Ein Veilchen, das den lauen Stral

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Michael Denis: Ein Veilchen, das den lauen Stral Titel entspricht 1. Vers(1764)

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Ein Veilchen, das den lauen Stral
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Des Lenzes in der Erde fühlt,
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Drängt auf, und Mutter Erde wehrt
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Es ihrem Kinde nicht.

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Ein Lied, das in der Bardenbrust
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Der Freundschaft holde Wärme fühlt,
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Drängt auf, und welche Bardenbrust
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Erstickt ein solches Lied?

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Nicht meine, Freund! denn Freundschaft ist
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Im Auge bunte Wiesenpracht,
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Im Ohre Nachtigallenschall,
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Im Gaumen Honig mir.

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Und sang ich Den, der oben herrscht,
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Und Joseph und Theresien,
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Und dich, mein deutsches Vaterland!
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Wen säng' ich Barde nun?

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Als euch, Bewohner meiner Brust!
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Und unter ihnen, Weiße! dich,
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In dem der edlen Pleisse Trost
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Seit Gellerts Falle grünt.

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Du glänzest in den Hunderten
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Der Barden Manas
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Der Abendführer, der die Glut
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Der Sommermonden dämpft.

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Druiden locket er hervor
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Aus ihrer Höhle, freudig sieht
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Der braune Sohn der Arbeit ihn,
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Und trocknet seinen Schweiß.

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Auf Knabenspiele blinket er
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Von seiner Bahn ins Grün' herab,
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Und Mädchen ruft in's Thaugefild'
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Sein Mitgefährt' der West.

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So ward die sanfte Liederkraft
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Für jedes Alter und Geschlecht;
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So wohnet Lust für jedes Ohr
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In deiner Harfe, Freund

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Auch Lust der Thränen gibst uns du,
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Wenn sich zur Feier deines Volks
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Der Herrscher Fall, der Helden Weh
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Von ernster Bühne zeigt.

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Auch heitre Scherze giebst uns du,
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Wenn sich zur Feier deines Volks
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Der Thoren lächerliches Bild
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Von munt'rer Bühne zeigt.

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Die tief umstand'ne Bühne schallt
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Dein Lob, und mancher Feirer ruft:
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»hab't ihr denn Bühnen nur allein?
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Ihr Fremden! ihr allein?«

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Er ruft es, und du wendest dich,
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Und horchest deinem Lobe nicht,
51
Und deinen Werth, den alle seh'n,
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Den siehst du, Barde! nicht.

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Du siehst nur deiner Brüder Werth,
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Und gönnest jedem seinen Kranz,
55
Und preisest sie den Kindern Teut's
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Aus vollem Herzen an

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Und glimmet unter Brüdern Zwist,
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Dann stehst du mitten. Niemal haucht
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Dein Odem in die Glut. Du schweigst,
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Und ehrest deinen Stand.

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Ha, Biedermann! und wärest du
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Auch Barde nicht, wie liebenswerth!
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Nun bist du Barde, bist mein Freund,
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Wie muß ich lieben dich!

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Nimm dieses Lied, das dir, o Freund!
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Mit Veilchen in dem Lenze sproß,
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Der jedes fühlende Geschöpf
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Zu sanften Trieben weckt!

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Oft sing' ich's durch die junge Flur,
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Und Nachtigall begleitet es,
71
Und Weste nicken Beifall ihm
72
In Blumenhäuptern zu.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Michael Denis
(17291800)

* 27.09.1729 in Schärding, † 29.09.1800 in Wien

männlich, geb. Denis

österreichischer Jesuit, Autor, Übersetzer, Bibliothekar und Zoologe(1729–1800)

(Aus: Wikidata.org)

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