Wo ist der Sohn Theresien's? o Kaiserstadt!

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Michael Denis: Wo ist der Sohn Theresien's? o Kaiserstadt! Titel entspricht 1. Vers(1764)

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Wo ist der Sohn Theresien's? o Kaiserstadt!
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Wo ist dein Herrscher? Wölke dein thürmend Haupt,
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Aus deinen blauen Düften höre,
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Was dir vom heiligen Eichenhaine

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Der Barde Joseph's (Wag' ich den herrlichsten
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Der Namen unter Barden? Gefährlich ist
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Der Reiz dem Einzigen zu folgen!
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Aber zu mächtig! – Er sei gewaget!)

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Der Barde Joseph's tönet: Hier oben ist
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Der Thaten Joseph's unübersehliche,
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Wie Sonnen, helle Bahn gezeichnet.
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Frühe begann er die Bahn zu wandeln,

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Je That auf That erhab'ner. Italien
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Liegt noch im süßen Taumel. Es küsset noch
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Des göttergleichen Fürsten Spuren,
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Und schon erschallen der Markomannen

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Und Quaden
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Den Ahnen Joseph's, von der Begeisterung
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Des tiefgereihten Brennenheeres,
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Welches den kommenden Herrscher grüßet.

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Er, jeder großen Gabe Bewunderer,
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Er hatte schon den weisen Gebieter
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Am Apennin die Völker weidend
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Friedsam und furchtbar ist, aufgesuchet.

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Nun eilt er auch den Wünschen des mächtigen,
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Des unbezwung'nen Helden
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Von seinen Starken, an der Spree
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In dem Gewande der Ehre stralet,

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Erkämpft in rothen Feldern, ein Bardenfreund,
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Und Barde selber
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Gesängen holder! – und des Kieles
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So, wie der Klinge gewöhnt, entgegen.

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Zween Kriege, leichenträchtig, verderbenvoll, –
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Wir Männer denken's! – kriegete Friederich
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Mit Josephs Mutter (denn er hatte,
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Nie sie gesehen) und Heldenbräute

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Vergossen zweimal Thränen, und Jünglinge
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Beschwuren zweimal über der Väter Grab
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Des Todes Rache, deutsche Flüße
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Trübten sich zweimal in deutschem Blute.

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Nun wirft die Großmuth auf das Vergangene
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Den himmelreinen Schleier. Die Fürsten stehn,
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Zwo Sonnen, die der Mittag
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Sehen sich Ewigkeit an der Stirne;

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Und Einer ehret, was ihn verewiget,
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Am And'ren, einer schließet dem Anderen
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Sein großes Herz auf. Freundschaft strömet
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Von der Gebieter erhitzten Lippen.

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So stand vor Siegmar'n Herrmann
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Verrieth dem grauen Helden den künftigen
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Vernichter stolzer Legionen,
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Und den Zerbrecher der fremden Feßeln.

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O könnten meine Saiten die Kinder Teut's
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Von allen Enden wecken! Sie sollten mir
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Den hohen, ahnungsvollen Anblick
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Tief in erregtester Seele feiern,

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Die Stelle zeichnen, wo sich umarmeten
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Die Größten Deutschlands, Joseph und Friederich,
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Hin Eichen pflanzen, daß die spät'sten
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Enkel im Schatten sich dieß erzählten!

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Und, Feinde Deutschlands! häufet nicht Dunkel sich
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Um euer schielend Auge? verschwindet nicht
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Auf List und Trug gebautes Hoffen,
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Wenn sich mit mächtig erhob'nem Arme

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Den Bund der Freundschaft Joseph und Friederich
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Beschwören? – O so wartet ein Saitenspiel
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Herabgestimmt zu Todestönen
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Euer an einer verdorrten Eiche!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Michael Denis
(17291800)

* 27.09.1729 in Schärding, † 29.09.1800 in Wien

männlich, geb. Denis

österreichischer Jesuit, Autor, Übersetzer, Bibliothekar und Zoologe(1729–1800)

(Aus: Wikidata.org)

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