Und wieder Ostern war's, vom Oelberg wieder

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Anastasius Grün: Und wieder Ostern war's, vom Oelberg wieder Titel entspricht 1. Vers(1842)

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Und wieder Ostern war's, vom Oelberg wieder
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Sah Christus in das Thal zur Stadt hinab;
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Das Kreuz, gestürzt ist's von den Zinnen nieder,
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Nur eins steht schüchtern noch ob seinem Grab.

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Hoch von Moscheenkuppeln, Minareten
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Prangt goldnen Strahls der Halbmond übers Land;
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Der Ruf des Muezins gebeut zu beten,
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Wo stolz einst Salomonis Tempel stand.

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Dem Stein gilt's gleich, welch Zeichen man ihm wählte,
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Ob er als Tempel, Dom, Moschee euch dien';
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Vom Menschen lernt' er's ab, daß gleich ihm's gelte,
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Tritt Mönch, Levite oder Derwisch ihn.

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Der Moslim riß herab aus Himmelsfernen
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Den Mond, zu schmücken seinen Erdenraum;
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Der Christ hob von der Erde zu den Sternen
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Sein Kreuz, gezimmert nur aus ird'schem Baum.

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Zerstäubt, vermodert längst des Kreuzes Fechter.
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Kein Psalm, kein Glockenklang in weiter Luft!
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Nur Mönche blieben, hütend noch als Wächter,
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Wie treue Doggen, ihres Herren Gruft.

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Dieß leere Grab, sie kauften es mit Golde,
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Krambuden schlug der Heide drinnen auf;
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Dem müden Pilger beut um schnöde Solde
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Er Platz für seine beiden Knie' zu Kauf.

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Der Ostern Fest ist's heut! Auf allen Bahnen
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Ziehn fromme Christenpilger wohl heran,
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Durch alle Lande reiche Karavanen
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Und rüst'ge Schiff auf aller Meere Plan?

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Nein! Oed' und leer sind noch des Domes Hallen,
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Darin zerstreut nur einzle Beter knien!
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Vielleicht daß draußen noch vor'm Thor sie wallen?
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Blick' um dich, Auge, wo die Wandrer ziehn?

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Kein Pilger hier! Nur Beduinen jagen
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Auf flinken Rossen durch das Haideland;
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Kein Pilger dort! Die Christenschiffe tragen
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Des Kaufherrn Gold und Ballen nur zum Strand.

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Sieh dort bemoost vier Trümmerwände ragen,
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Längst eingebrochen ist Gewölb' und Dach;
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Ein Kirchlein Gottes war's in alten Tagen,
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Jetzt stürzt es mählich seinen Bauherrn nach.

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Es sprießen grüne Terebinthen drinnen,
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Sie stehn die letzten, treuen Beter hier,
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Es wölbt ihr Laub zu Kuppeln sich und Zinnen,
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Es ragen ihre Stämm' als Säulenzier.

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In ihrem Schatten ruht ein müder Waller,
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Olivenfarbe trägt sein Angesicht,
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Wahrzeichen trägt auch er der Pilger aller:
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Den Stab und Staub, – doch Christi Zeichen nicht!

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Er ist ein Körnlein jener Handvoll Samen,
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Die einst der Sturm von diesem Boden hob
51
Und in die Länder sä'te aller Namen
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Und weit hinaus in alle Winde stob!

53
Ein Jude ist's, ein Ast vom Wunderstamme,
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Gefällt, zerschmettert längst, doch nicht verdorrt!
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Des Markes Kern versenkt von Blitzesflamme,
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Des Wipfels Zweige grünend fort und fort!

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Und wie ums Haupt beim Laubeswehn ihm schwanken
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Bald Sonnenlichter, bald die Schatten dicht,
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So gaukeln drin die Bilder und Gedanken,
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Bald mitternächtig schwarz, bald sonnenlicht:

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»die Lerche steuert pilgernd in den Lüften
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Dem Lenze nach und seiner Blüthenspur;
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Der Hirte wandert von enthalmten Triften
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Zu frischem Weideplatz auf reichrer Flur.

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Nicht, gleich der Lerche, folg' ich Frühlingsspuren,
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Und doch wie sie, so wandr' ich fort und fort!
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Nicht, gleich dem Hirten, such' ich schönre Fluren,
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Und doch wie er bin ich bald hier, bald dort!

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Der Hirsch, den ihr mit Hunden ließet hetzen,
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Der rennt durch Büsch' und Felder fort und fort;
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Er rennt noch immer fort in scheuen Sätzen,
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Wenn Treibers Hand und Ruthe längst verdorrt!

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Ich säe nicht, ich pflüge keinen Boden,
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Mich schreckt kein Hagel, denn ich ernte nicht.
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Doch bent mir jedes Land von seinen Broden,
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Und meinem Durste nie der Quell gebricht!

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Des Nordens Eiche und des Südens Palme
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Hat um das Haupt schon Schatten mir gestreut;
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Der Wüste Sand, der Alpen duft'ge Halme,
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Sie halten mir des Schlummers Bett bereit.

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Ich wohn' in engen Gassen, dunklen Schlüften,
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Wohin der Christ uns aus den Städten stieß;
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Er ahnt es nicht, wie selbst in Drachenklüften
84
Des Weibes Kuß, des Kindes Lächeln süß!

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Ich lerne keine von den Sprachen allen,
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Nur meine trag' ich durch die ganze Welt;
87
Natur der Staare ist's, die Sprache lallen
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Des Peinigers, der sie gefangen hält.

89
Mir blüht kein Vaterland! Die Brüder ringen
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Durchs Leben sich, zerstreut, im Wandrerkleid!
91
Und doch sind wir ein Volk! In Eins verschlingen
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Gemeinsam Elend uns, gemeinsam Leid!

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Vom Manne, der nicht sterben kann, die Sage
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Lallt manch ein Christenkind, vom Ahasver.
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Es wallt vorbei der Völker Sarkophage
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Mein Volk, unsterblich, thränenlos, wie er!

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Nicht weiß ich's, dämmern uns des Fluchs Gerichte,
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Strahlt Segen uns aus der Geschicke Buch?
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Auf unsrer Töchter schönem Angesichte
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Les' ich sogar den leisen Hauch von Fluch!

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Pflanzt in den Süd ein Reis von Nordens Tannen,
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Wenn's nicht verdorrt, sprießt's doppelt grün und groß;
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Wollt in den Nord ihr Südens Lorber bannen,
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Erfriert er nicht, verkrüppelt doch sein Sproß.

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In allen Zonen doch, Gepräg' aus Steine,
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In Farb' und Bildung bleibt
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So heiß ist Südens Brand nicht, daß er's bräune,
108
So kalt kein Norden, daß er's tünche bleich!

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Die Christen sahn's, da mocht' es ihnen dünken,
110
Es sei wohl eisenfest auch unser Leib,
111
Daß unser Blut ihr Schwert sie ließen trinken,
112
Uns niederdolchten Greis und Kind und Weib!

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Die Christen sahn's, und unsres Leibes Glieder
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Hielt da wohl auch für feuerfest ihr Wahn,
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Daß sie uns Haus und Hütten brannten nieder
116
Und unter uns den Holzstoß schürten an!

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Was zürnen sie? Weil einst, was noch sie üben,
118
Gerichtet einen Sünder wir nach Fug!
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Wenn das er lehrte, was sie thun und trieben,
120
Traun, war's kein Unrecht, was ans Kreuz ihn schlug!

121
Ihr schmäht, daß wir den Blick zum Mammon wenden;
122
Wie wir ihn suchen, suchet ihn auch ihr.
123
Nur tappt ihr plump nach ihm mit schweren Händen,
124
Mit leichter Wünschelruthe winken wir.

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Verachtet mich, doch will Triumph ich stimmen!
126
Zertritt mich, Christ, wie einen Wurm der Flur!
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Muß ich mich unter deinen Sohlen krümmen,
128
Ist's doch vor Schmerz nicht, nein, vor Wollust nur!

129
Voll Lust ja denk' ich's unter deinen Füßen,
130
Wie deines Priesters halb du bist, halb mein;
131
Wie wir uns Beid' in dich zu theilen wissen,
132
Sein soll das Jenseits, mein das Diesseits sein!

133
Ich denk's, daß meines Volks ein Mann darf winken,
134
Und Demant und Juwel, entfärbend sich,
135
Aus deines Königs stolzer Krone sinken,
136
Der dich auch treten kann, so wie du mich.

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Braus't hoch zu Roß dahin, im Goldesschimmer,
138
In Purpur wallend, schwingend das Panier!
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Ich lieg' im Koth und weiß, ihr seid nicht immer
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So stolz und bückt euch noch herab zu mir.

141
Entfalt', o Christensaat, dein Prunkgefieder
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Und schlag' dein schimmernd Farbenrad als Pfau!
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Des Regenbogens Leuchten spiegle wider,
144
Des Sternenhimmels Funkeln gib zur Schau!

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Gern mag der Pfau im Sonnenglanz sich blähen,
146
Doch schämt er seines eklen Fußes sich.
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Ich bin der Fuß, magst ihn mit Scham besehen,
148
Doch trägt nur er dein Prunkgebäud' und dich!

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Und beugt der Unsern Einer auch dem Quelle
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Sein Haupt zur Weih' in Eures Glaubens Bund,
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Meint ihr, ihn lockt des Paktol's reinre Welle?
152
Ich mein', er ahnt das Körnlein Gold's am Grund!

153
Ha, jauchze nur, o Petrus, wenn gelungen
154
Solch Fischzug oft dem Netz in deiner Hand!
155
Denk' an das Krokodil und seine Jungen,
156
Die heimisch auch zu Wasser und zu Land!

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Und gönnst du, Christ, uns einst auch deine Fluren,
158
Gibst du uns Freiheit, Recht, Gesetz zurück,
159
Ein Krieg, den die Jahrtausende sich schwuren,
160
Den endigt nicht ein Friedensaugenblick!

161
Hier ist mir wohl! Hier sind wir gleich, wir Beiden,
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Verschmäht, getreten gleich, in diesem Land!
163
Doch unter'm Tritte selbst des schnöden Heiden
164
Reich' ich dir nicht zum Frieden meine Hand!

165
Genug der Rast! Wie labt des Schlummers Bronnen!
166
Laßt sehn, wie die Geschäft' am Grab dort stehn.
167
Kauft Goldmonstranzen, Rosenkranz, Madonnen!
168
Kauft Kreuze, schmucke Kreuze, blank und schön!«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Anastasius Grün
(18061876)

* 11.04.1806 in Ljubljana, † 12.09.1876 in Graz

männlich, geb. Grün

österreichischer Dichter und Politiker

(Aus: Wikidata.org)

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