Im Circus dort, ob einer dunklen Zelle

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Anastasius Grün: Im Circus dort, ob einer dunklen Zelle Titel entspricht 1. Vers(1842)

1
Im Circus dort, ob einer dunklen Zelle
2
Verfallnem Thor, winkt aus der Quadern Rissen
3
Ein Blüthenstrauch, gerankt gar fröhlich helle,
4
Wie einer Schenke Kranz mit lust'gem Grüßen!

5
Wir treten ein! Nicht müht um seine Gäste
6
Der Wirth, der hag're, sich in diesen Räumen:
7
In einer Ecke hält er ruhig Sieste,
8
Die tausendjähr'gen Träume auszuträumen.

9
Seht auf den Polstern tausendjähr'ger Laven,
10
Die einst geprunkt in Purpurs Königsfarbe,
11
Gekauert das Geripp' des Fechtersklaven,
12
Verwischt selbst seiner Stirne Siegesnarbe!

13
Er träumt vielleicht noch fort die dunkle Kunde
14
Vom Spartakus, der Knechtschaft Ahasvere,
15
Deß bleich Gespenst noch wandelt seine Runde,
16
Erneuend stets die alte, blut'ge Mähre!

17
Er träumt von der Arena Bahn und Stufen,
18
Vom Siegeskranze, der ihm zugeflogen;
19
Fast schüttelte des Volkes Beifallrufen
20
Die Sterne noch dazu vom Himmelsbogen!

21
Wohl dünkt die bandumwundne Blumenkrone
22
Ihm ein verschönert Nachbild nur des Strickes,
23
Den er als Zeichen seiner Knechtschaftsfrohne
24
Einst trug als grausen Kranzreif des Genickes!

25
Ein Wort durchschlängelt dort den Stein der Wände,
26
Wohl ritzten's ins Gestein des Sklaven Hände
27
Einst statt des Griffels mit des Kampfdolchs Spitze.

28
Noch ist die fahle Stirn' dahin gerichtet,
29
Noch ist das hohle Aug' dahin gewendet,
30
Wie nach dem Sterne, der sein Dunkel lichtet,
31
Wie nach der Sonne, deren Glanz ihn blendet.

32
Wie aus dem Becher Weins, des guten, alten,
33
Die Sehnen Kraft und Muth die Herzen saugen,
34
So tränkt' aus jenem Wort, sie wach zu halten,
35
Mit Licht für lange Nächt' er seine Augen.

36
Du schöner Strauch vor'm Thor, den fremden Gästen
37
Log nicht dein Zeiger, der gewinkt zum Weine!
38
Ja hier ist Wein! Und zwar vom stärksten, besten!
39
Hier wird geschenkt der Tausendjähr'ge, Reine!

40
Ihr aber, Franken und Germanen, Britten
41
Und sonst all' dieser Trümmerwelt Nomaden,
42
Laßt einzutreten euch nicht lange bitten!
43
Ein Schlückchen im Vorbeigehn wird nicht schaden.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Anastasius Grün
(18061876)

* 11.04.1806 in Ljubljana, † 12.09.1876 in Graz

männlich, geb. Grün

österreichischer Dichter und Politiker

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.