Der Wolf und der Hund

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Friedrich von Hagedorn: Der Wolf und der Hund (1731)

1
Ein abgezehrter Wolf, ein Bild der Dürftigkeit,
2
Sah einen feisten Hund bei Nacht umherspazieren.
3
Sein Wanst gefiel ihm sehr; drum hielt ers für gescheidt,
4
Bei diesem Fremden sich manierlich aufzuführen.
5
Er schien, vor großer Lust, ganz außer sich zu sein,
6
Gesellschaft solcher Art im Felde vorzufinden,
7
Und sprach: Wann wird auch mich ein kleines Glück erfreun?
8
Und ach! wie könnte mich ein guter Rath verbinden!
9
An Gönnern fehlt es nur; die Zeiten sind nicht gut.
10
Kein Blutsfreund ladet uns mit andern lieben Gästen.
11
Wir kämpfen um den Fraß; wann, mit vergnügtem Muth,
12
Die Herren Hunde sich in vollen Küchen mästen.

13
Melamp erwidert drauf: Freund! wir beklagen dich;
14
Wir glauben's, dort im Wald ist oft nicht viel zu fressen.
15
Doch willst du mit mir gehn, so wirst du, so wie ich,
16
Nach Wunsch verpfleget sein, und aller Noth vergessen.
17
Mich liebet Herr und Frau; mein Amt fällt gar nicht schwer.
18
Ich hüte Haus und Hof, und halte nächtlich Wache.
19
Auch du scheinst mir geschickt zur Hut und Gegenwehr;
20
Und mehr bedarf es nicht, daß man dich glücklich mache.
21
Der Wolf umhalset ihn; und als er hurtig trabt,
22
Der Stelle vorzustehn, die man ihm angetragen,
23
Sieht er des Hundes Hals enthaart und abgeschabt,
24
Und wird aus Fürwitz kühn, ihn desfalls zu befragen.

25
Mich dünkt, versetzt sein Freund, mir fällt die Ursach' ein:
26
Des Tages legt man mich mit Schmeicheln an die Kette;
27
Aus Furcht, ich möchte sonst falsch oder beißig sein,
28
Dafern ein Held, wie ich, stets seinen Willen hätte.
29
Was aber schadet dies? Ich liege warm und still;
30
Mein Herr besuchet mich; der Knecht bringt Trank und Speise.
31
Der Wolf, der weiter nicht den Hund begleiten will,
32
Sucht seinen Rückweg bald, und dankt ihm für die Reise

33
Nein! ruft er: auf der Welt ist nichts der Freiheit gleich.
34
Sollt' ich mir einen Stand, den sie nicht schmückt, erwählen?
35
Dem Weisen gilt sie mehr als Thron und Königreich:
36
Wenn ihm die Freiheit fehlt, so wird ihm alles fehlen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Friedrich von Hagedorn
(17081754)

* 23.04.1708 in Hamburg, † 28.10.1754 in Hamburg

männlich

deutscher Dichter

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.