O Geist der Lieder! der du der Herrscher Lob

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Michael Denis: O Geist der Lieder! der du der Herrscher Lob Titel entspricht 1. Vers(1764)

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O Geist der Lieder! der du der Herrscher Lob
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Der Herrscher, welche Bilder der Gottheit sind,
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Auf hellem Mondgewölke schwebend
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Weit in die Zukunft hinüber singest,

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Fahr' auf zur Harfe! bereite den hohen Schwung
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Den unerreichten über die Schöpfung hin:
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Er ist gekrönet! sing zur Veste,
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Sing zu den Inseln: Er ist gekrönet!

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Wie wenn der Adler, den ein gelinder Lenz
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Am höchsten Felsen königlich auferzog,
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Jetzt um das Nest die Flügel übet,
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Sonnenan jetzo sich herrlich aufhebt –

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Der Lüfte Barden strömen ihm Grüße nach,
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Und Berg und Hügel hallet Bewunderung.
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Ein ächter Sohn des großen Vaters
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Heißt er in folgenden Lobgesängen,

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Nach ihm der Herrschaft über die mächtigen
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Bewohnerreichen Himmelsgebiete werth.
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Der Vater hört es, und die Mutter;
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Beide durchschleicht ein geheim' Vergnügen:

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So rief dir Deutschland, blühender Joseph! zu,
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Als im Gewimmel fröhlicher Tausende
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Dein Haupt sich hin zur Krone neigte,
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Daß vom gedrungenen, vollen Jauchzen

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Die Thürme Frankfurts freudig erbebeten,
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Der blaue Main es, Ufer hinab, dem Rhein,
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Dem schilfbekränzten Bruder, zutrug,
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Dieser den horchenden Wasserwelten.

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Es sah mit Augen, welch ein Geschenk er sey
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Der Sohn, der einst, vom Himmel herabgefleht,
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In Franzen's und Theresen's Augen
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Winkenden Kronen entgegenreifet,

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Voll seiner Ahnen, seiner Bestimmung voll,
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Getreu den Mustern, eilend, wie sie, zu seyn
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Der Erde Lust, der Gottheit Spiegel,
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Schöpfer des Glückes von Teut's Geschlechtern;

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Der untergeb'nen Vater, des Lasters Feind,
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Auch, wenn's in Thürmen wohnet, aus Golde trinkt,
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Der Tugend Freund, auch, wenn sie pflüget,
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Schützer und Lied der geschützten Barden.

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So gleicht die Frucht dem Stamme. So strömt die Kraft
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Erhab'ner Zeuger in den Erzeugten aus.
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Von Eichen sprossen eitel Eichen,
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Tauben entfliegen nicht Adlernesten.

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Wie vielen Kämpfen Oesterreichs Heldenhaus
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Für dich sich ausbot, Vaterland! weiß der Belt,
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Erzählt der Rhein noch, rühmt die Donau,
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Wo sie die Fülle vereinter Wasser

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Durch weite Fluren wälzet, in welchen oft
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(sie denkts, und schauert) Morgenland blutete,
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Daß ihrer Fluth geröthet' Silber
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Waffen und Leichen erschrocken hintrieb.

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Dann sank dem Mondenträger der Stolz. Er sprach:
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Ein Waghals nimmt es künftig mit jenen auf,
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Vor derer Blitze sich zu retten
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Jeglicher herrlichen Beute gleich ist.

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Wie wider Lasten muthig die Palme strebt,
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Und, mehr gedrücket, mehr sich entgegenwölbt,
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Durch Ungemache selbst genähret
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Steigt so die Zierde der Deutschen Herrscher

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Nach Finsternissen jedesmal glänzender,
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Nach Niederlagen stärker, ergreift ihr Arm
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Den Ueberwinder. Länder beben,
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Wenn er im schrecklichen Taumel hinfällt.

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Jetzt send' ich nicht mehr jauchzende Boten dir,
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Beklemmte Stambul deinen Eroberungen
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Hat Oesterreich ein Ziel gesetzet,
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Unüberfliegbar der Hoffnung selber.

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Nun wird in Zukunft alles ihm möglich seyn.
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Des Himmels wacher Fittig umschattet es;
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Ihm fröhnt die Klugheit, seinen Fahnen
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Hat sich die Tapferkeit angelobet.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Michael Denis
(17291800)

* 27.09.1729 in Schärding, † 29.09.1800 in Wien

männlich, geb. Denis

österreichischer Jesuit, Autor, Übersetzer, Bibliothekar und Zoologe(1729–1800)

(Aus: Wikidata.org)

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