Aufruf

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Anastasius Grün: Aufruf (1842)

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Indeß wir beim Turniere und Tanze
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Trinkt in
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Wir kitzeln

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»ein Narr, wer auf dem Todbett sich Hochzeitskränze flicht!
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Wer riss' ihm aus den Händen das eitle Spielwerk nicht?
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Es schreit um Hülf' und Retter der Feuerglocken Gedröhn,
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Beim Brand des eignen Hauses schwärmt nur ein Thor: ei wie schön!

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Drum auf, ihr Herrn und Edlen, wohlauf zum Schwertertanz!
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Vom Haupt den welken Festkranz! Erringt euch neuen Kranz!
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Auf, sammelt eure Schaaren, dann an die Marken frisch,
11
Dort laden wir uns wieder bei fränk'schen Wirthen zu Tisch!«

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So tönte Maxens Rede hell durch den hohen Saal,
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Rings jauchzten lautauf Beifall die Edlen allzumal,
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Und horch! herauf aus dem Hofe, als stimmt' es froh mit ein,
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Scholl muthig Roßgewieher in das Gejubel drein.

16
Da hatten Aller Augen zum Fenster sich gekehrt,
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An einer Säule gebunden stand unten ein weißes Pferd.
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»ein herrlich Thier, beim Himmel! Ihr Herrn, aus wessen Stall?«
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Da schüttelten die Köpfe und zuckten die Achseln All'.

20
»seht nur den stolzen Nacken, das Auge muthighell,
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Bunt und doch ohne Makel, wie Frühlingswolken das Fell!
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Goldquasten rieseln klingend, wirr durch einander bewegt,
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Wenn mit dem Hufe stampfend es kühn den Boden schlägt.

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Stolz trägt die Purpurdecke, wie'n König, das edle Thier;
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Doch ha ha, ein Liebesbrieflein! – seht, 's ist zum Bersten schier!
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Geheftet unter dem Schweife trägt es ein weiß Paket,
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Ei geh' doch Einer hinunter und seh', was drinnen steht?«

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Da machte Einer unten das Blatt behutsam los,
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Das in sich solche Worte und solchen Sinn verschloß:
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»wir Louis der Eilft' in Frankreich, Navarr' et cätera
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Durch Gottes Gnaden König, Herzog in Burgundia.«

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»ei, heftet unser Vetter an solchen Ort sein Mandat?
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Doch fahre fort zu lesen – 's ist lustig in der That!«
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So scherzet Max und lächelt, doch glimmt sein Blick voll Gluth,
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So lächelt fern das Wölkchen, in dem der Brandkeil ruht.

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»an unsern lieben Vetter, Erzherzog von Oesterreich!
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Man spricht, Ihr wollt uns besuchen, der Wunsch kömmt unserm gleich;
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Drum senden wir dieß Rößlein, der Weg ist etwas weit,
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Und käm't Ihr zu Fuß gegangen, es thät uns wahrlich leid.

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Auch heißt's, der karge Vater
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Drum send' ich Euch entgegen Lehrmeister im Waffenspiel,
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Die edle Künst' Euch lehren, wie's solchem Ritter frommt,
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Gott und der Jungfrau zu Ehren; indeß lebt wohl und kommt!«

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So sprach der Habsburg Sprosse: »Laßt euch den Schwank ergötzen.
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Der König weiß recht artig Maulschellen zu versetzen,
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Wir sind zu Gast geladen, nun rasch zu Pferd, zu Pferd!
47
Und sparet nicht das Lehrgeld, sind nur die Meister was werth.«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Anastasius Grün
(18061876)

* 11.04.1806 in Ljubljana, † 12.09.1876 in Graz

männlich, geb. Grün

österreichischer Dichter und Politiker

(Aus: Wikidata.org)

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