Jüngling! dein Fuß ist erhoben. Dein Aug' ist umnebelt. O laß ihn

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Michael Denis: Jüngling! dein Fuß ist erhoben. Dein Aug' ist umnebelt. O laß ihn Titel entspricht 1. Vers(1764)

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Jüngling! dein Fuß ist erhoben. Dein Aug' ist umnebelt. O laß ihn,
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Laß in nicht nieder den Fuß!
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Wähnest du Blumen zu treten? O nein! Ein schrecklicher Abgrund
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Oeffnet den Rachen vor dir.
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Aber du kannst ihn nicht sehen. Dein Aug' ist umnebelt. O Liebling
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Meiner Seele die Hand!
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Reiche du treuen Gefährten die Hand! – Nun will ich dich halten,
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Bis sich der Nebel zertheilt. –
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Ach wie brennet die Hand, wie klopfet dein Busen, wie zweifelnd
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Blicket dein schüchternes Aug'!
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Jüngling! denke den liebenden Vater, die zärtliche Mutter!
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Sähen sie deine Gefahr,
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Ach sie riefen dir zu mit bebendem Rufen: O laß ihn,
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Laß ihn nicht nieder den Fuß!
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Denke die Reue! So wahr ich dich liebe, so wahr du mich liebest,
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Zückt sie schon jetzo den Dolch,
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Stößt ihn, so bald du den Abgrund erreichest, dir tief in den Busen,
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O dann erwachet ein Weh,
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Lang, wie der Schlummer im Hause des Todes, nach flüchtigen Träumen,
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Wilder, entehrender Lust.
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Und ich sähe dich leiden? O schone des treuen Gefährten,
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Dessen Seele dich liebt!
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Halte dich fest am stärkenden Arme des Barden, und laß ihn,
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Laß ihn nicht nieder den Fuß!
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Bald wird der Nebel verduften, dein Aug' den schrecklichen Abgrund
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Schwindelnd erblicken und fliehn,
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Du den treuen Gefährten umarmen, von reinerer Wollust
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Freudegefühlen erglüh'n.
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Aber, wann jetzo die Zahl von deinen Wintern heranwächst,
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Jetzo dein blumiges Kinn
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Mannheit beschattet, mit dir die Bürden und Wonnen des Lebens
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Theilet ein keusches Gemal,
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Und dein ruhiges Aug' auf deiner geretteten Jugend
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Heitere Tage nun blickt,
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O dann rufst du: Wo ist er, mein Retter, mein treuer Gefährte,
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Der mich liebte, mein Freund?
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Nun erst kenn' ich ihn ganz den Werth von seinem Geleite,
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Ganz sein zärtliches Herz! –
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Jüngling! Sined ist todt. Von seiner verlassenen Halle
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Tönet kein freundlicher Laut,
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Leitet kein Fußtritt in Schatten. Ihm haben die Söhne der Lieder
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Traurig sein Grabmal erhöht,
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Haben ihm Namen gegeben; doch war ihm der liebste, dein Retter,
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Jüngling! gewesen zu seyn.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Michael Denis
(17291800)

* 27.09.1729 in Schärding, † 29.09.1800 in Wien

männlich, geb. Denis

österreichischer Jesuit, Autor, Übersetzer, Bibliothekar und Zoologe(1729–1800)

(Aus: Wikidata.org)

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