Frühlingsbotschaft

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Anastasius Grün: Frühlingsbotschaft (1842)

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Max steht am Gitterfenster. Weit über den Zinnen der Stadt
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Lag wieder im Frühlingsprangen die Ebne grün und glatt,
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Da setzte sich aufs Gitter ein freies Vögelein
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Und sah zum gefangenen König sorglos und ruhig herein.

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»o Max, siehst du's in der Ferne dort schimmern weiß und licht?
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Das sind des Lenzes Blumen und seine Blüthen nicht!
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Das sind Paniere und Helme! Dein Vater Friederich
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Bringt sie von fern für Flandern, als Frühlingsgabe, mit sich.

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Was taucht dort aus der Fläche wie junge Halme hervor?
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Das sind nicht schlanke Aehren, die Frühling trieb empor!
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Die Halme heißen Speere, und ihre Blüth' ist roth,
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Zur Ernte an jeder Aehre hängt einst als Frucht der Tod.«

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Der König aber errieth nicht, ob so das Vöglein sang,
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Ob tief im eignen Herzen das süße Trostlied klang.
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Doch wie ein Kranz von Rosen sinkt auf ein düstres Grab,
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So sank jetzt Ruh' und Friede mild auf sein Herz herab.

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Am Marktplatz standen die Zünfte; da stürmte vom Thurme nieder
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Herr Kopp'noll, bleich im Gesichte, ihm zitterten alle Glieder,
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Nach ihm der Thürmer brüllend: »Lauft, wer noch laufen kann!
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Zahllos wie Fliegen im Sommer rückt Deutschlands Heermacht an!

21
Die Kerle sind von Brügge kaum eine Meile weit,
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Und haben Knochen wie Gäule, und Schwerter wie Ruder breit,
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Und Bärte wie Tannenäste. Für uns bringt jeder Mann
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O weh, einen hohen Galgen! Drum laufe, wer laufen kann!«

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Da rannten die Zunftgenossen und rannten einander nieder,
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Und liefen nach den Waffen, und standen und liefen wieder,
27
Und murmelten durch einander, bis endlich laut es scholl
28
Vom Mund des Volks und der Häupter: »Laßt hängen den Koppenoll!«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Anastasius Grün
(18061876)

* 11.04.1806 in Ljubljana, † 12.09.1876 in Graz

männlich, geb. Grün

österreichischer Dichter und Politiker

(Aus: Wikidata.org)

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