Maximilian, römischer König

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Anastasius Grün: Maximilian, römischer König (1842)

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Schwer auf dem morschen Haupte liegt mir die goldne Kron';
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Du wirst sie leichter tragen, mein Max, mein starker Sohn!
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Das Zepter, zitternd in meiner, ruht fest in deiner Hand.
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So dachte der alte Kaiser, – so dachte das ganze Land.

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Zu Aachen in dem Dome, da wogt's in Seid' und Sammt,
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In Infuln und in Helmen, beim ersten Krönungsamt,
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Da troff vom heil'gen Oele die Stirne Maxens verklärt,
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Da trug er in würd'gen Händen des großen Carols Schwert.

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Von Köln der greise Bischof vor dem Altare stand;
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Wie 'n treuer Freund, so schüttelt ihm sonst das Alter die Hand
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Doch fest und ohne Zittern faßt er die Krone jetzt,
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Er weiß ja, daß noch Niemand auf bessern Ort sie gesetzt.

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Die Orgel ist verklungen. – Im hohen Kaisersaal,
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Da sitzen die Herren und Fürsten beim heitern Krönungsmahl;
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Aus Silberurnen rieselt der kühle Wein hervor,
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Und blaue Wölkchen kräuseln aus goldnen Schüsseln empor.

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Der Pfälzer schwang den Becher und scherzend hub er an:
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»hoch, Vater Rhein! Ihr Herren, wer ist's, der's rühmen kann,
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Er seh' solch edles Kleinod in seinem Lande stammen,
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Das so, wie meine Reben, die Herzen mag entflammen?«

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Da priesen in der Runde die Fürsten Thron und Reich,
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Der alte Kaiser Friedrich pries hoch sein Oesterreich,
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Von Köln der greise Bischof rühmt seinen Riesendom,
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Der Baier seine Fluren und seinen blauen Strom.

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Aus Sachsenland Herr Albert,
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»es blitzt als Gold und Eisen in dunklem Schacht mein Hort,
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Das Gold lehrt unsre Weiber, so lauter und so rein,
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Das Eisen unsre Männer, so stark und treu zu sein.«

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Drauf sprach der Würtemberger, Graf Eberhard im Bart:
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»zwar sprießt in meinen Gauen kein Kleinod solcher Art;
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Doch käm' im tiefsten Walde mir Lust zu schlummern an,
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Wär' jeder Schooß mein Kissen, drauf sanft ich schlafen kann.«

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Einst hätt' in solchem Wettstreit Max auch ein Wort gebracht,
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Jetzt hüllt die schwarze Erde, ach, all sein Glück in Nacht;
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Drum blieb auf seine Lippen ein düstres Schweigen gebannt,
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Doch leis und innig drückt' er des Würtembergers Hand.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Anastasius Grün
(18061876)

* 11.04.1806 in Ljubljana, † 12.09.1876 in Graz

männlich, geb. Grün

österreichischer Dichter und Politiker

(Aus: Wikidata.org)

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