Lange verzögert sein Rad. Kein wallender Staub

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Michael Denis: Lange verzögert sein Rad. Kein wallender Staub Titel entspricht 1. Vers(1764)

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Lange verzögert sein Rad. Kein wallender Staub
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Kündet den Kommenden an.
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Immer noch horchet mein Ohr. Vergebens! kein Laut
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Fröhlicher Hörner ist nah'.
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Trüb', wie das sinkende
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Jahr, ist die Kaiserstadt.
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Still ist sein Giebel, und leer sein Fürstengemach.

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Hat er sein niedriges Dach mit Söhnen der Schlacht
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Wieder im Felde gespannt?
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Bricht er den Schlummer, der Freund des eisernen Spiel's,
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Wenn sich der Hahnenruf heb't?
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Stürmet sein Heergebot
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Seine Gewaltigen
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So wie die Flocken der Nord, die Fluren hinan?

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Männer der Wunden
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Folgt euch in jede Gefahr.
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Thaten des Stahles gethan mit mächtiger Faust
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Feiert mit Wonne sein Spiel.
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Aber in dieses Lied
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Krache kein Flammenschlund,
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Klirre kein Eisengeschmeid, und brause kein Roß!

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Joseph ist jetzo nicht Held, nicht wohnet er jetzt,
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Männer der Wunden! mit euch.
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Joseph ist Vater des Volk's. Dem Vater des Volk's
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Singet sein Barde dieß Lied.
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Wünsche des dankenden,
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Seufzer des liebenden,
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Stimmen des lobenden Volk's! o tönet darein!

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Stille beherrschte das Land. Da schwang sich ein Weh,
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Moldau von deinem Gestad',
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Elbe! von deinem Gestad', jetzt heller, und jetzt
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Ohrebetäubend empor.
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Eben so rauschet in
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Wipfeln das Espenlaub
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Leise, nun stärker, und nun erbrauset der Sturm.

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Elbe! was klagest du so? Was klagest du so,
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Moldau! zur bebenden Luft?
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Tränket ein Gegner in euch den blutigen Spieß?
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Wälzet ihr Leichen in's Meer?
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Täuschte das Adleraug'
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Joseph's ein feindlicher
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Heerzug, und stemmt sich kein Schild entgegen? – O nein!

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Dieß ist die Klage der Noth. So furchtbar ertönt
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Mangel zur bebenden Luft.
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Ganze Geschlechter die seh'n nach Früchten des Pflug's,
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Schätzen des Lebens umsonst.
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Bleich ist ihr Antlitz, und
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Dämmernd ihr Augenlicht.
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Tief aus dem Eingeweid' heult ihr Hunger empor.

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Jetzo vernimmt ihn das Ohr von Joseph. Sein Herz,
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Vaterempfindungen voll,
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Flügelt sich, Elbe! zu dir vom thürmenden Wien,
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Flügelt sich, Moldau! zu dir.
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Harre der Boten nicht,
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Die dir dein Herrscher schickt!
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Joseph ist Herrscher. Kein Bot', er selber, er kömmt!

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Er! der Entscheider des Werth's, er kennet, und liebt,
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Elbe! dein tapferes Volk.
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Moldau! die Söhne von dir sind Busen von Stahl,
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Felsen im Schwalle der Schlacht.
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Kann er sie schmachten seh'n?
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Mutter des Herrschers! er
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Erbte dein göttliches Herz. Er eilet, er kömmt!

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Sing' ich ihn jetzo den Wunsch, den feurigen Wunsch,
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Der sich im Geiste mir hebt?
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Töne dir ruf' ich hervor, o könnt' ich auch so
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Rufen die Fürsten der Welt!
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Alle sie stünden, und
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Sähen auf Joseph, und
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Sprächen: O Beispiel! wer liebt, wie dieser, sein Volk?

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Saiten, o jauchzet es nach! Wer liebet sein Volk,
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Wie mein Gebieter es liebt!
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Hält ihn im thürmenden Wien sein goldenes Dach
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Herrscherergötzungen voll?
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Hält ihn ein liebender
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Bruder, ein Schwesternpaar,
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Hält ihn der zärtlichste Blick Theresien's auf?

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Schreckt ihn das sinkende Jahr, der Flügel des Nord's
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Von den Sudeten
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Schrecken ihn Felsen den Freund der Arbeit, und Wald,
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Tiefen und Höhen, und Strom?
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Scheuchen ihn Hütten, wo
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Landmann und Mangel wohnt,
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Scheucht ihn das blasse Gesicht des Hungers zurück?

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So wie der kommende Tag den schweigenden Flug
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Räub'rischer Eulen verstralt,
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Schatten und Nebel zerstreut, so schwindet die Noth
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Vor dem Gebieter hinweg.
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Einsicht und Rath und Fleiß,
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Huld und Gerechtigkeit
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Hellen, wie Sonne, vor ihm die Gegenden auf.

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Klein ist sein dienend Gefolg. Und wär' er denn nicht
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Joseph auch ohne Gefolg?
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Feier und Ehrengepräng' verlenkt er, begnügt,
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Menschenretter zu seyn.
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Auch der Geringste tritt
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Freudig vor ihn, und spricht,
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Kehret entzücket, und ruft: Ein Herrscher, wie Gott!

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Harfe! das wirb'le du nach! Ein Herrscher, wie Gott,
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Ist er ein Vater des Volk's.
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Hätten ihn Fremde, nicht wir, ihr Freudengeschrei
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Schlüge die Wolken hinan.
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Aber wir Söhne Teut's,
104
Stiller und thätiger,
105
Jauchzen zwar minder, als sie; doch lieben wir mehr.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Michael Denis
(17291800)

* 27.09.1729 in Schärding, † 29.09.1800 in Wien

männlich, geb. Denis

österreichischer Jesuit, Autor, Übersetzer, Bibliothekar und Zoologe(1729–1800)

(Aus: Wikidata.org)

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