1.

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Anastasius Grün: 1. (1842)

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Im Golf Neapels, an Pompeji's Küsten
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Liegt eines Schiffes majestät'scher Bau;
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Matrosen, an den Masten klimmend, rüsten
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Zur nahen Abfahrt Segel schon und Tau.

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Am Missisippi grünten einst die Wipfel,
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Jetzt im Tyrrhenermeer sich spiegelnd dort
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Entlaubt und kahl! Jedoch von ihrem Gipfel
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Tönt lust'ger Vögel Lied noch immerfort!

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Von außen über der Kajüte schimmert
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Ein Römerheld, geschnitzt, als Schutzpatron,
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Deß Haupt ein goldner Lorberkranz umflimmert,
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Deß Hand als Strauß Cyanen hält und Mohn.

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Ein Garbenbund liegt ihm zur Linken munter,
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Rechts droht das Beil aus Ruthen grimm heraus;
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Die Aehnlichkeit verbürgend, spricht darunter
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Goldschrift den Namen: »

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Von vierundzwanzig Sternen golddurchschossen,
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Neigt drüber sich die blaue Flagge mild,
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Wie eine späte Glorie, die umflossen
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Mit Sternenglanz das alte Heldenbild.

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Ein Sohn Amerika's, gekreuzt die Hände,
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Lehnt still am Mast an Cincinnatus' Bord;
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Sein Aug' durchschweift im Flug des Golfs Gelände,
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Winkt hier ein Lebewohl, nickt Grüße dort:

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»europa's Hand Italia, die schöne,
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Erhebt sich segnend über'm Wogenglanz,
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Und daß des Meeres Haupt sie liebend kröne,
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Hält sie Neapels Golf als würd'gen Kranz.

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Er riß vor Füll'! Im Blüthenkuß nicht küssen
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Misenums und Minervens Kap sich mehr!
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Wie einzle Blumen liegen losgerissen,
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Zerstreut, die schönen Inseln bunt umher!

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O Capri, Rose, schön im Spätroth glühend!
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Doch sieh, Tibers zertrümmert Riesenschloß,
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Es ist der Kuß der Schlange, geifersprühend,
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Der, Rose, dir entweiht den keuschen Schooß!

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Nisita's, Ischia's weiße Burgen schimmern
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Wie Wasserlilien über'm Meeresplan;
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Doch Kettenklang und der Gefangnen Wimmern
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Steigt als der Kelche Duften himmelan!

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Ihr Blüthen rings, mich täuscht nicht euer Kosen!
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Ich weiß, ihr seid ein Selam nur der Schmach!
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Geschrieben hat in Lorbern und in Rosen
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Hier jede Zeit die Gräu'l, die sie verbrach!

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Ich weiß es, Ros' und Lorber trunken schwellen
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Nur in dem Duft, der rings aus Gräbern steigt;
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Orangen, Reben und Granaten quellen
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Nur von dem Blute, das sie reich gesäugt!

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Sie Alle sind Guirlanden nur, zu ranken
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Und einen großen Blutaltar: dieß Land,
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Die von des Opfers Todeskrampf noch schwanken,
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Dran noch sein letzter Sterbehauch gebannt!

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Es lodert mitten durch des Weltbrands Trümmer
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Vesuv, das letzte Haus, das fort noch brennt;
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Neapel, stolz gehüllt in Lärm und Schimmer,
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Sein Schutt ist deines Baues Fundament!

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Dein Volk, nur Trümmer jenes sturmentrafften,
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Gewalt'gen Heldenvolks voll Glanz und Kraft,
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Und deines Marktes kleine Leidenschaften
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Nur Trümmer einer großen Lebenskraft!

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Castellamare dort, wo Anjou's Veste
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In Trümmern stottert noch manch blutig Wort!
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Elysium, eines Himmels Trümmerreste!
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Avernus, einer Hölle Trümmer dort!

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Sorrent's Gestad' im blauen Flur von Lüften!
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Wie mich dieß Wort mit süßem Schmerz beschlich!
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Sieh', auf Gesängen und Orangendüften
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Wiegt ein zertrümmert Dichterleben sich!

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Pompeji, sei gegrüßt, erhabne Leiche!
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Die Gegenwart als Leichenräuber schwingt
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Den Spaten; seht, wie er mit jedem Streiche
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Zu Tag ein Stück der Weltgeschichte bringt!

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Du bist das Antlitz nur vom Leib des Riesen,
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Den noch umhüllt der Erde Leichenkleid!
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Doch deines Hauptes welke Züge wiesen
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Die alte Kraft und Füll' und Heiterkeit!

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Dein Sarno, der dir einst als Kraftathlete
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Der Schätze Last zum Port gewälzt so leicht,
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Sieh, wie er mühsam jetzt zum Meeresbeete,
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Gleich wie ein Greis zum Grab auf Krücken, schleicht!

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Und triumphirend über Menschenkräfte
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Pflanzt manchen Baum in deiner Hallen Flur,
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Manch Moos dir auf Altär' und Säulenschäfte
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Als Fahne der Erob'rung die Natur.

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Doch blinkt noch unversehrt der Gräber Straße;
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Ach, das allein Beständ'ge ist das Grab!
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Und lächelnd wandelt deine öde Gasse
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Der alte Sonnenschein noch auf und ab.«

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So sprach des fernen Westens Sohn, indessen
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Die Sonn' am Horizonte niederzog,
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Von wo durchs Meer ihr Glanzstreif unermessen
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Bis an sein Schiff als goldne Brücke flog.

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Und auf der goldnen Brücke wandelt heiter
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Des Jünglings Geist gen Westen unverwandt,
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Wallt durch die Meereswüste, immer weiter
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Und fort und fort, da ruft er jubelnd: Land!

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»land! Land! o meines Vaterlands Gestade!
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Willkommen, Baltimore's schöner Strand,
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Der mit den grünen Armen die Najade,
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Das Meer, als seine süße Braut umspannt!

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Es braust der Susquehannah, wogenschlagend,
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Als Hymne dir vom Mund zum Preis der Braut;
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Washingtons Mal, als lichter Pharus ragend,
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Liegt dir als Talisman am Herzen traut.

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Seid mir gegrüßt, ihr Wälder, Königsriesen,
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Umwallt von farb'ger Ranken blühendem Reis,
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Die purpurnen Trompeten gleich, als bliesen
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Sie in Posaunen eurer Schönheit Preis!

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Gewalt'ge Ströme, drauf des Dampfschiffs Wolke
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Durch Urwaldwüsten und Savannen steigt
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Und, wie die Säule Rauchs einst Jakobs Volke,
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Die Bahn zu neuem, schön'rem Eden zeigt!

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Ihr Städte, über Nacht entsprossen schnelle
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Gleich Blumen, seht, an euren Marktbrunn lenkt
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Der Damhirsch seinen Schritt und sucht die Quelle,
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Die gestern noch im Walde ihn getränkt!

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Ihr stillen Pflanzungen einsam Zerstreuter,
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Wo zu den Bäumen floh des Menschen Schmerz,
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Die, greisen Aerzten gleich, ihr Laub wie Kräuter
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Ihm heilend legen auf das wunde Herz!

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Sieh, Leben rings auf jedem deiner Züge!
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Selbst jene Grabeshügel alter Zeit
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Verhüllt, wie eine tausendjähr'ge Lüge,
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Auch eines tausendjähr'gen Waldes Kleid!

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Selbst die Cypresse Mont Vernons, die düsternd
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Vom Grab des Helden ferne Schiffer grüßt,
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Ein Lied des Lebens säuselt sie, das flüsternd
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Aufs Vaterland noch wie sein Segen fließt!

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Wehklagend flieht der Urwald immer weiter,
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Bison entstürzt und Panther mit Geheul,
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Und hinter ihnen schwingt triumphesheiter
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Der Mensch, obsiegend der Natur, das Beil!

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Mein Vaterland, in deines Lebens Glanze
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Sieh hin jetzt in Pompeji's Angesicht,
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Daß auch das deine einst im Todeskranze
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So ruhig lächle und so ernst, so licht!

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Daß, sollst du einst dem Dolch der Zeiten fallen,
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Du heiter dich in deinen Mantel hüllst,
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Und, so wie Cäsar, vor den Zeugen allen,
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Im Tod noch groß und würdig sinken willst!«

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So einte Ostens Lorber, Westens Palme
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Sein Geist auf goldner Sonnenbrück' als Kranz;
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Pompeji gab des Tods Cypressenhalme,
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Amerika des Lebens Rosenglanz.

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Die Blumen wurden farb'ger stets und lichter,
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Da senkt' er sie ins ew'ge, tiefe Meer;
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So, Freunde, senkt sie auch, gleich ihm, der Dichter
148
In eures Busens ew'ges, tiefes Meer.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Anastasius Grün
(18061876)

* 11.04.1806 in Ljubljana, † 12.09.1876 in Graz

männlich, geb. Grün

österreichischer Dichter und Politiker

(Aus: Wikidata.org)

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