Schön sangst du, Gottvolk! in die Feiersaiten

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Michael Denis: Schön sangst du, Gottvolk! in die Feiersaiten Titel entspricht 1. Vers(1764)

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Schön sangst du, Gottvolk! in die Feiersaiten
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Der Fürstinn Frömmigkeit.
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Mir ward dein Lied in meines Alters Herbste,
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Wie warmer Sonnenstral.

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Wen liebt Allvater unter Menschenherrschern
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So, wie Theresia?
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Doch hat er einen unter Menschenherrschern
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Auch so geprüft wie Sie?

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Von Ihrer Starkmuth will ich Greise singen,
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Und seiner schweren Hand.
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Er drückte Sie. Sie stand, wie Felsen stehen,
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Und hielt die Prüfung aus.

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Vom Dräuen Ihrer Feinde will ich schweigen.
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Freund Bartmar sang davon.
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Nur ihres Hauses innerliche Wehen,
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Nur diese sind mein Lied.

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Vergebens flammt um hohe Fürstenhallen
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Des wachen Schwertes Blitz.
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Vergebens lärmen bunter Freuden Stimmen
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Stets um der Großen Ohr.

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Unaufgehalten dringt, den Blitz des Schwertes
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Vorbei, der Schmerz hinein.
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Und öfter übertönt der Freuden Stimmen
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Der bleichen Klage Laut.

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Ein Gatte war Theresien beschieden,
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War ihres Herzens Lust.
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Ich singe nicht, wie sie den Gatten liebte.
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Freund Huldrich sang davon.

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Ein Augenblick! kaum segnen seine Lippen
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Noch Gattinn, Kinder, Volk.
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Ein unversehner Augenblick! Besessen,
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Vermißt, Gesund, und Todt!

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Ein Jüngling war des ganzen Volkes Liebe,
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Der Fürstinn zweiter Sohn.
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Voll Hoffnung schien des Jünglings Pfad zum Ruhme,
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Zum Grabe war's der Pfad.

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Der Töchter eine, mütterlicher Gaben
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Verjüngtes, ächtes Bild,
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Bot schon die Hand dem königlichen Freier
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Da griff der Tod darnach.

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Zwo Schnuren, Ihres Josephs jede würdig,
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Erhab'ner Fürsten Blut,
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Berief Allvater aus der Schwieger Armen
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(ach vor der Zeit!) zu sich.

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Doch sproß ein Blümchen von der Ersten Hügel,
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Ein Blümchen fein und zart.
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Nun fing es an, den Knospen aufzuschließen;
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Nun ward es abgemäht.

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Ha, Tod! in welche Trauerwolken hüllet
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Dein Hauch das Kaiserhaus!
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Kaum kann ich noch durch das verstummte Dunkel
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Bis auf die Fürstinn seh'n.

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Sie steht, den Blick geheftet an den Himmel,
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Allvaters Priesterinn,
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Und opfert jedes treu geliebte Leben
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Dem, der es gab und nahm.

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Zuweilen senket Sie nach Joseph nieder
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Ihr seelenvolles Aug',
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Und findet Alles, blicket zu dem Himmel
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Getrösteter empor,

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Und unterdrückt mit mehr als Männermuthe
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Das zärtliche Gefühl,
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Das oft, uneingedenk des Klägers Würde,
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Zu weichem Jammer räth.

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Sie steht, und hält gespannt der Herrschaft Zügel
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Mit unentnervter Hand.
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Die Völker merken kaum, daß Sie in Mitte
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Geliebter Todten steht.

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So merken in des Felsen sich'rer Ritze
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Des Adlers Kinder nicht,
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Daß Wogen sich an seinem Fuße brechen,
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Und Nordwind ihn bekämpft.

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Und war es dir so nicht genug geprüfet
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Das Herz Theresien's?
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O Gottheit! Mußte Völkern Ihre Starkmuth
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Noch mehr zum Wunder seyn?

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Ja, rufen will ich mir durchweinte Tage
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Vor meinen Geist zurück.
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Sie sind dahin. Doch lebt ihr Angedenken
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In jedem Sohne Teuts.

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Denn jede Thräne, die wir weinten, wurde
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Zu fetter Freudensaat.
83
So keimet unter Himmelstropfen reicher
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Der Erde Segen auf.

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Theresia sank auf das Krankenlager.
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Ihr Uebel dräute Tod.
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Vergebens schien der weisen Aerzte Streben,
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Der Heilungskünste Kraft.

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Ich singe nicht die namenlosen Aengsten
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Des ganzen Vaterlands.
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Sie sind schon lang' im Liede, rauschen, Donau,
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Mit dir zur Nachwelt fort.

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Ich singe nur, mit welcher Heldenstärke
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Den letzten Augenblick,
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Das End' der Erdemacht, der Fürstenhoheit,
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Die große Seele sah.

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Der Jammer Wien's erreichte fast Ihr Lager.
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Der Treuen bange Schaar
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Umseufzte Sie mit blassem Angesichte;
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Nur Sie lag ruhig da.

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So sah ich oft in meinen Jugendlocken
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Ein luftiges Gebirg,
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Den Gipfel hell, die Mitte neblich, unten
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Der Donnerwolken Nacht.

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Sie lag der Himmelsfügung unterworfen,
106
Der Schmerzen Siegerinn,
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Hoch über Ihre nur gebrauchten Güter,
108
Hoch über Ihr Geschlecht.

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Allein Allvater wollte Sie noch länger
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Den Erdekindern leih'n,
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Nur Ihres Geistes unerreichte Stärke,
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Und uns're Treue sehn.

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Sie ward gesund, und eben jene Blicke
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Die Sie dem Tode warf,
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Die warf Sie nun, o Leben, dir entgegen,
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O Leben, uns're Lust!

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Doch sing' ich sie, die namenlosen Freuden,
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Des frohen Vaterlands?
119
Auch die sind lang' im Liede, rauschen, Donau,
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Mit dir zur Nachwelt fort.

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Und ist auch dieses Lied, das Braunolds Kehle
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Der Fürstinn Starkmuth sang,
123
Der Nachwelt Ohren werth, so wälz' es, Donau,
124
Mit dir zur Nachwelt fort!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Michael Denis
(17291800)

* 27.09.1729 in Schärding, † 29.09.1800 in Wien

männlich, geb. Denis

österreichischer Jesuit, Autor, Übersetzer, Bibliothekar und Zoologe(1729–1800)

(Aus: Wikidata.org)

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