Das Delphische Orakel und der Gottlose

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Friedrich von Hagedorn: Das Delphische Orakel und der Gottlose (1731)

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Ein Schüler des Diagoras,
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Ein Bösewicht, der wenig glaubte,
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Und seinem frechen Götterhaß
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Die größte Frevelthat erlaubte,
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Ging einstens, aus verruchtem Sinn,
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Nach Delphos zum Orakel hin,
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Mit atheistischem Vergnügen
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Den Gott der Dichtkunst zu betrügen.

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O Phöbus, (sprach er) dein Verstand
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Erforschet die geheimsten Dinge.
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Hier halt' ich etwas in der Hand,
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Das ich für dich zum Opfer bringe.
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Du Sohn Latonens, gib Bericht:
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Ist es am Leben? oder nicht?
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Du weißt, es dient zu deiner Ehre,
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Daß ich von dir die Wahrheit höre.

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Er dachte: gibt man zum Bescheid,
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Dein Vogel ist nicht mehr am Leben,
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So will ich schon zur rechten Zeit
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Ihm Flug und Freiheit wiedergeben.
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Und wenn der schöne Leirer glaubt,
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Der Athem sei ihm nicht geraubt,
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So soll, auch dann ihn zu berücken,
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Ein Druck den Vogel gleich ersticken.

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Apollo übte nur Geduld,
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Aus Mitleid mit der kühnen Schwäche,
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Und sprach: Versuchst du meine Huld?
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Du bist kaum werth, daß ich mich räche.
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Zeuch deinen Sperling, o du Thor,
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Lebendig oder todt hervor.
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Die Götter lassen sich nicht äffen:
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Ich kann von ferne sehn, und treffen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich von Hagedorn
(17081754)

* 23.04.1708 in Hamburg, † 28.10.1754 in Hamburg

männlich

deutscher Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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