Neiget euch nieder aus luftigen Hallen

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Michael Denis: Neiget euch nieder aus luftigen Hallen Titel entspricht 1. Vers(1764)

1
Neiget euch nieder aus luftigen Hallen,
2
Herrscher der Vorzeit im Schmucke Walhallas!
3
Väter von Habsburg! neiget euch her!
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Ehrentrichs Harfenspiel tönet
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Eurer gewaltigen Tochter;
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Gebet seinem Gesange das Ohr!

7
Ja, schon umschauert mich Ankunft von oben!
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Ja, schon erblicket euch furchtbar und lieblich,
9
Hohe Gestalten! Ehrentrichs Aug'.
10
Eben so sieht euch, o Väter!
11
Eure gewaltige Tochter,
12
Wenn in Osten der Morgen ergraut;

13
Sieht euch, erhebt sich vom Lager der Fürsten,
14
Feindinn der trägen und weichlichen Ruhe,
15
Rufet der Fürsten Sorgen herbei,
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Voll des Gesichtes im Auge,
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Voll des Entschlusses im Herzen,
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Ganz zum Glücke der Völker zu seyn.

19
Groß ist Theresiens Erbtheil. Ihr Machtwort
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Schallet durch hundert und hundert Gebirge,
21
Rauschet auf tausend Bächen dahin.
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Stämme von allen vier Winden
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Horchen gebeuget entgegen,
24
Ehren schweigend der Fürstinn Gebot.

25
Flächenbewohner verschiedener Himmel
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Pflegen Ihr unübersehliche Saaten,
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Ziehen die Frucht des Lebens Ihr reif.
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Unter verschiedenen Sonnen
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Pressen Ihr Hügelbewohner
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Aus den Trauben den Wecker des Muths.

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Kinder der Berge verfolgen Ihr Gemsen,
32
Steigen Ihr nieder in Nächte der Erde,
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Holen aus Klüften köstliches Erz.
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Schiffe der Söhne der Ufer
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Schütten die Schätze der Fremden
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Vor die Füße der Herrscherinn hin.

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Städte die Menge voll Menschen und Künste,
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Thürmende Städte mit trotzigen Mauern,
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Schmücken Ihr weites herrliches Reich.
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Fürsten und Helden umstehen
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Ihren erhabenen Erbstuhl
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Dienstbar, jeglichem Winke getreu.

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So wie des Himmels belebendes Auge
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Morgenher Flächen und Hügel und Berge,
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Ufer und Städte wandelnd beschaut:
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Flächen und Hügel und Berge,
47
Ufer und Städte! so blicken
48
Früh der Fürstinn Gedanken auf euch.

49
Groß ist die Seele Theresiens. Er nur,
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Der Sie bestimmte zum Herrschen, ist größer.
51
Alles umfaßt Ihr kreisender Geist.
52
Also von Fluthen umwallet,
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Mitten im Schooße der Meere
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Ragt ein fruchtbares Eiland empor.

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Dreißigmal haben die Kinder des Liedes
56
Scheitel und Harfen im Monde der Blüthen
57
Wieder mit Eichenjugend umlaubt;
58
Seit Ihr das Gold der Gebieter
59
Auf der erhabenen Scheitel,
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In der mächtigen Rechten Ihr strahlt.

61
Völker verschiedener Himmel und Zungen,
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Die ihr Theresien dienet! o saget:
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Hat es euch je der Fürstinn gereut?
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Völker! Walhalla steht offen,
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Und es vernimmt euch Allvater,
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Jener, der euch Theresien gab.

67
Wie die gewaltige Wasserwelt aufbraust,
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Wenn sie der Geist der Gewitter verstöret,
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Hebt sich von allen Winden der Ruf:
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»dank dir, o Völkerbegnader,
71
Der du Theresien sandtest!
72
Laß, Allvater! die Fürstinn noch uns!«

73
Völker! wie billig! Ich lieb' euch. Ihr fühlet,
74
Was ihr besitzet. Der edelste Stolz hebt
75
Ueber den Nachbar, Völker! euch auf.
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Singet in Ehrentrichs Harfe,
77
Daß es der Nachbar vernehme,
78
Singet, Völker! den edelsten Stolz!

79
Schauerndes Dunkel, von Waffen durchblitzet,
80
Hüllet uns niemal Theresien's Erbstuhl!
81
Hell, wie der Himmel, steht er vor uns.
82
Nur die verfinsterte Seele,
83
Tochter der Bosheit und Ränke,
84
Die nur strebet vergebens hinzu.

85
Aber der Zögling der Wahrheit und Tugend,
86
Aber der Thäter der redlichen Thaten
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Steiget voll Muth's die Stufen hinan,
88
Wär' er auch niedrig im Volke,
89
Einer der Pflüger und Hirten,
90
Steigt und kehret zurücke voll Lust.

91
Denn die Gerechtigkeit harret zur Rechten,
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Und zu der Linken der Fürstinn die Milde.
93
Jedem erreichbar horchet Ihr Ohr.
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Tage verfließen im Hören.
95
Niemal ermüdet Ihr Eifer!
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Denn Sie lebet, und denket nur uns.

97
Männer des Rathes erkohr Sie. Die sitzen,
98
Rathen und richten in wimmelnden Hallen,
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Bis sich der Tag im Westen entzeucht;
100
Aber die Räthe der Männer,
101
Und die Gerichte der Männer
102
Prüft und richtet Theresien's Aug'.

103
Unter dem friedlichen Dache der Bäume,
104
Die uns beschatten, mit Früchten uns laben,
105
Leben wir sicher, sorgenlos hin;
106
Strecken nach täglicher Arbeit
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Ruhigem Schlafe die Glieder,
108
Weil der Herrscherinn Fittig uns deckt.

109
Senken sich unsere Väter in Nächten
110
Nieder vom Silbergewalle des Mondes,
111
Voll des Erstaunens haftet ihr Blick:
112
»waren hier unsere Sitze?
113
Gibt es ein zweites Walhalla?«
114
Sprechen's, blicken und fassen sich kaum.

115
Denn mit Theresien's Herrschaft ergoß sich
116
Leben auf Aecker und Heerden und Handel,
117
Leben auf jede nützliche Kunst;
118
So wie die welkenden Spitzen
119
Trunken von himmlischen Wassern
120
Flur, und Buschwald und Eichenhain hebt.

121
Weise Gesetze beglücken von innen.
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Weise Gesetze gebot Sie. Von aussen
123
Stärket der Fremden Freundschaft ein Reich,
124
Ufer des Rheines herüber
125
Zielet schon lange kein fremdes
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Einfalldräuendes Eisen auf uns,

127
Euere Tochter, o Väter von Habsburg!
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Sie war erkiesen ein Feuer zu dämpfen,
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Welches um sich Jahrhunderte fraß.
130
Blicket hernieder! Die Spuren
131
Länderentstellender Zwiste
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Hat nun Eintracht in Blumen versteckt.

133
Einem der Männer des Rathes (Er steht nun
134
Immer am Ohre der Fürstinn der erste)
135
Gab Sie von Ihrem Geiste. Der ging,
136
Knüpfte mit Galliens Herrscher
137
Niemal erwartete Bande,
138
That's, und ward uns unsterblich dadurch.

139
Also begleit' ich Theresiens Herrschaft
140
Mit dem Gesange zu kommenden Altern.
141
Enkel! erlernet meinen Gesang!
142
Lehret ihn euere Kinder,
143
Daß sie mich nennen und sagen:
144
»heil ihm, weil er Theresien sah!«

145
Aber ihr, hohe Behorcher des Greisen!
146
Sang er von eurer Erzeugten nur Wahrheit,
147
Väter von Habsburg, lächelt auf ihn!
148
Väter! ihr lächelt und kehret
149
Wieder zu luftigen Hallen,
150
Wo euch bessere Barden erfreu'n.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Michael Denis
(17291800)

* 27.09.1729 in Schärding, † 29.09.1800 in Wien

männlich, geb. Denis

österreichischer Jesuit, Autor, Übersetzer, Bibliothekar und Zoologe(1729–1800)

(Aus: Wikidata.org)

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