Die Einbildung ist in das Glück verliebt

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Friedrich von Hagedorn: Die Einbildung ist in das Glück verliebt Titel entspricht 1. Vers(1731)

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Die Einbildung ist in das Glück verliebt,
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Das sie so oft gesucht, das ihr so oft entgangen:
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Des Glückes Sprödigkeit, die ihren Fürwitz übt,
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Reizt ihre Hoffnung stets, und täuscht stets ihr Verlangen.

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Als sie noch jung und unerfahren war,
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Ging sie ihm seufzend nach bis in das Reich der Liebe.
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Doch hier entfernten es bald schlüpfrige Gefahr,
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Bald leichter Wankelmuth, bald eifersücht'ge Triebe.

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Die Arme wächst, die Leidenschaft nimmt zu:
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Sie wagt sich an den Hof, zu den geschmückten Höhen,
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Wo Pracht und Ehrgeiz rauscht. Dort fehlen Treu' und Ruh',
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Und Titel lassen sich, anstatt des Glückes, sehen.

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Sie eilt darauf ins Land der Ueppigkeit,
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Dort mit dem Glücke sich durch Reichthum zu verbinden;
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Dort war auch Ueberfluß, Gepränge, Schwelgen, Neid,
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Der bürgerliche Stolz, doch nicht das Glück, zu finden.

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Sie rennt zurück, und kömmt auf eine Bahn,
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Die ihren müden Fuß in niedre Gründe führet.
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Die stille Gegend ist der Schönen unterthan,
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Die sich mit keinem Schmuck, als Zucht und Demuth, zieret.

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Die Gottesfurcht hat dort ihr Heiligthum,
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Der Weisheit holdes Kind, die Lust der Ewigkeiten.
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Der milde Himmel kennt und schützet ihren Ruhm,
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Und Wahrheit, Lieb' und Recht weicht nicht von ihren Seiten.

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Die Einbildung fragt nach dem Glück allhier;
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Die fromme Schöne spricht: ich will dir Rath ertheilen.
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Erwart' es; such' es nicht; geselle dich zu mir:
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So wird dir schon das Glück von selbst entgegeneilen.

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Ihr wird gefolgt; nichts konnte besser sein.
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Bald sieht man einen Glanz das Heiligthum verklären.
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Es stellet sich das Glück mit offnen Armen ein,
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Umfängt die Hoffende, und sättigt ihr Begehren.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich von Hagedorn
(17081754)

* 23.04.1708 in Hamburg, † 28.10.1754 in Hamburg

männlich

deutscher Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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