Im Saalgewölb' des Urwalds ruhn im Kreis

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Anastasius Grün: Im Saalgewölb' des Urwalds ruhn im Kreis Titel entspricht 1. Vers(1842)

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Im Saalgewölb' des Urwalds ruhn im Kreis
2
Viel kräft'ge Männer, manch ein ernster Greis,
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Der Weißen Abgesandte friedlich bei
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Indianern, Waldessöhnen, stark und frei.

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Die Friedenspfeife kreist nach altem Brauch,
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Der Männer Friedenswort' umhüllt ihr Rauch,
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Wie über Frühlings schönstem Rosenbeet
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In stillem Flug ein Morgenwölkchen steht.

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Zum Bund des Friedens sind sie hier vereint.
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Schon rann genug des Blutes ja, schon scheint
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Belegt des grünen Saales Boden fast
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Mit rothen Prunktapeten von Damast.

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Ein Häuptling sprach: »Nach Vätersitte macht
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Aus Erd' und Laub das Grab dem Beil der Schlacht.
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Das Manchen unsrer weißen Brüder traf!
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Drin schlaf' es, ungeweckt, nun ew'gen Schlaf!«

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Ein Andrer drauf: »Das Laub verträgt der Wind,
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Die Erd' aufwühlt des Waldes Thier geschwind!
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Drum soll des Kampfes Beil geborgen sein,
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Grabt's unter Wurzeln einer Ceder ein!«

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Ein Andrer drauf: »An Wurzeln nagt der Wurm,
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Zu Boden schleudert Cedern selbst der Sturm!
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Drum, soll zu Tag des Unheils Beil nicht mehr,
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Wälzt jenen Berg als Grabstein drüberher!«

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Ein Andrer drauf: »Sogar des Berges Bauch
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Durchwühlt der Schacht des weißen Bergmanns auch!
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Drum, soll fortan es ew'ger Friede sein,
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Senkt in den Strom des Hasses Beil hinein!«

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Ein Andrer drauf: »Aus tiefster Stromesnacht
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Wird's von des Fischers Netz zu Tag gebracht!
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Drum, daß es weltverheerend nie ersteh',
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Senkt's mitten in des Weltmeers großen See!«

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Ein Greis darauf: »Dieß Beil von Holz und Erz
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O laßt's am Tag! Doch greift in euer Herz!
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Drin liegt das Schlachtbeil, das vielleicht schon jetzt
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Von euch manch Einer frisch zum Kampfe wetzt!

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Das Herz ist tiefer als Gebirg' und See'n,
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Und doch wird draus das Beil zu Tag erstehn!
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Bis eine Handvoll Erd' einst, drauf gestreut,
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Es besser birgt als Meer und Berge heut!«

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So sprachen sie, indeß im Waldesraum
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Still über ihren Häuptern jeder Baum
43
In rauhen, braunen Armen, windumspielt,
44
Den grünen Zweig des ew'gen Friedens hielt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Anastasius Grün
(18061876)

* 11.04.1806 in Ljubljana, † 12.09.1876 in Graz

männlich, geb. Grün

österreichischer Dichter und Politiker

(Aus: Wikidata.org)

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