Ist heut der Ent' und Wälschhuhns jüngster Tag

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Anastasius Grün: Ist heut der Ent' und Wälschhuhns jüngster Tag Titel entspricht 1. Vers(1842)

1
Ist heut der Ent' und Wälschhuhns jüngster Tag,
2
Daß rings ihr Krächzen schreit aus Hof und Hag?
3
Der Pflanzer rückt zur Wachtparad' von Haus
4
Und rupft sich einen Federbusch erst aus!

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Der Festtag ist's der Unabhängigkeit!
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Vor Pittsburgs Thoren stehn ins Glied gereiht
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Des Pflugs, der Werkstatt Söhne, kriegrisch bunt,
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Der Glatzkopf hier, dort Jüngling Rosenmund!

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Kopfschüttelnd wallt der Hauptmann durch die Reihn
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Durch Weiß und Kupferfarb' und Groß und Klein!
11
Die Jacke hier, daneben der Talar,
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Perückenhaupt und wehend Lockenhaar!

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Daß Gott erbarm'! Ei, Nachbar lieb und werth,
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Ihr tragt ein gar zu rostig, schartig Schwert!
15
»bei Saratoga trug's mein Vater schon,
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Den Pfirsichbaum stutzt jetzt damit der Sohn!

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So trägt es stolz, von Sieg und Lenz erwählt,
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Des Kriegs und Friedens Scharten schön vermählt,
19
Wie auf des wahren Helden Angesicht
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Der Schlacht und Schenke Narb' in Eins sich flicht!«

21
He, Freund, dein Helmbusch spielt gar selt'nen Glanz!
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Ich mein', er wuchs auf eines Hahnen Schwanz!
23
»ei, ist der Hahn mir doch kein übler Bot',
24
Sein Ruf und Flügelschlag bringt Morgenroth!«

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Den Bauch zurück, Gevatter, wenn du's kannst!
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Die ganze schöne Front verdirbt dein Wanst!
27
»er ist nur eine Festung mehr dem Land!
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Vertheid'gen soll sie mannlich meine Hand!«

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Der trägt die Whiskyflasche angeschnallt,
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Wie das Osagenweib ihr Kind im Wald!
31
»wohl eines schönen Kornfelds guter Geist
32
Wohnt drin, der mich der Heimat denken heißt!«

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He, Flügelmann, dein Zopf erschreckt mich fast,
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Steif und gespenstisch, wie ein kahler Ast!
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»und ist's ein Ast, hüpft wohl ein Vöglein drauf
36
Und spielt ein hübsches Lied von Freiheit auf!«

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Heda, weß ist das Füllen, das dort läuft,
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Und an des Fähnrichs brauner Stute säuft?
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»zürnt nicht! Wer wäre doch so schlimm gesinnt,
40
Zu trennen gar die Mutter von dem Kind!«

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Die weiße Schärpe, Alter, läßt dir fein,
42
Doch paßt sie wirklich nicht in Glied und Reihn!
43
»des Kindleins Bahrtuch ist's, das mir erblich,
44
Und mahnt geweihter, heil'ger Erde mich!«

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Der Regenbogen, der doch farbenreich,
46
Ganz farblos, Kinder, ist er gegen euch!
47
»zwängt, Vater, nicht den Leib in spröde Norm,
48
Sind unsre Herzen doch in Uniform!«

49
Zerfetzt ist das Panier, drum ihr euch reiht!
50
Zu Mess' und Predigt kein Kaplan bereit!
51
»fahn' ist ja jeder Baum im Vaterland,
52
Gott selbst hat ihm gestickt das Fahnenband!

53
In unsichtbarer Priesterhand erhöht,
54
Schwebt hoch, vom blauen Baldachin umweht,
55
Die Sonne durch der Wolken Opferduft,
56
Der Lieb' und Freiheit Hostie, in der Luft.«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Anastasius Grün
(18061876)

* 11.04.1806 in Ljubljana, † 12.09.1876 in Graz

männlich, geb. Grün

österreichischer Dichter und Politiker

(Aus: Wikidata.org)

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