Ein munterer Knab' einst war ich, und saß

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Michael Denis: Ein munterer Knab' einst war ich, und saß Titel entspricht 1. Vers(1764)

1
Ein munterer Knab' einst war ich, und saß,
2
Umflogen von meinem Gelocke, nicht weit
3
Von deinem Gestad', o Donau! da fuhr,
4
Da fuhr herunter der Krieg.

5
Ein mächtiges Heer von fremder Geburt
6
Bedeckte mit Schiffen den bebenden Strom;
7
Da strahlte der Tag auf helles Geschmeid',
8
Da rauschten die Fahnen zur Luft.

9
Auch deckte den Strom ein furchtbar Geräth
10
Von ehrenen Schlünden mit Tode gefüllt.
11
Der Schiffer Geschrei, der Ruder Getös
12
Verhallten in Bergen umher.

13
Auch deckte den Strand ein reisiger Zeug
14
Mit wiehernden Rossen, in Eisen gehüllt.
15
Der Pauken Getön, die Schläge des Huf's
16
Verhallten in Bergen umher.

17
Kommt! riefen vereint die Fürsten sich zu:
18
Kommt! ziehen wir wider Theresien aus!
19
Noch klagt Sie den Tod des Vaters. Noch sind
20
Die Wege der Herrscher Ihr fremd.

21
Ein feuriger Held
22
Den größten der Krieger im Erbe von Teut)
23
Der riß sich hervor, und wälzte den Zug
24
Die Fluren der Oder heran.

25
Das Unheil kam nah. Zwar waren sie stark;
26
Doch waren Theresiens Krieger nicht viel.
27
Fast wankten sie schon die Vesten von Wien;
28
Da machte die Fürstinn sich auf;

29
Ihr Erbe mit Ihr, ein zärtliches Kind;
30
Sie suchten ein nahes und treues Geschlecht,
31
Nicht Söhne von Teut; doch edel und gut
32
Und tapfer, wie Söhne von Teut.

33
Ein mächtiges Volk in pelziger Tracht,
34
Bezäumer der Rosse die standen um Sie,
35
Und hörten Ihr Wort in Nöthen, und sah'n
36
Im Arme der Mutter das Kind.

37
Da rollete schnell von Thränen ein Guß
38
Die bärtigen Wangen der Männer herab;
39
Da schwuren sie Tod; da flogen, wie Blitz,
40
Die wogigen Schneiden empor.

41
So stürzen auf Saat und Hütten und Flur
42
Die Schlossen aus Norden; so stürmet der Wind
43
Die Blätter des Hains im Herbste mit sich,
44
So stürmte die Rache sie fort.

45
Die Führer voran. Der Herrscherinn Geist
46
Der stählte den Busen, der stählte die Faust.
47
Da strömet der Rhein. Wo ist er, der Feind?
48
Frag' Eisen und Hunger und Frost!

49
Wo Söhne von Teut auf Söhne von Teut
50
Zum Kampfe sich warfen, da ging es nicht so.
51
Da wog sich der Muth, da wog sich die Kunst.
52
Ha! Vaterland! mußten sie das?

53
Dort stand er, der Fürst der Brennen.
54
War, ewig im Liede der Barden zu seyn.
55
Der ehrene Ruf in's Waffengefild'
56
War Säuseln des Westes für ihn.

57
Ihn liebte sein Heer, und stürzte für ihn
58
Mit Freude zur blutigen Arbeit. Und fiel
59
Ein Starker, der sah nach Friedrichen hin,
60
Und nannt' ihn noch Vater, und starb.

61
Hier ragten empor, des Gegners erfreut,
62
Die Führer der Tochter von Habsburg. Ein Theil
63
Beschwebet schon itzt Gebiete der Luft,
64
Und lächelt auf Waffen herab.

65
Noch glänzet ein Theil im Schmucke des Kriegs,
66
Und spielet mit Joseph das eiserne Spiel.
67
Bedarf sie mein Lied zu nennen? Sie kennt,
68
Und liebet und ehret das Volk.

69
Theresiens Aug', das machte sie kühn
70
Und furchtbar im Flügel der düsteren Schlacht.
71
Sie standen, ein Fels, und rollten den Schwall
72
Der Krieger aus Norden von sich.

73
Sie brachen den Schlaf des Mächtigen auch
74
Am grauenden Morgen, und hießen ihn flieh'n.
75
Sie führten von ihm entwaffnet ein Heer
76
(er konnt' es nicht retten) hinweg.

77
Zwar that er auch oft (verschweig' es du nicht,
78
Der Wahrheit geheiligter Bardengesang)
79
Zwar that er auch oft mit treffender Faust
80
Der herrlichsten Thaten genug,

81
Und bahnte durch Dampf und Feuer und Blut
82
Sich tief in Theresiens Erbe den Weg.
83
Vom Ruhme gereizt, von Hoffnung geführt,
84
Die dräuenden Blicke nach Wien.

85
Doch wie sich der Lenz in Schauergewölk
86
Itzt hüllet, und itzo sein holdes Gesicht
87
Den Fluren entdeckt; so schwanden auch bald
88
Die schreckenden Dunkel hinweg.

89
Da wölkten sich aus die Thürme von Wien;
90
Da scholl um Theresien Freude; da schlug
91
Die Flamme des Danks zur Gottheit hinauf;
92
Da kränzten die Barden sich neu.

93
Und kehrten sie nun, die Retter, wer singt
94
Theresiens lohnende Lippen und Hand,
95
Die Zeichen des Muths geheftet von Ihr
96
Am Busen der Söhne des Siegs!

97
Und deckte den Grund ein Starker für Sie,
98
Wer singet die Klage der Fürstinn, den Dank?
99
Wer singet den Stein des Ruhmes für ihn
100
Auf Ihre Befehle gesetzt?

101
Denn lange genug sang Bartmar den Zwist
102
Der Menschenbeherrscher. Und sind sie denn noch,
103
Wie vormal, entzweit? und knüpfet sie nicht
104
Des Friedens erquickendes Band?

105
Und knüpfen sie nicht auch Bande des Bluts?
106
Ha! schönster der Siege! wie laubst du das Haupt
107
Der Kriegerinn auf, von welcher mein Lied
108
Am Tage der Feier erklang!

109
Sie liebet Ihr Volk, und schätzet das Blut,
110
Und reichet, zum Hasse zu göttlich, die Hand
111
Dem Gegner, sobald sein sinkender Spieß
112
Von Ihrem Gebiete sich kehrt.

113
Wenn Menschen zu kühn dem Himmel sich nah'n,
114
Dann zürnet Allvater in Wettern herab.
115
Wenn Menschen ihr Loos auf Erde begnügt,
116
Dann träufelt er Segen auf sie.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Michael Denis
(17291800)

* 27.09.1729 in Schärding, † 29.09.1800 in Wien

männlich, geb. Denis

österreichischer Jesuit, Autor, Übersetzer, Bibliothekar und Zoologe(1729–1800)

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.