Sei mir gegrüßt, Ohio, schöner Strom

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Anastasius Grün: Sei mir gegrüßt, Ohio, schöner Strom Titel entspricht 1. Vers(1842)

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Sei mir gegrüßt, Ohio, schöner Strom,
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Der im gebetesstillen Urwaldsdom
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Auf neuer Städt' unheil'gen Marktlärm stößt,
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Hier Goldsaat tränkt, dort Felskolosse flößt!

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Ein Bild der Zeit, begegnen sich auf dir
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Der Riesenbaum, den Sturm entwurzelt, hier
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Und dort des Dampfschiffs wandelnder Palast,
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Des Wilden Kahn, gebaut aus einem Ast!

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Hier hörtest du des Britten feilschend Wort,
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Des irren Indianers Wehruf dort
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Und lauschest jetzt des Deutschen ernstem Lied,
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Das auf dem Strom der Sehnsucht heimwärts zieht!

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Du sangst mein Wiegenlied, du hieltest klar
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Dem Jüngling einst der Reinheit Spiegel dar
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Und hast geflüstert leis ins Herz dem Mann
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Des Ernstes und der Kraft ein Wörtlein dann!

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Du siehst mein Vaterhaus, so deutscher Art,
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Als ob's ein Engelpaar in luft'ger Fahrt,
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Wie einst Loretto's Gnadenhaus, hierher
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Gerad' vom Rhein getragen übers Meer.

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Drin grüß' ich, heimisch Larenpaar, dein Bild,
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Dich, großer Fritz, dich, Joseph weis' und mild!
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Am Fenster klimmt ein Rosenstrauch hinan,
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Auch er durchmaß als Zweig der Meere Bahn.

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Ein Frühlingsargonaute zog er fort,
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Der, steuernd aus der Heimat sichrem Port
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Nach ferner Lenze goldnem Sonnenvließ,
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Daheim sein Liebchen Nachtigall verließ.

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O Deutscher, deine Heimatlieb' ist gleich
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Dem Feuerwein, an Duft und Gluthen reich,
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Der, wenn er weiter Meere Bahn durchzog,
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Nur höh're Gluth und neue Würzen sog!

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Vor'm Hause liegt ein Feld, aus dessen Raum
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Manch Strunk noch ragt von manch gefälltem Baum,
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Ein Urwaldsforum, von deß Säulenzahl
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Des Feindes Sturm nur ließ manch Piedestal.

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Und mitten in gesunkner Säulen Kreis
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Als Triumphator sitzt ein ernster Greis,
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Als Zepter blitzt die Axt in seiner Hand,
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Als Siegeswagen fuhr sein Pflug durchs Land!

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Mein Vater ist's! Seht rings sein rüstig Heer!
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Es starrt von Golde, schimmernd Speer an Speer!
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Die Saaten sind's, sie lagern nah und fern,
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Gewaffnet All' für ihren süßen Kern!

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Das sind vom Rhein die Truppen, deren Zelt
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Er siegreich an Ohio's Bord gestellt!
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Sie flüstern, Kriegern gleich an fremdem Strand,
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Vertraut vom schönen, fernen Vaterland.

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Colibri-Schwärme flattern farbenreich
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Ums Heer, verbuhlten, lust'gen Dirnen gleich;
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Ihr Losen, laßt mir ungeschwächt und stark
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Die schöne Fremdenschaar an Kern und Mark!

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Die Heerde, die im Walde läutend geht,
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O Held, ist deiner Thaten Hofpoet;
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Gleich dem erhebt, wenn Hunger sie beschlich,
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Am allerlaut'sten ihre Stimme sich.

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Sieh Riesenbäume, die geschont dein Streich,
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Mit Kränzen üpp'ger Schlingeblumen reich
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Behängt die Arm', als Abgesandte stehn,
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Die kamen, Frieden von dir zu erflehn!

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Und Nachts, wenn durch des Urwalds dunkles Grün
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Myriaden Feuerfliegen leuchtend sprühn,
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Ist's die Beleuchtung nur, die funkeln läßt
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Dem Sieger die erstürmte Stadt zum Fest!

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Nur dort im Mondenschein ragt todt und kahl
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Uralter Bäume Patriarchenzahl,
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Wie Geister der im Kampf Erschlagnen fast
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Ein stummes Händeringen jeder Ast!

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Sieh fern die Wogen eines Feuermeers
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Wie Lagerfeuer des geschlagnen Heers!
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Als schwäng' das Flammenschwert ein Seraphchor,
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Flammt einmal noch der Wald im Zorn empor!

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Die Ros' am Fenster glüht im Widerschein,
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Sie nickt wohl grüßend in die Nacht hinein.
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Doch dünkt mich, in dem blüthenreichen All
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Fehlt ihr die heim'sche, deutsche Nachtigall.

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Du hast erkämpft ein schönes Vaterland!
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Was neigst du sinnend, Greis, dein Haupt zur Hand?
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Ob deines Herzens stillen Rosen nicht
80
Wohl auch die heim'sche Nachtigall gebricht?

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Anastasius Grün
(18061876)

* 11.04.1806 in Ljubljana, † 12.09.1876 in Graz

männlich, geb. Grün

österreichischer Dichter und Politiker

(Aus: Wikidata.org)

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