Der Apalachen Wellenberge loh'n

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Anastasius Grün: Der Apalachen Wellenberge loh'n Titel entspricht 1. Vers(1842)

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Der Apalachen Wellenberge loh'n
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Im Abendrothe, während Glockenton
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Zum Feierabend durch die Pflanzung hallt,
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Und mählich still es wird im dunklen Wald.

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Der Specht, Urwalds Kapellenmeister, pickt
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Nicht mehr den Takt; er weiß, daß ihm's nicht glückt
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Zu stimmen in des Einklangs Melodei
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Des Käuzchens Pfiff, des Papageien Schrei.

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Im Schatten einer Sycomore sitzt
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Am räum'gen Tisch, aus Acajou geschnitzt,
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Der Pflanzer, dem aus Kannen silberblank
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Entgegenqualmt des Theebaums duft'ger Trank.

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Geschmiegt an ihn der ros'gen Kinder Schaar
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Die ihm die schlanke Lieblings-Skwa gebar,
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Umblüht verschönend seine rauhe Kraft,
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Wie Nikisranken blühn am Cedernschaft.

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Welch Segensfeld liegt vor mir aufgethan!
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Sein weißes Wohnhaus blinkt im Wiesenplan,
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Das Maisfeld rauscht, die Baumwollstaude weht,
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Das Zuckerrohr in hellen Blüthen steht.

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Wie eine Opferschale, feierlich,
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Hält er die volle Tasse jetzt vor sich,
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Und der Begeist'rung stiller Glanz umflicht
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Fast priesterlich sein strenges Angesicht:

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»heil China dir! Durch ferne Meere weit
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Eilt jetzt mein Dank zurück in ferne Zeit
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Und sucht den Mann, der dieses heil'ge Kraut,
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Den Nektar unsrer Freiheit, einst gebaut!

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Als er noch schritt an des Hoangho Strand,
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Und still die Saat entsunken seiner Hand,
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Wohl hat kein Ahnen dessen ihn umweht,
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Daß eines Welttheils Freiheit er gesä't!

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Hoch vom Pagodenthurm der Mandarin
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Schaut übers Land und streicht sich froh das Kinn!
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Der Theebaum säuselt so geheimnißvoll,
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Als ob er mehr als Blüthen tragen soll.

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Ob sein Vasall es leise nur errieth,
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Als er dieß Kraut auf glühem Roste briet,
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Daß Sankt Laurenzens Rost er schürt und facht,
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Der einst als Blutzeug' unsres Worts erwacht?

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Der Arzt, deß Forschergeist aus diesem Kraut
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Dem Siechen wunderkräft'gen Trank gebraut,
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Er wußt' es doch nicht, der gelahrte Mann,
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Wie daß sein Kraut auch Ketten sprengen kann!

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Der Britte, der einst mit dem dunklen Kraut
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Voll seines Segelschiffes Bauch gestaut,
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Nicht wußt' er's, daß die Rach' er führt' als Gast,
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Und daß die Freiheit schwebt' ob seinem Mast!

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Hat jemals, Boston, es dein Meer geträumt,
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Daß es ein Fruchtfeld einst voll Saaten keimt?
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Daß seinem Schooß dereinst entsteigen soll
52
Der Baum der Freiheit, groß und blüthenvoll?

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O Kinder, haltet fest an Recht und Licht!
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Aus Rosen selbst der Dorn der Rache sticht!
55
Es sä't der Mensch, doch ob den Saaten wacht
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Still eine dunkle, räthselvolle Macht.«

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So sprach der Mann und strich sich froh das Kinn;
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Geheimnißflüsternd rauscht die Saat dahin,
59
Und hinter ihm blickt aus dem Zuckerrohr
60
Ein krauses, dunkles Negerhaupt empor.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Anastasius Grün
(18061876)

* 11.04.1806 in Ljubljana, † 12.09.1876 in Graz

männlich, geb. Grün

österreichischer Dichter und Politiker

(Aus: Wikidata.org)

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