Nicht wolkennahe Thürme mit jeder Kunst

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Michael Denis: Nicht wolkennahe Thürme mit jeder Kunst Titel entspricht 1. Vers(1764)

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Nicht wolkennahe Thürme mit jeder Kunst,
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Der Menschenhände trächtig, den Aufenthalt
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Der Erdegötter, nicht den Erbstuhl
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Mächtiger Herrscher in Gold gekleidet,

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Um ihn gebeugt der dienenden Völker Welt;
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Auch nicht den Herrscher selber von ihm erhöht,
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Der Herrschaft Donner in der Rechten,
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Sing' ich in eichenumlaubte Saiten;

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Auch nicht den Ruhm des Herrschers in Ost und West
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Und Süd und Norden; wär' er erworben in
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Gefahrenvollen Eisenfeldern,
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Oder in friedlichen Segensfluren.

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Auch dieß ist Bardenarbeit. Allein wie schnell
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Verblüht ein Erderzeugter, sein Ruhm mit ihm!
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Und sind nicht Herrscher Erderzeugte?
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Strömen die Jahre sie nicht von hinnen?

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Ich singe Güter sicher der Ewigkeit,
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Auf sich gegründet, über den Unbestand
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Der Lebensgrößen weit erhoben,
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Weit, wie die sichtbare Welt hinüber

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Der Sitz Allvaters. Seele Theresien's
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Erfüllt mit diesen Gütern! und wärest du
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Auch keiner Fürstinn Seele, dennoch
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Wunderbar, herrlich und liederwürdig!

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Dich, dich besing' ich! Höret mein Feierlied,
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Allvaters Boten!
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Umschwebet, wenn des Reiches Hauptschmuck,
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Wenn Ihr der goldene Stab der Herrschaft

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Vor ihm entsinket, wenn Sie vor ihm, die Brust
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Voll Unterwerfung, treuer Erkenntniß voll,
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Die Gluth des Eifers auf den Wangen,
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Himmel im Auge, die Kniee beuget.

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Dann steht der Herrschersorgen entfernter Schwarm
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Den Finger auf dem Munde, beflattert nicht
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Der feierlichen Stille Lichtkreis,
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Welcher die betende Fürstinn einschleußt.

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Dann geußt Allvater über die reinste
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Der Seelen ganz sein väterlich Herz herab,
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Und jedes Heil und jeder Segen
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Wird Ihr im reichesten Ueberfluße.

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Und jede Tugend sprießet in Ihr empor
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Vom Himmelthaue trunken, und breitet weit
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Von Früchten schwer behang'ne Schatten,
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Schatten, in welchen die Länder wohnen.

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Da lernet Sie der zeitlichen Größe Werth,
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Den Zweck der Fürstinn, Mutter des Volks zu seyn,
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Ihr ungemessenes Vermögen
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Immer auf Menschenhuld einzuschränken:

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Umringt von Lebensfreuden, von Tausenden
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Gelobt, bewundert, niemal der Sterblichkeit,
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Des engen Hauses,
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Wage der Könige zu vergessen;

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Das Laster, wenn es kühner den Nacken hebt,
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Das Laster, wenn es schlauer im Volke sich
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Mit krummem Schlangengange fortschiebt,
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Rächend zu fassen, und hinzustrecken;

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Den Gift der Zeiten in der Geburt entdeckt,
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Der gottheitfeinden Witzlinge dumme Brut
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Mit Ihres Eifers Donnerschlägen
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Schandebeladen hinweg zu tilgen.

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Wie wichtig sind sie, Völker Theresien!
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Für euch die Stunden, welche die Frömmeste
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Der Herrscherinnen in Allvaters
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Täglicher, langer Verehrung hinbringt!

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Von diesen Stunden tritt Sie verherrlichter
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Hervor zu euch, wie thauendes Morgenroth
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Aus grauer Wolken Schooße brechend
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Heitere Tage vorherverkündet.

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Dann strahlt Ihr Beispiel kommender Sonne gleich,
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Und flammet Herzen mächtig zur Tugend an.
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Wie von den Bergen in die Thäler,
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Wallet das Feuer von Ihrem Giebel

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Auf Stadt und Hütten. Dann überläßt Sie Sich,
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Ganz Unternehmen, würdig der Ewigkeit.
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Wer zählet jedes Unternehmen?
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Keiner der niederen Erdesöhne!

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Allvater zählt es! jeden geheimen Wunsch
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Ihr ganzes Volk der Tugend zu heiligen,
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Und jede Regung jeden Seufzer,
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Jeden Gedanken auf ihn gerichtet,

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Und auf das Wohl der Menschen. Und jedes Wort
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Für ihn gesprochen, und für Gesetze, die
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Mit tiefen Zügen unaustilgbar
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Menschlichen Herzen sein Finger eingrub.

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Und jedes Ihrer Werke, Gerechtigkeit,
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Der Unschuld Rettung, Hilfe der Darbenden,
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Ermunterung des müden Fleißes,
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Lohn der Verdienste, der Laster Ahndung.

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So fleußt der frommen Herrscherinn jeder Tag.
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Vergebens ruft Ihr sinnliche Freude zu.
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Der Dienst Allvaters, und der Völker
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Seligkeit theilen Ihr ganzes Leben.

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Ha! welcher Strom von Wiedervergeltungen
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Erwartet dieses Leben! In heiligen
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Geheimen Stunden dringt der Barden
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Auge durch Wolken, erreicht Walhalla.

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Auch Gottvolk's Auge ward des Gesichtes werth.
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Ich sah den Hauptschmuck, welcher Theresien
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Hier oben harret, sah den Erbstuhl,
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Welcher der Tochter von Habsburg harret.

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Doch diesen Anblick drücket kein Harfenspiel,
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Kein Feierlied des sterblichen Sehers aus.
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Und könnt' er's auch, er würde schweigen.
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Sollt' er die Fürstinn zu Wünschen reizen,

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Vor welchen Ihrer Treuen zu fühlbar Herz
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Erbebet? Nein! Noch harre Theresien
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Der Hauptschmuck und der Erbstuhl lange!
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Rufen die Völker: Allvater! höre!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Michael Denis
(17291800)

* 27.09.1729 in Schärding, † 29.09.1800 in Wien

männlich, geb. Denis

österreichischer Jesuit, Autor, Übersetzer, Bibliothekar und Zoologe(1729–1800)

(Aus: Wikidata.org)

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