Das Friedensfest

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Anastasius Grün: Das Friedensfest (1842)

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Zu Köln, da bot der Pfalzgraf Albrechten friedlich die Hand,
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Und König Max als Mittler vereint das Friedensband;
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Genügen will's nun Jedem, was früher ihm zu schlecht,
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Burghausen nimmt der Pfalzgraf, den Fürstenhut Albrecht.

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Des Abends gab der König ein Lustbankett den Herrn,
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Denn er vermählt dem Ernste die heitre Freude gern,
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Gleichwie man Trauermale mit Rosen gern umheckt
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Und auf den ernsten Altar viel lust'ge Ampeln steckt.

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Da gab es Tanz und Lieder und schalkisch Mummenspiel
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Und Possen sonder Ende und Jubeln sonder Ziel.
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Die zwei versöhnten Fürsten, verschlungen Arm in Arm,
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Durchwallten, fröhlich scherzend, den buntbewegten Schwarm.

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Hervor nun zu den Beiden trat aus dem Mummenzug
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Ein flinker Ganymedes, der zwei Pokale trug;
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Es war die eine Schale von Golde, rein und klar,
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Ein hohler Todtenschädel jedoch die andre war:

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»ihr Herrn, mag euch ein Becher vielleicht nach Wunsche sein?
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Nur das Gehäus ist ungleich, doch euer ist die Wahl!«
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Da faßten beide Fürsten zugleich den Goldpokal.

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»ei, hätt' ich fast gewettet, ihr wählt den Schädel euch!
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Sonst ist's doch eure Art so!« Er sprachs und verschwand sogleich.
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Und wollt ihr's nicht verrathen, sei's im Vertraun gesagt:
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Kunz war es, der vor Fürsten solch kühnes Wort gewagt.

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Darauf im Heroldsschmucke zu ihnen trat ein Mann,
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Der König war es selber, wohl sah man's bald ihm an,
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Mit einer farb'gen Schärpe schmückt er die Fürsten beide,
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Drauf stand ein Doppeladler und solcher Spruch in Seide:

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»nicht ist mit zweien Häuptern begabt der deutsche Aar,
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Auf daß ein Haupt das andre zerfleisch' und morde gar!
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Daß er schon fern erschaue die nahende Gefahr,
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Dazu hat Deutschlands Adler sein Doppelaugenpaar!«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Anastasius Grün
(18061876)

* 11.04.1806 in Ljubljana, † 12.09.1876 in Graz

männlich, geb. Grün

österreichischer Dichter und Politiker

(Aus: Wikidata.org)

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