Des schönsten Busens Form seh' ich bewahren

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Anastasius Grün: Des schönsten Busens Form seh' ich bewahren Titel entspricht 1. Vers(1842)

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Des schönsten Busens Form seh' ich bewahren
2
Dich, graue Lava, Aphroditens Becher!
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Der Liebe Trank, den ew'gen, feuerklaren,
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Schlürf' ich aus dir, ein durst'ger Liebeszecher!

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Ich seh' die schönste von Pompeji's Frauen
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Im Garten, der sich sonnig vor ihr breitet!
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Wohl ist er schön und blüthenvoll zu schauen,
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Doch schöner, üpp'ger blüht, die ihn durchschreitet.

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Es hält Akanth und Bux als Wacht von Zwergen
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In Haft Viol' und Ros' im grünen Erker;
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Ihr Mieder doch mag als Gefangne bergen
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Zwei schönre Röslein wohl in seinem Kerker.

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Ich seh' als Silberschaft den Springquell steigen
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Und ihn als Schnee millionenflockig fallen,
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Gleich einer Trauerweid' aus Silberzweigen,
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Doch schöner, weißer ihren Busen wallen!

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Da sieht der Geist des Feuerbergs hernieder
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Vom Flammenthron; ihn faßt die Macht der Liebe!
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Bebt, wenn euch Götter hassen, Erdenbrüder,
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Doch auch nicht minder bebt ob ihrer Liebe!

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Schon eilt, daß ihn kein Späher überrasche,
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Sein Mohrensklave, jene schwarze Wolke,
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Mit einem Schleier – ach, von Staub und Asche! –
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Der Liebe Haus zu hüllen vor dem Volke!

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Schon muß dem Kuppler nach, daß er nicht weile,
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Sein Sklavenvogt, der Sturm, jetzt brausend fahren;
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Der peitscht mit Feuerruthen ihn zur Eile
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Und zaust in seinen schwarzen, krausen Haaren!

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Schon tobt herab der Herr die Bergestreppe,
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Im Purpurmantel glüh'nder Laven wallend;
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Vesuv als Page hält den Saum der Schleppe,
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In ries'gem Bogen seinem Arm entfallend!

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So ungestüm hetzt Jenen Liebeshitze,
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Daß aus der Feuerkron' im Niederwallen
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Ihm Diamanten: flammenhelle Blitze,
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Granaten: glüh'nde Felsen taumelnd fallen!

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Schon ist er da, die Arme ausgebreitet,
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Die feur'gen, daß den süßen Leib er hasche!
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Doch ab von seinem Herzen dieser gleitet,
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Und knickt zur Erd' als eine Handvoll Asche.

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Die Rosen sind verdorrt am Hochzeitfeste!
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Die Quellen sind versiegt im Gartengrunde!
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Nur in des Königsmantels Lava preßte
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Sich ab des schönsten Busens volle Runde.

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Da sprach der Gott: »Weib, deines Leibes Schöne
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Verweh' nicht, Rosen gleich, im Kuß der Winde!
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Sie soll entzücken noch die Enkelsöhne,
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Stets leb' ein Zeuge, der sie ihnen künde!

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Du graue Lava, sollst in Staub nicht fallen!
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Als Lampe, schöngeformt, sollst du erhellen,
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Glanzstrahlend, der Jahrtausend' Tempelhallen
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Und voll des heil'gen Oels der Liebe quellen!

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Als runde Opferschale sollst auf Erden
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Der Liebe ew'gen Nektar du kredenzen,
55
Draus sich Jahrtausende berauschen werden,
56
Und deren Rand die spät'sten Rosen kränzen!«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Anastasius Grün
(18061876)

* 11.04.1806 in Ljubljana, † 12.09.1876 in Graz

männlich, geb. Grün

österreichischer Dichter und Politiker

(Aus: Wikidata.org)

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