In unsern weichen, seid'nen Zeiten

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Anastasius Grün: In unsern weichen, seid'nen Zeiten Titel entspricht 1. Vers(1842)

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In unsern weichen, seid'nen Zeiten
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Was soll der Mann in starrem Erz?
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Vielleicht, daß sein Vorüberschreiten
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Noch heute rührt manch deutsches Herz!

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Seht ihn am Schaft des nun zerfetzten
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Germanenbanners mannlich stehn!
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Wir sahn's als Silberhaar des letzten
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Der deutschen Kaiser jüngst verwehn.

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Sein Weckruf dröhnt, der ihm die Bahnen,
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Ein eherner Johannes, weiht;
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Wer wecken wollte, mußt' es ahnen,
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Daß zu erstehn es hohe Zeit!

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Taugt Winterabende zu kürzen,
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Der Jäger Theuerdank auch nicht,
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Kann er uns doch die Lehren würzen,
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Wie sich's mit wilden Bestien ficht;

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Die Ungethüme sind die alten,
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Noch heut' nicht lassend von der Art,
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Nur Spiele der Natur entfalten
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Sich neu in Schnauzen, Tatzen, Bart.

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Mein Jugendlied hat nicht gepriesen
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Den Helden, weil's ein
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Nur darum war's entflammt für diesen,
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Weil er der

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So rührt gewaltiger im Herzen,
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Als weicher, üpp'ger, reicher Mai,
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Vorfrühling mich im stürm'schen Märzen,
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Wenns Kampfzeit noch, waghaft und frei!

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Wenn Halme, die zum Lichte treiben,
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Als Speere starren kampfbereit,
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Die Blumen Rottenfähnlein bleiben,
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Und noch nicht Sybaritenkleid;

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Wenn Pfeile noch die Sonnenblicke,
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Singvogel als Prophete wirbt
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Und, Märtyrer der Frostestücke,
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Für schönen Frühlingsglauben stirbt;

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Der Strom noch nicht als Müßiggänger
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Durch Berg und Wald behaglich streicht,
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Nein, mit den Spolien seiner Dränger,
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Dem Scholleneis, beladen keucht;

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Ach, daß ein Herz von Frühlingswonne
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Stets träumt, wenn ihrer es entbehrt!
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Getrost! Säumt auch die Weltensonne,
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Glüht traulich doch manch Nachbarherd.

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Sei auch von einst'gen Lenzesreichen
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Uns noch kein schön'res Pfand zu schaun,
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Scheint's doch kein übles Frühlingszeichen,
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Daß schon die alten Kater miaun!

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Herbstschauer hält mich jetzt beklommen,
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Ein dürres Blatt spielt mir vorbei;
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Dieß welke Blatt auch soll mir frommen,
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Als ob mein Jugendlied es sei.

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Nimm es, o Windeshauch, du freier,
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Entführ's aus liebem Schwabenland
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Weithin zum schönen Lande Steyer,
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Dem Freunde dort ein Liebespfand!

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Vielleicht bald bring' ich andre Gabe:
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Doch wenn ich nichts mehr geben kann,
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Fürwahr, daß man mein Grab mir grabe,
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Die beste, höchste Zeit ist's dann.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Anastasius Grün
(18061876)

* 11.04.1806 in Ljubljana, † 12.09.1876 in Graz

männlich, geb. Grün

österreichischer Dichter und Politiker

(Aus: Wikidata.org)

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