Kleiner Sänger! meine Freude!

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Michael Denis: Kleiner Sänger! meine Freude! Titel entspricht 1. Vers(1764)

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Kleiner Sänger! meine Freude!
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Zeuge meiner Einsamkeit!
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Meiner Ohren Lust und Weide!
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Dir sei dieses Lied geweiht.
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Allerliebstes Vögelchen!
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Was dein Herr in dreien Jahren
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Rühmliches an dir erfahren,
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Soll die Welt in Reimen seh'n!

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And're mögen Menschen loben!
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Menschen sind des Lob's gewohnt.
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Ihr habt den, und die erhoben,
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Dichter war't ihr auch belohn't?
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O mir blüht ein besser Glück!
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Was ich singe dir zu Ehren,
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Dieses singst du mir Homeren
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Zehnfach mein Achill! zurück.

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Nun so fang' ich an zu dichten.
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Panegyrisch sei mein Flug! –
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Du sollst Menschen unterrichten,
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Liebes Thier! ist's dir genug?
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Soll mir in mein Lobgedicht
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Manchesmal der Satyr lachen,
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Ha, wie kann ich's anders machen?
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Menschen – sie belohnen nicht!

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Bei dem ersten Morgenschimmer
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Bist du schon, mein Vogel! reg.
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Deine Kehle füllt das Zimmer,
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Singt mir meinen Schlummer weg.
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Dieses kann Dorinde nicht.
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Soll so früh der Schlaf entweichen?
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Zarten Dingern ihres gleichen
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Wird es erst am Mittag licht.

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Fern, mein Schwarzkopf! von dem Zwange,
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Der die Fähigkeit entehrt,
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Bleibst du stets bei dem Gesange,
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Den dich die Natur gelehrt.
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Dieses kann Alcindor nicht,
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Der, fürs Fabelreich gebohren,
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Zu der tauben Mitwelt Ohren
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Im Hexameter nur spricht.

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Gelbe Rüben, Ameiseier,
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Nüßekerne liebst du nur.
43
Deine Speisen sind nicht theuer,
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Und dein Koch ist die Natur.
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Dieses kann Dermestes nicht.
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Speisen, die man deutsch kann nennen,
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Welche nicht das Blut verbrennen,
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Nein! die sind nicht sein Gericht!

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Wenn dich bei beliebter Muße
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Sonnenstral und Bad erfreut,
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Stehst du gern auf einem Fuße,
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Und so stehst du lange Zeit.
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Dieses kann Florindo nicht.
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Sein Beruf ist hüpfen, flattern,
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Sein Verbeugen, trillern, schnattern.
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Gecken! nehmet Unterricht!

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Dir ist nur ein Kleid beschieden;
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Jährlich legst du selbes ab,
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Mit der Farbe wohl zufrieden,
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Welche dein Geschlecht dir gab.
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Dieses kann Narcissus nicht:
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Der bei seines Kopfes Leere
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Um Verdienst, um Rang und Ehre
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Stets mit neuen Kleidern ficht.

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Nach der Klugheit altem Rathe
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Liebest du dein eigen Haus;
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Wenn ich's dir auch frei gestatte,
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Hüpfst du selten nur heraus.
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Dieses kann Kleander nicht:
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Jedes Tag's auf allen Gassen
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Sich, den Stadtfreund, sehn zu lassen,
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Hält er für des Wohlstands Pflicht.

73
Wenn der Alten Geist mich lehret,
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Und ich einsam denken kann,
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Schaust du ganz in dich gekehret,
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Stundenlang mich schweigend an.
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Dieses kann Selinde nicht,
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Die mit ihrem Klappermunde
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Oft in einer Viertelstunde,
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Kluge zehnmal unterbricht.

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Allzeit folgest du dem Triebe,
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Den dir jener eingesenkt,
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Der voll Weisheit und voll Liebe
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Seiner Schöpfung Wohl bedenkt.
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Dieses kann – vieleicht dein Herr?
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Nun ja – wenn er, wie er sollte,
87
Die Vernunft stets hören wollte;
88
Doch – zuweilen fällt es schwer.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Michael Denis
(17291800)

* 27.09.1729 in Schärding, † 29.09.1800 in Wien

männlich, geb. Denis

österreichischer Jesuit, Autor, Übersetzer, Bibliothekar und Zoologe(1729–1800)

(Aus: Wikidata.org)

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