Mein Sohn! sprach Gertraud schwer von Jahren

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Michael Denis: Mein Sohn! sprach Gertraud schwer von Jahren Titel entspricht 1. Vers(1764)

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Mein Sohn! sprach Gertraud schwer von Jahren:
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Du zeuchst von mir.
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Auf Reisen wirst du viel erfahren.
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Ach, merk' es dir!
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Die Lehren aus der Mutter Munde
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Schlag' nicht in Wind!
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Du bist (gesagt zur guten Stunde!)
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Ein Sonntagskind.

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Führt einst um Mitternacht die Reise
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Dich durch den Wald,
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So kreuze dich, und horche leise,
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Wenns Hifthorn schallt.
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Dann mußt du dich zur Erde werfen.
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Nur nicht verzagt!
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So wird sie dir nicht schaden därfen
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Die wilde Jagd.

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Der Böse treibt bei manchen Flüssen
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Auch oft sein Spiel!
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Drum wirst du dich hübsch kreuzen müssen,
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Nie wirds zu viel.
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Er schreit (so sagt mir meine Baase.
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Was willst du mehr?)
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Er schreit gewaltig durch die Nase
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Am Ufer her.

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Oft fährt er dir auf off'nen Strassen
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Die Post, mein Sohn!
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Du mußt ihn immer fahren lassen.
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Nur weit davon!
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Man hört der Peitsche leibhaft Knallen,
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Des Posthorn's Ton.
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Wer frevelt, muß in Sümpfe fallen.
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Du nicht mein Sohn!

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Sollst du bei Nacht durch Felder reisen,
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Nimm dich in Acht!
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Da pflegt ein Licht den Weg zu weisen,
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Das irre macht.
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Oft tanzen sie in bunter Menge
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Ums Hochgericht.
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Entferne dich von dem Gepränge,
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Und frevle nicht!

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Auf Aeckern wird dir oft begegnen
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Ein Feuermann.
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Dann hilft kein Beten, und kein Segnen!
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Er rauscht heran.
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Du mußt ein ander Mittel suchen
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In dieser Noth.
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Ein Feuermann weicht nur durch Fluchen.
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Verzeih dirs Gott!

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Aus zweien sieht man einen werden,
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Aus einem zwei,
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Die stürzen mit des Zorns Geberden
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Zum Kampf, herbei.
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Es flammt! o welche Gegenwehre!
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O welcher Kampf!
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Der laue Christ (den Gott bekehre)
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Nennts einen Dampf.

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Erscheint dir ein Pallast von weiten
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In vollem Glanz,
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Es ist (o laß dich nicht verleiten!)
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Ein Hexentanz.
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Denn würde dir dabei entrinnen
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Ein Wort von Gott,
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Schnell wäre der Pallast von hinnen,
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Du tief im Koth.

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Im Gasthof' ist der Alp zu scheuen.
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Er schleicht daher.
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Und liegt er nun, man kann nicht schreien.
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Er drückt so sehr.
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Wirf, wenn er kömmt, geschwind ein Kissen
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Vom Bett' ihm zu!
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Er wird darauf sich setzen müssen,
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Dann hast du Ruh.

73
Mein Sohn! ich will dir nichts vergrößern,
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Doch sey bedacht!
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Jetzt sag' ich dir von alten Schlössern.
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Dort spuckt's bei Nacht.
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Gespenster ohne Kopf erscheinen
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Sechs Ellen lang.
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Man hört um zwölf Uhr kläglich weinen
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Im öden Gang.

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Oft hört man an der Thüre klopfen.
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Wer wird es seyn!
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Man bebt und schwitzet große Tropfen,
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Und sagt – Herein!
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Da kömmts, als ein Barbier, ins Zimmer,
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Und man erstarrt
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Mein Urgroßvater sagt' es immer.
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Ihm schor's den Bart.

89
Wie wollen wir's auch anders haben?
90
Nur dieß bedenkt!
91
So mancher Schatz liegt hier begraben,
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Und tief versenkt.
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Drum hat der Böse seine Possen,
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Und schreckt uns ab.
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Doch liebes Kind! bleib unverdrossen,
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Und such' und grab'!

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Oft liegt ein Schatz auf freien Wegen,
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Und brennt, wie Glut.
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Sei flink, ein Heilthum drauf zu legen!
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Dein ist das Gut!
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Studirte wissen noch ein Mittel,
102
Ein schön Gebet.
103
Ich glaube fast daß auf dem Titel
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Sanct Christoph steht.

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Jüngst hab' ich dir vom schweren Wagen,
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Mein Sohn! erzählt.
107
Ich soll dir noch vom Teufel sagen,
108
Der Schildwach' hält,
109
Von schwarzen Katzen mit drei Füßen –
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Doch sey's genug!
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Du wirst es selbst erfahren müssen,
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So wirst du klug.

113
Traun! Mutter! sprach der Sohn vermessen:
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Ihr seid gereist!
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Doch habt ihr einen Geist vergessen,
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Den Branntweingeist.
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Ich seh', er fährt aus eurem Munde.
118
Ich bin nicht blind,
119
Und wär' ich auch (zur guten Stunde)
120
Kein Sonntagskind.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Michael Denis
(17291800)

* 27.09.1729 in Schärding, † 29.09.1800 in Wien

männlich, geb. Denis

österreichischer Jesuit, Autor, Übersetzer, Bibliothekar und Zoologe(1729–1800)

(Aus: Wikidata.org)

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