Schuttfreie Lampe, sieh, wie dich mit Funkeln

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Anastasius Grün: Schuttfreie Lampe, sieh, wie dich mit Funkeln Titel entspricht 1. Vers(1842)

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Schuttfreie Lampe, sieh, wie dich mit Funkeln
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Des Lichtes, deines Vaters Augen grüßen,
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Seit dich aus tausendjähr'gem Kerkerdunkeln
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Die Schaufel seiner Feindin Nacht entrissen!

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Erfüllt hast du den Lichtberuf, den edeln,
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Noch kündet's deiner Mündung Kohlenfarbe;
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Sie steht dir gut, wie bleichen Kriegerschädeln
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Des alten Schlachtfelds tiefe Ehrennarbe.

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Ob einst dein Licht am Bett der Liebe blinkte?
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Da warst du in der Nächte Ozeane
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Ein Schifflein, dem vom Borde fächelnd winkte
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Zum Liebeshafen deine Flamm' als Fahne.

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Ob einst dein Strahlenschrein vielleicht geschimmert
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Als Phöbuswagen durch die Nacht des Weisen,
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Deß Herz, von Menschenelend tief bekümmert,
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Nachforscht des Glückes lichten, sel'gen Gleisen?

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Da warst das Frühroth du, an dessen Wärme
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Des Geistes Rosen blühend ausgegangen,
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Um dessen Strahlenkern, wie Lerchenschwärme,
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Gedanken ihre jungen Flügel schwangen.

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Die Rosen werden Kränze, die auf Erden
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Der alten Götter Tempel reich umschlingen;
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Die Lerchen aber, Flügelbarden, werden
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Der alten Götter Preis am Himmel singen

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So sann und nickt' einst ein am Tisch von Steine
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Des Weisen Haupt, als wenn's noch prüfen werde,
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Ob selbst es nun, ob jener kälter scheine?
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Noch rollt, des alten Elends voll, die Erde!

29
Ein Andrer kam; und wieder, Lampe, zittert
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Dein Strahlenschrein am Tische eines Weisen,
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Deß Herz, vom Menschenelend tief erschüttert,
32
Nachforscht des Glückes lichten, sel'gen Gleisen.

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Da warst du eines Scheiterhaufens Lohe,
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Drein warf die alten, heitren Götter alle,
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Wie dürres Reisig, der Zerstörungsfrohe,
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Daß ganz in Staub und Asch' ihr Glanz zerfalle!

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Und lächelnd schaut' ins Prasseln er der Flamme,
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Bis einst er selbst am grausen Opferheerde
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Hinglitt, wie dürres Reis vom Lebensstamme!
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Fortrollt, des alten Elends voll, die Erde!

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Ein Andrer kam; und wieder, Lampe, schimmert
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Hehr dein Gedankenpharus einem Weisen,
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Deß Herz, vom Menschenelend tief bekümmert,
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Nachforscht des Glückes lichten, sel'gen Gleisen.

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Da wardst die Glorie du, von der umfangen
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Glanzvoll vor ihm das Christuskreuz jetzt ragte,
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In deren Strahl versunkne Gräber sprangen,
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Und weithin das Gefild der Zeiten tagte!

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Sein Antlitz blieb, nun sich das Aug' geschlossen,
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Als ob der Tod ihm zur Verklärung werde,
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Von einer lichten Glorie selbst umflossen!
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Noch rollt, des alten Elends voll, die Erde!

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Die Lampe steht, Pompeji's Schutt entstiegen,
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Jetzt wieder auf dem Tische eines Weisen,
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Deß Geist auf des Papyrus welken Zügen
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Nachschleicht der Ahnen fernen, lichten Gleisen.

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Ein Lenz, zweitausend Jahr' im Grab vergessen,
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Als ries'ger Rosenphönix leuchtend, schreitet
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Aus des Papyrus Kohlen ihm, – indessen
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Sein eigner Lenz vor'm Thor vorübergleitet!

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Mann, füll' mit Oel die Lampe, daß sie heiter
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Zum Tempeldienst des Lichts entzündet werde,
63
Und sinne du das alte Räthsel weiter!
64
Noch rollt, des alten Elends voll, die Erde.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Anastasius Grün
(18061876)

* 11.04.1806 in Ljubljana, † 12.09.1876 in Graz

männlich, geb. Grün

österreichischer Dichter und Politiker

(Aus: Wikidata.org)

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