Den Golf hinaus, fort von Pompeji's Küsten

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Anastasius Grün: Den Golf hinaus, fort von Pompeji's Küsten Titel entspricht 1. Vers(1842)

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Den Golf hinaus, fort von Pompeji's Küsten
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Wogt eines Schiffes majestät'scher Bau;
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Die Segel, die vom Abendwind geküßten,
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Blähn lustig sich, es knarrt in Mast und Tau!

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Und, horch! Kanonendonner lauthin knallen –
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Dein Abschiedsgruß, o Cincinnatus, klingt,
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Daß, aufgeschreckt, die Schaar der Nachtigallen
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Von Maro's Grab sich, ängstlich flatternd, schwingt!

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Wie rauh, o Mensch, ist selbst dein Gruß der Liebe:
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Preßt deine Hand des Freundes Hand in sich,
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Scheint's fast, als ob es dich zu sprechen triebe:
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Freund, fühle meine Kraft, und wahre dich!

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Der Sohn Amerika's, gekreuzt die Hände,
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Lehnt still am Hauptmast an des Schiffes Bord,
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Sein Aug' durchschweift im Flug des Golfs Gelände,
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Winkt hier ein Lebewohl, nickt Grüße dort:

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»leb' wohl, Europa! Daß dein Aug' sich helle,
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Du Niobe, verschönt vom Riesenschmerz!
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Gleich ihrer ist auch deiner Leiden Quelle
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Dein Reichthum, den du liebend drückst ans Herz!

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Gegrüßt, Amerika, du jüngre Schwester!
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O nimm des Schmerzes Kinder mild von ihr,
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Leg' an dein Herz sie, daß der Schmerzen größter
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In seiner Fülle Heilung trink' aus dir!

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Schlingt Hand in Hand, laßt Haupt am Haupte lehnen,
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Ihr Schwestern, euch zu Füßen Meeresglanz!
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Es stehn die Kronen, die Europa krönen,
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Gut an Amerika's laubgrünem Kranz!

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Wie bunt und herrlich rauscht dein Wald, o Leben!
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Und sieh, doch ist's nur Eine Lebenskraft,
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Die graue Moose heißt am Boden kleben
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Und Palm' und Ceder in die Wolken rafft,

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Die blüh'nden Lotos wiegt im Wellenschaume,
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Der Rosen Purpurkleider taucht in Duft,
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Die Reben lehrt den Flug von Baum zu Baume,
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Den Kaktus keilt in starre Felsenkluft!

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Wie reich, o Menschengeist, dein Garten glühte,
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Nur Eine Kraft ist's, die zum Keim dich drängt,
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Und Krone, Lyra, Hirtenstab als Blüthe,
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– Ach, auch das Schwert! – an deinen Baum gehängt!

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Und diese Blüthen sind zum Kranze worden,
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Der bunt sich um der Zeiten Harfe schlingt,
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Die bebend in den ewigen Accorden
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Der Menschheit Schmerz, der Menschheit Jubel klingt!

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Der alte Baum sieht, ewig grünend, nieder
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Auf sein verwehtes Laub, das unten lauscht;
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O Mensch, du sinkend Blatt, du sinkst auf Brüder
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Und hörst's, wie dir schon nach ein Bruder rauscht!

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Am Baum vorbei strömt, heut noch voll, wie gestern,
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Die Quelle, flüsternd, in das ew'ge Meer!
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O Mensch, du flücht'ge Welle, eilst zu Schwestern,
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Und hörst die Andern eilen hinterher!

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Die goldne Wolke, aufgelöst in Thränen,
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Stürzt ihrer Mutter an das Herz, dem Meer!
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Zugvöge! flattern durch die Luft mit Sehnen,
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Wie loses Laub vom Herbstbaum, irr umher!

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Ein stiller Todesjubel weht im Raume
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Wie Laubessäuseln, ach, nicht minder schön,
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Als säh' ich lächelnd süß ein Kind im Traume
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Bei ferner Morgenglocken Festgetön.

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Stürz' als ein Niagara, schleiche leise
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Als Sarno, gleit' ein Tröpflein Thau's ins Meer,
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Sieh, bald zerrinnen, die du schlägst, die Kreise,
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Du wirst zur Well', und ruhig wird das Meer!

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Sieh, Welle, allen Himmel glanzentglommen
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Sich spiegelnd in dem Ozeane hier.
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Da wird wohl auch auf dich ein Sternlein kommen,
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Das spiegle heilig, rein und treu in dir!«

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So um das blüh'nde Haupt des Jünglings schreiten
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Gedanken, während lieblichen Getöns
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Die Wellen rings, die regen, sie begleiten
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Mit der Musik des Werdens und Vergehns.

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Wie klein die Gluth Vesuvs schon glimmt, die ferne!
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Sie mengt als Stern sich in der Sterne Reihn,
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Als ob der glühende Vernichter gerne
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Sich hüllte in des Lichts und Segens Schein!

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In Nacht längst des Gestades Lichter traten;
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An Bord die Flagge selbst hat Nacht umstrickt,
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Die Sternlein zweimal zwölf der Brüderstaaten,
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Auf himmelblauen Grund in Gold gestickt.

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Doch hat sich glanzvoll über ihr zur Stunde
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Vereinter Sternenreiche Flagg' entrollt:
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Auf dunklem himmelblauen Wappengrunde
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Millionen Sterne, funkelnd all' in Gold!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Anastasius Grün
(18061876)

* 11.04.1806 in Ljubljana, † 12.09.1876 in Graz

männlich, geb. Grün

österreichischer Dichter und Politiker

(Aus: Wikidata.org)

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