Der der Schöpfung Gebot über den Abgrund sprach

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Michael Denis: Der der Schöpfung Gebot über den Abgrund sprach Titel entspricht 1. Vers(1764)

1
Der der Schöpfung Gebot über den Abgrund sprach,
2
Und aus trächtigem Nichts staunende Wesen rief,
3
Sprach zur werdenden Zeit, als sie vor ihm erschien:
4
»du nimm Flügel, und raste nie!«

5
Sie nahm Flügel, und flog, und der geschwinde Pfeil,
6
Und der streifende Nord, und der gestürzte Strom
7
Blieben müde zurück. Selbst der Gedanken Flug
8
Keichet arbeitsam hinter ihr.

9
Dennoch schilt sie der Thor, wenn er gesellschaftlos,
10
Ueberlassen sich selbst, lange Secunden zählt;
11
Dennoch schilt er sie träg', wenn ihm dann auf sich selbst
12
Mancher schaudernde Blick entfährt.

13
Wenn um's goldene Bett schwarze Phantomen stehn;
14
Wenn sein zagender Geist Dörner auf Schwanen fühlt,
15
Und der lautere Ruf seines Gewissens itzt
16
Durch die nächtliche Stille tönt.

17
O dann wünscht er den Tag, welcher den Musenfreund
18
Schon vom Abendroth' her, seiner uneingedenk,
19
Tief verloren ins Meer weiser Betrachtungen,
20
Bei der wachenden Lampe trifft. –

21
Aber schilt er auch dann, flüchtige Zeit! dich träg',
22
Wann im Thore des Tod's ihm die Verwesung winkt,
23
Und vom Staube sein Geist wartender Ewigkeit
24
Ahnungvoller entgegen bebt?

25
Wann das, was er verlebt, klein wie ein Atomus,
26
Sind's Jahrhunderte schon, dennoch ein Atomus,
27
Den im luftigen Raum' irrend ein Nord verhaucht,
28
Vor der schwitzenden Stirne schwebt?

29
O dann haßt er den Wahn, der ihn so lang betrog,
30
Der den flatternden Sinn Jahre vertändeln hieß;
31
Dann erst sieht er den Werth eilender Stunden ein,
32
Wünscht sein Leben zurück – und stirbt.

33
Zeit! unschätzbares Gut! Weise nur kennen dich;
34
Sie nur geizen nach dir. Jeglicher Augenblick
35
Fließet Weisen gebraucht. Weisen nur ist bewußt,
36
Was oft eine Minute lehrt.

37
Freund! die längere Zeit, die sich der Thor vertreibt,
38
Der ins fünfzigste Jahr buhlet und schwelgt und spielt,
39
Freund! o sage, warum gab sie der Himmel nicht
40
Schlegeln, Brawen und Cronegken?

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Michael Denis
(17291800)

* 27.09.1729 in Schärding, † 29.09.1800 in Wien

männlich, geb. Denis

österreichischer Jesuit, Autor, Übersetzer, Bibliothekar und Zoologe(1729–1800)

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.