Der Zweikampf

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Anastasius Grün: Der Zweikampf (1842)

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Allmorgens wenn das Frühroth durch Goldgewölke stob
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Und glühende Purpurrosen um Berg' und Thürme wob,
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Da sprengt' ein fränkischer Ritter zum deutschen Lagerfeld
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Und trabt' auf stolzem Rosse ringsum von Zelt zu Zelt.

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Der zog mit höhnischem Lächeln die bärt'gen Lippen schief
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Und hielt vor jedem Zelte, schlug an den Schild und rief:
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»heraus, du kühner Deutscher, der mit mir wagt den Streit,
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Zur Ehre seines Landes, zur Ehre seiner Maid!«

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Sie ließen ihn's so treiben – das waren Deutsche nicht!
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Ein jeder blieb im Zelte und that, als hört' er's nicht!
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Drauf sprengte der tolle Ritter in stolzem Satz davon,
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Und wie zehntausend Teufel scholl ferne noch sein Hohn.

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Und wieder flammt' im Osten der lichte Purpurschein,
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Und wieder brach den Landen der goldne Tag herein,
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Und wieder sprengt der Franzmann zum deutschen Lager heran,
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In Erzgewand gerüstet vom Fuß zum Haupt hinan.

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Ein rother Helmbusch wogte kühn um sein stolzes Haupt,
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Mit rothen Federn hatt' er des Rosses Stirn umlaubt,
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Um seine Schultern spielte ein rothes Wappenkleid,
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Des Rosses Rücken deckte manch purpurroth Geschmeid.

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Und eine Schärpe trug er, so roth wie junges Blut,
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Denn von des Meeres Borden bis tief ins Franzenland
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War er

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Und wieder zog er höhnisch die bärt'gen Lippen schief
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Und sah aufs deutsche Lager, pocht' an den Schild und rief:
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»heran, du wackrer Deutscher, der mit mir prüft die Wehr,
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Zur Ehre seiner Dame, zu seines Landes Ehr'!«

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Dem Vollmond gleich, wenn plötzlich er durch Gewölk sich drängt,
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Kam jetzt auf schnellem Zelter ein Rittersmann gesprengt,
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Der hat sein kühnes Antlitz in Gittererz vermummt,
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Ihn kennt nicht Frank' und Deutscher, und Alles rings verstummt.

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Auf seinem Helme zeigt sich kein schmucker Federstrauß,
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Ein goldner Stern nur neigt sich aus blanken Oehrlein heraus:
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Ist's der Purpurstern der Liebe, der, ach, so schnell vergeht?
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Ist's der blasse Stern der Hoffnung, der ewig leuchtend steht?

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Es wogt um seine Schultern kein schmuckes Wappenkleid,
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Ein rauher Eisenpanzer ist seiner Brust Geschmeid,
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Nur eine Silberschärpe wallt um des Busens Wehr,
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Drauf steht mit güldnen Zügen gar zierlich:

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Als könnt' er unterliegen, so zog der Rittersmann,
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Doch daß er kam zu siegen, das sahn ihm Alle an;
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Es war von Gold und Wappen sein Eisenschild nicht schwer,
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Doch flammt in seinem Herzen gar herrlich:

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Schon schaart sich ringsum deutschen und fläm'schen Volkes Troß,
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Schon wehen all' die Banner, – jetzt tönt Trompetenstoß!
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Da sprengen an einander die Zwei mit Sturmesmacht,
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Es klirren laut die Schilde, und Speer und Panzer kracht.

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Die Speere sind zersplittert! nun blitzet Schwert an Schwert,
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Jetzt glaubt der fränk'sche Würger schon seine Kraft bewährt,
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Von seines Schwertes Streichen zersprang manch Eisenband,
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Es barst der Helm des Gegners und taumelt in den Sand.

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Sieh! nieder auf den Nacken rollt goldner Haare Strom,
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Zwei klare Augen leuchten blau wie des Himmels Dom,
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Drin glänzt auch eine Sonne, so blendend rein und licht,
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Solch eine deutsche Sonne verträgt der Franzmann nicht.

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Er stutzt und starrt geblendet, das Schwert entsank der Hand,
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Als sei aus Geisterlanden ein Rächer ihm gesandt;
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Des Deutschen Schwert doch wettert mit mächt'gem Stoß auf ihn,
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Jetzt schwinden ihm die Sinne, er stürzt zur Erde hin.

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Da jubeln all' die Deutschen, da jauchzet Mann für Mann:
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»heil deutscher Racheengel! Heil Maximilian!«
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Der aber wirft von dannen die blutbefleckte Wehr,
63
Und sinkt in seine Kniee und betet:

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Anastasius Grün
(18061876)

* 11.04.1806 in Ljubljana, † 12.09.1876 in Graz

männlich, geb. Grün

österreichischer Dichter und Politiker

(Aus: Wikidata.org)

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