Harfe! lange, lange

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Michael Denis: Harfe! lange, lange Titel entspricht 1. Vers(1764)

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Harfe! lange, lange
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Hörte deinem Klange
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Nur die trübe Winterhalle zu.
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Komm o komm! Wir müssen
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Jetzt den Lenz begrüßen.
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Sieh! er kehrt! Ich singe, schalle du!
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Sieh! er schwingt die Flügel
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Ueber jenen Hügel,
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Der uns öfter frischbekränzet sah.
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Laß uns ihn besteigen!
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Unten in den Zweigen
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Ist die Schaar der Federbarden nah.

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Willkommen, gewaltiger Erdebeleber!
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Willkommen, freundlicher Blumengeber!
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Dein Säuseln hat der Barde vernommen.
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Gutthätiger Lenz! o sey mir willkommen.
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Hier setz' ich mich nieder, und blick' um mich:
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Wie schmücket der frischere Morgen sich!
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Wie stralen die Thürme der mächtigen Stadt,
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Die meine Gebieter im Busen hat!
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Wie stehen sie ruhig, und roth besonnt
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Die Berge, wo schweigende Tugend wohnt!
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Wie zeichnen die blaulichen Düfte den Gang
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Der Donau! Begrüsse, begrüsse, Gesang!
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Den Lenz mit allen seinen Gaben.
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Wem jetzt kein Lied entsteht, wann wird er eines haben?

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Aber viel zu weit
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Waret ihr umher verstreut,
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Meine Blicke! durch das große Schöne.
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Rund um meinen Fuß
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Heischet alles meinen Gruß,
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Heischet alles meiner Harfe Töne.
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Veilchen, holdes Frühlingskind!
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Freundlich trägt der Morgenwind
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Deinen süßen Hauch mir wieder zu.
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Farbenreicher Thau
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Ziert dein sittsam Blau;
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Einem Fräulein gleichest du,
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Das in ihrer Feyerhalle
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Die gefliß'ne Mutter schmückt.
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Ha, du würdest, dächten alle,
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Wie dein Sänger, nie gepflückt.

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Aber hat dein Veilchen nur
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Meinen Gruß? o Mutter Flur!
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Zeigst du mir nicht nah und ferne
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Kleine silberweiße Sterne?
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Stralt nicht, nach geschmolz'ner Flockenhülle,
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Deiner gelben Sonnen Fülle?
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Und ich grüßete dein Veilchen nur?
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Du mein zweiter Himmel, Mutter Flur!
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Blumen, nein! euch grüßet alle,
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Die mein Auge wieder sieht,
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Mit verjüngtem Harfenschalle
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Mein verjüngtes Lied.
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Euch verletze keines Nordes Wuth
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Aber seyd, o seyd der lieben Biene gut!
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Geizet mit dem süßen Schatze nicht,
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Der aus eurem Busen bricht!
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Blumen! eures Schöpfers Bild!
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Seyd dem allerkleinsten Flügelvolke mild,
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Das auf euch, als seiner Welt,
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Kurze, doch vergnügte Tage zählt.

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Sie sind erwacht die kleinen Leben.
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Ich sehe sie kriechen, und laufen, und schweben.
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Sie schliefen in Erden, in Ritzen und Kluft,
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Da traf, getragen von lauerer Luft,
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Die Stimme des Lenzes ihr Ohr:
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»hervor, ihr kleinsten meiner Kinder!
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Der Winter ist fort, die Sonne gelinder,
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Zur Liebe, zur Kurzweil' hervor!«
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Da öffneten Grillen ihr Thor
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Da drängten die Käfergeschlechter empor,
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Da brach die Raupe das Ey,
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Da wurde der Schmetterling frei
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Von seiner goldgezierten Decke
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Wie schnell war sein Lauf
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Den Stamm der Pappel hinauf,
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Wie heiß der Wunsch, daß bald sein Flügel sich strecke!
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Nun ist er gestreckt, gerollet die Zunge;
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Nun eilt er im kühnesten Schwunge
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Bey Sined vorbey, ganz trunken von Freude,
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Ein Jüngling im ersten Kriegsgeschmeide.
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Nicht so sein nächtlicher Bruder.
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Der Rinde ganz ähnlich am Arme der Eiche.
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(mich täuschet er nicht) Sein Aug' ist Glut,
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Sein Wunsch, daß bald die Sonne weiche!
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Dann schwärmt er durch Ulmen und Eichen und Buchen
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Die schönsten der Eulen zu suchen.
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Kleine Wesen! euch ergeben
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Grüßet euch mein Lied und Spiel.
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Nützet euer kurzes Leben,
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Und erreichet euer Ziel!

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Weiden, Erlen! die des Barden Hand erzieht,
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Euch auch grüßet wieder Spiel und Lied.
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Ha, wie schwellen eure Keime!
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Bäumchen ha! bald seyd ihr Bäume!
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Wann ihr dann mich dankbar in den Schatten nehmt,
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Dann ist manches Jünglings Herz beschämt,
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Der in meiner Halle lernend saß,
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Und des Lehrers bald vergaß.
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Höhle sey willkommen,
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Deren Felsenschooß,
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Wenn die Sommerstunden glommen,
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Mich mit sanfter Kühlung immer übergoß.
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Höhle! dich besuch' ich wieder.
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Dich bewohnt der Geist der Lieder,
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Haucht auf deine Quelle nieder,
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Daß es durch den Kranz mir säuselt,
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Daß sich ihre Fläche kräuselt;
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Ihre Wasser lauten dann darein,
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Und dann muß, dann muß ein Lied gesungen seyn.

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Dich auch grüß' ich, stiller Teich!
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Nach zerfloß'nem Winterschilde
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Ward dein Busen wieder weich,
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Pranget mit der Sonne Bilde.
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Von den Tiefen,
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Wo sie schliefen,
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Lockt ihr Schimmer
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Deiner Schwimmer
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Leichtes Volk empor.
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Ihrem plätschernden Gewühle
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Horchet bei der Morgenkühle
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Froh des Barden Ohr. –
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Aber nun schweigen sie wieder;
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Denn dein Gebieter, der Schwan,
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Segelt mit seiner Geliebten heran.
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Hoch ist sein blendend Gefieder,
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Stolz des Halses Bogen:
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Die getheilten Wogen
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Brausen hinter seinem Pfade fort.
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O noch kennet er den Ort,
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Wo zu ihm oft Sined niederhing,
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Wo er Speis' aus meiner Hand empfing.

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Vernehm't auch ihr, o junge Schatten!
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Wo Ahorn sich und Esche gatten,
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Vernehmet, Buchengänge!
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Der Frühlingsharfe Klänge,
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Des frohen Barden Gruß.
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Nun irrt sein freier Fuß
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Durch den erwachten Wollusthain;
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Er haucht Gesundheit ein,
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Und lernet von den Federkehlen,
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Die Busch und Wipfel hegt,
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Den Ton zu seinen Liedern wählen,
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Der menschenfreundliches Gefühl erregt.
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Holde Federkehlen!
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Lehrt mich Töne wählen,
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Lehrt mich Töne schätzen,
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Die kein Herz verletzen,
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Laßt mich euer Spiele nahen Zeugen seyn!
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Sollt ihr Barden scheu'n?
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Sicher könnt ihr mich umfliegen,
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Mir entdecken, wo die Brut
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In den warmen Nestern ruht;
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Sined ist verschwiegen,
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Ist der Jugend gut.

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Jetzund hebe dich vom Hügel
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Mit der Morgenlerche Flügel,
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Hebe dich zu dem, mein Lied!
160
Der auf seiner Werke Wonne
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Freundlicher als Frühlingssonne,
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Niedersieht.
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Er hat mir ein Herz gegeben,
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Das sich mit dem kleinsten Leben,
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Mit dem kleinsten seiner Wesen freuen kann.
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Nehm' ich Gold dafür und Menschenherrschaft an?
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Da sich Wald und Wiese kleiden,
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Dank' ihm für die Frühlingsfreuden,
169
Die er diesem Herzen wieder gibt,
170
Das in seinen Werken ihn, den Meister, liebt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Michael Denis
(17291800)

* 27.09.1729 in Schärding, † 29.09.1800 in Wien

männlich, geb. Denis

österreichischer Jesuit, Autor, Übersetzer, Bibliothekar und Zoologe(1729–1800)

(Aus: Wikidata.org)

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