Sie kehren, Freund! doch Einer bleibt

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Michael Denis: Sie kehren, Freund! doch Einer bleibt Titel entspricht 1. Vers(1764)

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Sie kehren, Freund! doch Einer bleibt;
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Er sieht in Huldrichs Herz, und sieht
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Ein ihm gefällig werdend Lied.
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Brich aus, o Lied! Er bleibt!

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Schön glänzt er her aus blauer Luft.
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Im Weste strömt sein Friedenskleid
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Noch weißer, als der jüngste Schnee.
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Brich aus, o Lied! Brich aus!

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Du tönest seiner Gattinn Lob.
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Wer liebte seine Gattinn so?
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Wen liebte seine Gattinn so?
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Brich aus, o Lied! Er horcht!

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Im Erbe Teut's, im hohen Wien,
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Da wuchs des Herrschers Tochter auf;
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Doch wie des Herrschers Tochter war,
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Das singt gewiß kein Lied.

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Und nähm' ich Barde, was der Lenz
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Von Farben auf die Fluren haucht,
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Das Morgenroth und Abendroth,
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Des Regenbogens Glanz!

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Und jeden lauten Reiz des Tag's,
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Und jeden stillen Reiz der Nacht,
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Der Sterne Blick, der Blumen Duft,
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Der schlanksten Tanne Wuchs;

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Der Quellen Lispel und den Laut
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Der menschenholden Nachtigall;
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Schön wäre dieses Bild; allein
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Noch nicht Theresia.

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Und wie der Leib, so war Ihr Geist,
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Und wie der Geist, so war Ihr Glück.
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Sie sollte vieler Völker Frau
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Nach Ihrem Vater seyn.

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Von Ihrem Werthe sprach der Ruf
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In Süd und Ost, und Nord und West.
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Ihn hörte junges Fürstenblut,
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Und wallte lüstern auf.

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Und jedes Auge sah nach Wien,
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Und jeder Seufzer flog nach Wien,
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Und jeder Wunsch im Stillen war
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Der Fürstentochter Hand.

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Da kam ein Jüngling, dessen Blut
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Aus eben jener Quelle war,
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Aus der der Tochter Habsburgs Blut
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Seit grauen Altern floß.

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So sah ich Huldrich keinen noch,
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Wie dieser junge Führer war.
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Er zog einher dem Hirschen gleich,
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Dem höchsten auf der Flur.

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Auf seinen Wangen blühte Lenz,
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In Rabenlocken fiel sein Haar,
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Und was sein schmachtend Auge sprach,
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Das singt kein Sänger aus.

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Vor seinem Geiste stiegen ihm
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Nicht selten Siegesfelder auf;
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An seiner hellen Spitze saß
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Der Mondenträger Tod.

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Er kam und sah Theresien
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In Ihrer Väter Hallen, sah,
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Ward wund, empfand auch sich gesehn,
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Und fing der Fürstinn Herz.

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Der hohe Vater schloß den Bund,
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Und segnete das schönste Paar;
63
Da schauerten die Thürme Wiens
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Von Hochzeitfreuden auf.

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Da ward es, wie nach Dämm'rungen,
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Im ganzen Oesterreiche licht;
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Da rauschten Donau, Moldau, Theiß,
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Laut in den Brautgesang.

69
Der große Tag, der sie verband,
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Der kehrte neun und zwanzigmal,
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Und beiden war die ganze Zeit
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Ein heitrer Frühlingstag.

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Der Gatte war Theresien
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West, Sonne, Quelle, Blumenfeld,
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Der Schätze Schatz, der Reiche Reich,
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Und – Alles war er Ihr!

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Und wie den ersten Augenblick,
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Da Sie ihm ward, das Herz Ihr schlug,
79
So schlug Ihr noch für ihn das Herz
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Den letzten Augenblick.

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Nein, Augenblick, dich sing' ich nicht!
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Des Tages Freuden sind zu groß.
83
Du machtest zwar Walhalla froh;
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Doch uns betrübtest du.

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Wir sah'n der treu'sten Gattinn Weh.
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Was konnten wir? Wir flehten Ihr,
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Aus Liebe für Ihr treues Volk
88
Zu leben; und Sie that's.

89
Doch öfter eilet Sie dorthin,
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Wo's unter Herrschergräbern kühlt,
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Wo ihres Gatten irdisch Theil
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Mit ihren Vätern ruht.

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Dort pfleget Sie der Wehmuth Lust,
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Und rufet Franzens himmlisch Bild,
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Und Ihres Bundes goldne Zeit
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Vor Ihren Geist zurück.

97
Auch wenn im Monden jener Tag,
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Der Ihre Seite blößte, kehrt,
99
Dann steht Ihr Erbstuhl leer. Sie weicht
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In stiller Hallen Nacht.

101
Dann senket sich des Gatten Geist,
102
So, wie er jetzt dem Liede lauscht,
103
In Ihrer stillen Hallen Nacht
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Herab, und spricht mit Ihr.

105
Er spricht von ew'gem Wiederseh'n,
106
Von himmlischen Umarmungen,
107
Vom Lohne jeder guten That,
108
Von frommer Herrscher Lust.

109
Bald spricht er auch von Deutschlands Wohl,
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Von Josephs Größe, von der Zahl
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Der Enkel, die noch einst das Glück
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Der Folgezeiten wird.

113
Sprich nur von Einem nicht so bald,
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Geist, der du mich hier singen hörst!
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Du weißt, wie fest der Völker Herz
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An Ihrer Fürstinn hängt.

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Und sang ich, deines Horchens werth,
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Von deiner Gattinn, o so schwing'
119
Dich nun zur Wolkenburg empor;
120
Den Vätern Habsburgs nach!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Michael Denis
(17291800)

* 27.09.1729 in Schärding, † 29.09.1800 in Wien

männlich, geb. Denis

österreichischer Jesuit, Autor, Übersetzer, Bibliothekar und Zoologe(1729–1800)

(Aus: Wikidata.org)

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