Hat mir jemal ein Lied unter Gewaltigen

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Michael Denis: Hat mir jemal ein Lied unter Gewaltigen Titel entspricht 1. Vers(1764)

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Hat mir jemal ein Lied unter Gewaltigen
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In dem Flügel der Schlacht, oder im nächtlichen
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Siegesmahle gelungen,
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Oder, wenn ich des thauenden

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Morgens Kommen besang, oder das Abendroth,
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Oder, wenn ich den Fall eines der blühenden
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Heldensöhne beseufzte,
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Dem im Felde sein Hügel

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O so sei mir auch heut unter den feiernden
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Liederkönigen hold, göttliche Bardenkunst!
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Denn ich singe die Weisheit
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Uns'rer großen Gebieterinn.

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So wie tagender Stral, wenn er in Osten bricht,
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Falbe Nebel verzehrt, welche die Krümmungen
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Heller Bäche bedecken,
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Und das reizende Blumenfeld;

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So schwand trügender Dunst, welcher auf Wissenschaft,
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Und auf jeglicher Kunst menschlicher Hände lag,
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Als vom Stuhle der Väter
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Sich dem Volke die Fürstinn wies.

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Müßigbrütender Witz, luftiges Wortgezänk,
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Nicht nach Wahrheit bemüht, nicht der Natur getreu,
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Scholl vom lärmenden Saale
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Wahngetäuschter Druiden aus.

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Deinen Barden erzürnt war der Gesänge Geist,
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War das ächte Gefühl, Donau! von dir gefloh'n
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Zu den Quaden und Sachsen,
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Zu den Katten und Brennen hin

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Denn sie sangen nicht deutsch, sangen dem Volke nach,
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Dessen drückendes Joch Hermann in Stücke schlug
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Mengten weichliche Namen
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Fremder Götter in jedes Lied.

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Auch der sinnende Fleiß, er der Beförderer
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Jeder nützlichen Kunst wohnte beim Fremdlinge,
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Macht' ihn stolzer, und zog ihm
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Uns're Schätze zur Beute zu.

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Nun nicht länger! so rief uns're Gebieterinn,
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Schwang den güldenen Stab über die Dämmerung.
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Sieh, da schwanden die Schatten!
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Eifer flammte die Geister an.

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Männer traten hervor, hoher Erkenntniß voll,
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Auf der Fürstinn Gebot; jeglicher Wissenschaft
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Kam, und jeder der Künste,
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Glanz und Nutzen durch sie zurück.

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Und ein thürmender Bau stieg auf Theresien's
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Machtwort prächtig empor, öffnete Lernenden
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Weite Thore.
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Hörten Weisheit, und liebten sie.

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Und der Barde, gerührt, langte das Harfenspiel
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Seiner Väter hervor, spannte die Saiten um.
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Vaterländische Lieder
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Sang die Tochter der Felsen

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Und der schlummernde Fleiß riß sich beschämet auf,
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Griff zum Werke. Der Schall arbeitergebener
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Hände schwang sich in Städten,
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Schwang vom Lande sich himmelan.

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Tiefsinn faßte den Sohn fremder Gebiete, kaum
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Glaubt' er, was er vernahm. Aber die Söhne Teuts
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Sah'n den rühmlichen Fortgang,
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Sah'n, und freuten sich brüderlich.

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Und bald schwebte der Ruhm über Theresien's
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Weisen. Einer, gelehrt alle Bewegungen
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Heitrer nächtlicher Himmel,
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Zog zum fernesten Norden hin,

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Von dem Herrscher erwählt, welcher, dem Vater gleich,
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Weisheit liebt, und belohnt, und dem erhabensten
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Unsrer Barden,
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Ueber Meere gerufen, horcht.

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Dorthin zog er, und fand günstigen Himmel dort,
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That dem Herrscher genug, kehrte von ihm geehrt,
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Und nicht ohne Geschenke
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Deinem Himmel, o Wien! zurück.

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Ha, du glückliches Wien! Unter Theresien's
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Mildem Strahle, wie schön siehst du die Wißbegier
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Zu der Reife gepfleget,
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Süßer, nährender Früchte voll;

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Siehst du, wie die Gewalt weiserer Lehren auch
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Herz und Sitten erhöht, Umgang und Sprache bild't,
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Und von spielenden Bühnen
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Rohheit bannet und Afterwitz;

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Siehst du, wie sie das Haupt unter den Künsten hebt,
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Sie, die männlichste Kunst, Waffengeschicklichkeit,
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Einem Helden vertrauet,
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Der vom Lenze des Alters an

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In dem Flügel der Schlacht rühmliches Eisen trug,
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Der von Joseph geliebt, und vom erfahrenen
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Brennenherrscher geschätzet,
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Ganz sich Oesterreichs Ehre weiht!

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Aber siehst du nicht auch, glückliches Wien! wie sehr
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Deines reifenden Ruhms Dauer Theresien,
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Deiner weisesten Fürstinn,
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An dem sorgenden Herzen liegt?

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Menschen schwinden hinweg. Lassen sie Thaten nach,
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Dann nennt Trümmer
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Aber Trümmer und Lied stirbt,
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Gleichen Söhne den Vätern nicht.

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Heil dir, sorgendes Herz unsrer Gebieterinn!
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Vätern gleichen durch dich Söhne. Du rufest sie
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Von entferneten Grenzen
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Deiner Reiche zur Kaiserstadt.

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Da quillt Lehre für sie jeglicher Wissenschaft;
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Da wird jedes Gefühl zeitlich der Tugend wach;
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Da grünt Hofnung der Zukunft,
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Deutsches Vaterland! Hoffnung dir!

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Jeden löblichen Schritt, welchen ein Heldenkind
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Fortgeht, zeichnet das Aug' seiner Beherrscherinn,
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Und Ihr Zuspruch erwecket
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Rühmlich Eilender Eifersucht.

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Und am Ziele der Bahn warten Belohnungen
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Jedem Sieger bestimmt, welcher im Frühlinge
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Seines Lebens, o Weisheit!
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Deinem Reize sich ganz ergab.

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Weisheit, Weisheit! wie viel bist du Theresien
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Schuldig! Weit ist das Reich, dem du mit Ihr gebeutst;
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Zahlreich sind die Verehrer,
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Die sie deinen Gesetzen schafft!

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O so flamme den Geist deiner Verehrer an,
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Daß ihr treffender Kiel, daß ihr beredter Mund,
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Ihres Harfenspiels Ausklang
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Deine Freundinn verewigen!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Michael Denis
(17291800)

* 27.09.1729 in Schärding, † 29.09.1800 in Wien

männlich, geb. Denis

österreichischer Jesuit, Autor, Übersetzer, Bibliothekar und Zoologe(1729–1800)

(Aus: Wikidata.org)

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