Mein junger Freund! die schnellen Jahre weichen

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Michael Denis: Mein junger Freund! die schnellen Jahre weichen Titel entspricht 1. Vers(1764)

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Mein junger Freund! die schnellen Jahre weichen.
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Des Lebens Lenz ist kürzer, als man glaubt.
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Der Wangen Zier, die Morgenrosen gleichen,
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Kaum aufgeblüht, wird von der Zeit geraubt.
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Und dennoch nimmt kein and'rer Wunsch dich ein,
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Als wohlgeputzt und schön zu seyn.

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Pomadeduft und Pudersturm umschweben
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Dein Haupt, das noch von Krausezangen raucht.
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Wer kann Geduld, so lang zu sitzen, geben,
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Als ein Frieseur, um schön zu krausen, braucht?
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Wer, als der Wunsch sich schön gekraust zu seh'n,
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Noch eh' man will zu Bette geh'n?

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Wie niedlich glänzt von deinem kleinen Hute,
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Den erst dein Schnitt zur Artigkeit gebahr,
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Das Quästchen her! Du drückst ihn nun mit Muthe
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Den Kopf hinauf. Er sieht dein lockig Haar.
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Er staunt es an. Sein aufgesperrter Mund
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Macht Jedem sein Entzücken kund

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Wie lockt das Band, um deinen Hals gezogen,
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Sobald ein West vertraut durch selbes rauscht!
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Dein Krägelchen! wer ist ihm nicht gewogen
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Dem Hinterhalt', in dem die Charis lauscht!
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Des Aufschlags Reiz, der Knöpfe Reih' und Zahl,
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Die siegen täglich hundertmal.

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Wie klingt die Welt der gold'nen Kleinigkeiten,
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Die von der Uhr an blankem Stahle fließt!
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Dir folgt Geruch, der, Anmuth zu verbreiten,
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Aus Pölsterchen und Flächen sich ergießt.
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O Werth, der sonst nur todte Fürsten ziert!
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Mein Freund ist lebend balsamirt.

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Wer spricht wie du, von Agremens, Chemisen,
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Von
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Wer wählt so reich die Farbe für Soubisen,
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Für Rodingots, für Polissons, wie du?
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Wer trägt Chignons – doch still, du fremd Geschwirr!
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Die deutsche Muse brennt vor dir.

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Freund! waren die, vor deren Muth' im Kriegen
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Gerechte Furcht das Capitol umflog,
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Die schöner Ruhm, und edle Lust zu siegen,
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Und Frömmigkeit nach Palästina zog,
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Vor derer Faust sich Stambul oft gebückt,
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Freund! waren die, wie du, geschmückt?

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Wirf deinen Blick, wo Schauer ihn empfangen,
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Wo dein Geschlecht in Marmorurnen ruht,
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Hin in die Gruft! Der Ahnen Bilder prangen
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Geharnischt dort, und du – du bist ihr Blut?
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Wie wenn ein Schall aus ihrer Asche bricht,
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Und zeuget laut, du seyst es nicht?

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Ihr Name tönt in ewigen Geschichten;
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Die Nachwelt horcht, und spricht ihn heilig nach.
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Das Vaterland, der Zeug' erfüllter Pflichten,
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Wird jedesmal zum neuen Danke wach.
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Dieß giebt nicht Pferd, nicht Wagen, noch Frisur,
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Vernunft und Tugend gibt es nur.

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Gott unterthan, erfüllt von Fürstenliebe,
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Durch Wohlthun groß, und alt durch Mäßigkeit,
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Freund' ohne Falsch, Bezwinger ihrer Triebe,
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Im Rathe klug, und unverzagt im Streit',
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Erkenntlich, treu, gerecht zugleich, und mild;
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Dieß, Freund ist deiner Ahnen Bild.

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Von ihnen kömmt dein Adel, deine Güter.
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Grab jeden Zug tief ins Gedächtniß ein,
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Und laß ihr Bild in Zukunft deinen Hüter,
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Dein bestes Erb', und deinen Spiegel seyn.
65
Ja, nimm, o Freund! der Ahnen Moden an,
66
Du wirst gewiß ein schöner Mann.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Michael Denis
(17291800)

* 27.09.1729 in Schärding, † 29.09.1800 in Wien

männlich, geb. Denis

österreichischer Jesuit, Autor, Übersetzer, Bibliothekar und Zoologe(1729–1800)

(Aus: Wikidata.org)

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