folge Qual und Ungemach
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Dem Meineid zur Bestrafung nach;
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Und, daß der Fluch vollkommen sei,
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Seh' ich mich groß, dich ungetreu!

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So zeigt, mit Schwüren und mit Küssen
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Leander, wie man heftig liebt,
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Dem, als bezaubert hingerissen,
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Die Schöne dies zur Antwort gibt:

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Was kann mich auf der Welt betrüben.
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Willst du, mein Schatz, mich ewig lieben?
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Du, dessen Huld mich stolz gemacht,
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Mein Wunsch bei Tag, und Traum bei Nacht
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O würde, wie ich dir geneigt,
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Durch mehr, als Weibermuth, bezeugt!
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Mich schrecket nichts, denn, dir zu gut,
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Vergießt Elmira gern ihr Blut,
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Wenn ihre Grabschrift nur erzählt,
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Daß sie den Tod für dich erwählt.

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Hofft meine Sehnsucht nicht vergebens,
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Du Trost und Kleinod meines Lebens,
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So trennt den Bund der Zärtlichkeit
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Kein steigend Glück, kein stürzend Leid.

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Und sollten Schätze, Reich' und Kronen
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Den Wechsel tausendfach belohnen;
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So heiß' ich, aus getreuem Sinn,
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Weit lieber deine Buhlerin,
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Als eine große Königin.

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Wie viel ist mir an dir verliehn!
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Wird mein Verlangen nicht zu kühn,
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So müssen sich noch unsre Schatten,
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Mit wiederholter Eintracht, gatten.

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Ihr Götter! scheint's euch selbst nicht schön,
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Zwo Seelen so vereint zu sehn?

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Sie seufzt, und reicht, zum Unterpfand,
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Die weiße, weiche, warme Hand.
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Ist dieses Paar nicht zu beneiden?
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Doch, dauren auch der Menschen Freuden?
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Nachdem er sich noch was verweilt,
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Und ihr den Abschiedskuß ertheilt,
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Eilt er von seiner Herrscherin
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Den Augenblick zur Hofstatt hin,
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Sie aber auch den Augenblick
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In ihres Cleons Arm zurück,
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Der damals, als Leander kam,
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Zum Winkel seine Zuflucht nahm.

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O schönes Beispiel gleicher Triebe!
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O wahres Muster heut'ger Liebe!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich von Hagedorn
(17081754)

* 23.04.1708 in Hamburg, † 28.10.1754 in Hamburg

männlich

deutscher Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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