O fahre wohl in deinem milden Westen

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Michael Denis: O fahre wohl in deinem milden Westen Titel entspricht 1. Vers(1764)

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O fahre wohl in deinem milden Westen,
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Erleuchterinn der Welt!
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Es trinkt den letzten Segen deiner Strahlen
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Ein weiter Wolkenkreis,
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Und feiert deinen Abzug
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In rothem Widerscheine,
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Der Berg und Wald erfreut.

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Es feiert deinen Abzug holdes Säuseln
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Der kühlen Abendluft.
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Ihn feiert farbenwechselnd auf den Fluren
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Der helle Blumenschweiß.
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Ihn feiern in den Wipfeln
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Der Federsänger Kehlen.
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Ihn feiert mein Geschlecht.

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Auch ich, ich feire, lange die Gefährtinn
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Der Lieder von der Wand,
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Und kränze mich, und setze mich in's Helle
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Der Abendgegend hin.
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Hier soll mein Dank erklingen,
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Indeß der Schatten Bote
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Auf meine Scheitel blinkt.

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Ein Tag von meinen Tagen ist hinüber
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Zu seiner Brüder Zahl,
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Die nimmer kommen, rief auch selbst Allvater
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Sie wiederum zurück'.
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Er spricht zu seinen Brüdern:
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Der Barde war zufrieden
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Mit euch, und ist's mit mir.

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Ja, Vater! der du deinen Erdekindern
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Gezählte Tage gibst,
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Dein Sänger ist zufrieden mit dem Tage,
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Der nun in Westen scheid't.
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Zwar eine trübe Stunde –
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Doch nein, er wird nicht klagen!
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Die Stunde kam von dir.

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Er ist zufrieden; aber, Herzenprüfer!
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Bist du es auch mit ihm?
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Beleidigte sein Denken, Sprechen, Handeln
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Dein reines Auge nicht?
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Von seinen Mitgeschöpfen
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Steht keines auf und zeuget:
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Er hat mich heut betrübt?

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Du weißt es! Ach, mein Auge weilt am Boden!
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Mein Kranz entsinket mir.
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Die Saiten wimmern kläglich um Vergeben,
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Vergeben fleht mein Mund.
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Du siehst in meinem Busen
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Den heißen Pfeil der Reue.
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Du siehst, und du vergibst!

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So sollen meiner Harfe laute Feier,
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Und meiner Lippen Preis
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Den Sternen und dem Silberhorne schallen,
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Das dort in Süden glänzt.
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Dir, Geber dieses Tages!
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Der itzt in Westen auslosch,
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Dir singt dein Barde Dank.

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Dank für den Schatten, der von deinem Schilde
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Sich über mich ergoß.
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Ich wohnte sicher. Jedes feindliche Beginnen
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Ging seinen Weg vorbei.
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Nun winket mir die Ruhe
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Nach langer Tagesarbeit.
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O nimm den Schild nicht weg!

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Indeß, daß alles Leben von dem Schlummer
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Tief überströmet liegt,
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Nur Eule, Frosch und Nachtigall und Grille,
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Wie du sie lehrtest, singt,
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Indessen soll zum Haupte
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Von deines Barden Lager
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Dein wacher Bote steh'n.

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Er schrecke jedes Unheil weit zurücke,
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Das arg im Finstern schleicht,
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Und lasse mich das Bild geliebter Todten,
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Und durch ein ahnend Grau
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Den Lohn der wahren Tugend,
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Und deine Wonnefluren
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In frommen Träumen seh'n.

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Auch um das Lager, wo mit meiner Fürstinn
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Das Heil der Völker ruht,
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Allvater! pflanze sich in wachen Kreisen
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Dein flammend Botenheer!
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Auch um das Lager, welches
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Den Heldengeist von Joseph
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Erneuert, pflanz' es sich!

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Die Laster, die in ihren Höhlen lauschen,
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Bis sich die Nacht verdickt,
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Und dann auf sichre Menschen fallen, wähnend,
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Daß sie dein Aug nicht sieht,
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Die lehre, daß kein Dunkel
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Vor deinem Blicke decke,
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Die strahle du zurück!

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So laß' ich mich vor dir dem Schlummer über.
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Erwach' ich nimmer hier,
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Dann wecke dort den Geist von dir geschaffen,
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Wo keine Nacht mehr schwärzt.
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Doch soll die Morgenlerche
97
Mein Ohr noch einmal hören,
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Dann lob' ich dich mit ihr.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Michael Denis
(17291800)

* 27.09.1729 in Schärding, † 29.09.1800 in Wien

männlich, geb. Denis

österreichischer Jesuit, Autor, Übersetzer, Bibliothekar und Zoologe(1729–1800)

(Aus: Wikidata.org)

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