Dort wo die Burg der Kaiser aufragt in alter Pracht

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Anastasius Grün: Dort wo die Burg der Kaiser aufragt in alter Pracht Titel entspricht 1. Vers(1842)

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Dort wo die Burg der Kaiser aufragt in alter Pracht,
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Dort lagert König Maxens gewalt'ge Heeresmacht;
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Denn drin hat der Magyare die letzte Kraft verschanzt
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Und in die gewölbten Fenster sein Donnergeschütz gepflanzt.

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Hier sandten Fürsten und Schranzen einst Gnadenblicke heraus,
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Und wem solch einer gegolten, der eilte froher nach Haus;
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Mit wem es jetzt liebäugelt aus diesen Fenstern nieder,
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Auch der kehrt flugs zur Heimat mit pochendem Herzen wieder.

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Wo seid ihr, Kaiseradler, was hat euch fortgeschreckt?
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Nur einer blieb, – der oben am Stephansthurme heckt;
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Auch dieser wär' entflogen, wenn nicht sein Leib von Stein.
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Ha, oder ahnt er Frühroth nach nächtlichem Wetterschein?

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Horch, Trommeln und Trompeten! Wie Maxens Faust sich ballt!
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»hei, drauf und dran, ihr Brüder!« Wie's kracht und ras't und knallt!
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Dicht an die Burg schlägt Feldruf und mordender Kugeln Macht;
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Wenn drin ein Kaiser schliefe, jetzt wär' er wohl erwacht.

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Auf Leitern klimmen aufwärts der Krieger kühnste Reihn.
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Ei, meint ihr einzusteigen zu Liebchens Fensterlein?
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Schon harrt das Schätzchen und windet aus Rosen purpurroth
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Um euer Haupt ein Kränzlein; – wie läßt so schön das Roth!

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Es kämpft an Maxens Seite ein Rittersmann, der spricht:
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»mein Fürst, ihr werdet plötzlich so bleich im Angesicht.«
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»laß, Freund, und werd' ich blaß auch, wie könnt' es anders sein?
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Von Schild und blanken Waffen ist's nur der Widerschein.

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Sturm! drauf und dran, ihr Brüder!« – Staub hüllt die Mauern ein,
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Von Schwertern und Feuerschlünden blitzt rother Flammenschein;
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Heim treibt ein Hirt in der Ferne die Heerde rascher fort:
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Von Wien her rückt ein Gewitter, schon wetterleuchtet's dort.

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Der Ritter an Maxens Seite, der sieht ihn an und spricht:
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»ihr seid so roth an den Schultern, mein Fürst, ist Blut dieß nicht?«
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»ei guter Freund, laß roth sein; dich trügt der Augen Schein,
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Es wird wohl nur ein Lappen vom Purpurmantel sein.

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Ha bravo, Brüder, vorwärts!« – Wie von den bebenden Mauern,
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Gleich Blüthenflocken im Lenze, die Kugeln niederschauern!
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Allmächt'ger Gott, laut krachend sinkt dort das Bollwerk ein,
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Und niederpoltert donnernd das rauchende Gestein!

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»hinan! hinan!« – Sie stürmen durch Schuttgeröll' empor,
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Ha, lustig wirbeln die Trommeln, laut jauchzt der Siegeschor!
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Den Todten Friede! – Jetzt stürzen vom Walle Ungarns Fahnen,
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Und Habsburgs erstes Banner grüßt von der Burg der Ahnen.

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Als eingestürmt die Sieger, sehn sie in weiten Hallen
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Die Leichen magyar'scher Krieger, wie Hügel an Hügel sich ballen,
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Die Lebenden stehn daneben, den Säbel im Arm gezückt,
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Ein Seraphchor, der schützend auf theure Gräber blickt.

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Max trat zu ihrem Führer und drückt ihm sanft die Hand:
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»zieht hin, ihr edlen Streiter, in Frieden in euer Land,
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Wenn Feinde gleich, doch ehr' ich solch kräftiges Geschlecht.
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O kämpften einst vereint wir für

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Er sprach's; da faßt ihn Fieber, Blut aus der Wunde bricht,
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Er sinkt in Freundesarme mit bleichem Angesicht;
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Auf einer Bahre trugen sie ihn ins stille Gemach,
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Doch Preis dem Herrn! bald ward er aus schwerem Schlummer wach.

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Bald stand an seinem Lager Genesung, das schöne Weib,
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Küßt ihn auf Aug' und Wange und feit ihm den wunden Leib.
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Da klang einst eine Zither herauf beim Abendschein,
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Und duft'ge Weste trugen

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»vor manchem Pfeile schirmet das Weib des Geliebten Herz,
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Erst wenn es ausgestürmet, weint sie dem eignen Schmerz;
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So winkt zu Siegesbahnen dem Heer des Helden Hand,
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Erst die ersiegten Fahnen sind seiner Wunden Verband.

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So gleichen Beide dem Baume, der, wenn es hagelt und stürmt
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In seinem schatt'gen Raume den bangen Wandrer schirmt;
63
Erst wenn die Stürme schweigen, die Lüfte wieder blau,
64
Dann schüttelt er von den Zweigen den eignen Thränenthau.«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Anastasius Grün
(18061876)

* 11.04.1806 in Ljubljana, † 12.09.1876 in Graz

männlich, geb. Grün

österreichischer Dichter und Politiker

(Aus: Wikidata.org)

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