Das Erwachen

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Anastasius Grün: Das Erwachen (1842)

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Der Königsleue schlummert auf einem Grabe stumm,
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Die Mäuse halten Fastnacht und hüpfen lustig herum.
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Ei, wag' dich nicht zu nahe, du luftiges Gezücht!
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Entfliehe, denn es schlafen die Löwen lange nicht.

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Selbst Leu'n sind schwach im Schlummer, drum, Löw', erwache bald!
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Schon schnaubt der grimme Eber aus dem Ardennerwald,
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Der sich auf deine Blumen, in deine Saaten warf,
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Und wetzt an deinen Palmen die blut'gen Hauer scharf.

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Wach' auf! – hat Rolands Glocke
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Hei, wie zu Gent sie dröhnet und Brügg' und Lüttich weckt!
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Das deutet Brand! die Flamme des Aufruhrs ist erwacht;
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Sieh, wie der Franzos die Funken zur hellen Lohe facht!

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Wach' auf, o Max, und schreite ins blutige Gericht!
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Und wecken Flanderns Rebellen und Frankreichs Meuchler dich nicht,
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So krach' es dir in die Ohren mit greller Posaunenkraft:
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Wach' auf, dein Sohn ist gefangen, dein Sohn ist in enger Haft!

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Erwacht ist der Leu;
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Wie ihm die Mähne lodert, wie rings das Leben erbleicht!
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Ei, du gewalt'ger Eber, der Löwe packt doch gut
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Und düngt jetzt seine Saaten mit deinem schwarzen Blut.

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Ei, Gent, die Mörser donnern doch lauter als dein Roland,
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Gelt, Franzmann, hast beim Heizen die Finger dir verbrannt?
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Gelt, meuterisches Flandern, der Aar holt doch sein Kind,
24
Zum sichern Felsenhorste trägt er's durch Sturm und Wind!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Anastasius Grün
(18061876)

* 11.04.1806 in Ljubljana, † 12.09.1876 in Graz

männlich, geb. Grün

österreichischer Dichter und Politiker

(Aus: Wikidata.org)

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